• Adels-Spektakel in Potsdam: Blaublüterhochzeit sorgt für böses Blut

Adels-Spektakel in Potsdam : Blaublüterhochzeit sorgt für böses Blut

UPDATE. Die brandenburgische SPD schließt sich der Linken-Kritik an der RBB-Übertragung der Hohenzollern-Hochzeit an – der Sender wehrt sich.

Vor laufender Kamera. Georg Friedrich Prinz von Preussen und seine Verlobte Sophie Prinzessin von Isenburg heiraten am 27. August in der Friedenskirche.Alle Bilder anzeigen
Fotos: dpa/Andreas Klaer
02.08.2011 22:25Vor laufender Kamera. Georg Friedrich Prinz von Preussen und seine Verlobte Sophie Prinzessin von Isenburg heiraten am 27. August...

Sanssouci - Eigentlich soll es das gesellschaftliche Ereignis des Jahres werden. Doch weil auch Kameras des öffentlich-rechtlichen RBB-Fernsehens surren, wenn am 27. August Georg Friedrich Prinz von Preussen und Sophie Prinzessin von Isenburg in der Friedenskirche vor den Traualtar treten, mehrt sich die Kritik an dem Aufwand der geplanten dreistündigen Liveübertragung.
So bringt die zum Fernsehevent stilisierte Hochzeit der Blaublüter das rote Blut der Politiker mehr und mehr in Wallung. Insbesondere das der roten Politiker. Die Linksfraktion im brandenburgischen Landtag äußerte ihr Befremden und sprach von „Adels-Kult“. Angesichts der vom RBB selbst mehrfach angeführten Kostenbelastungen durch Live-Formate verbiete sich der Aufwand, kritisierte Stefan Ludwig, Vize-Fraktionschef und designierter Landeschef der Linken. Auch vom Koalitionspartner SPD kam Kritik: „Das ist eine Prioritätensetzung, die ich nicht nachvollziehen kann“, sagte deren medienpolitischer Sprecher Klaus Ness am Mittwoch. „Ich bin sicher, dass es darüber Diskussion geben wird bei der nächsten Aufsichtsratssitzung“, meinte Ness, der auch SPD-Generalsekretär und Mitglied des RBB-Rundfunkrates ist.
Der Sender wies die Vorwürfe zurück. „Wir wollen den unterschiedlichen Interessen der Zuschauer gerecht werden“, sagte RBB-Sprecher Justus Demmer. Es sei willkürlich, sich einen einzelnen Programmpunkt herauszugreifen, es komme auf das Gesamtangebot an. Angaben zu den Kosten machte er nicht.
Für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, über deren Hoheitsgebiet einst Georg Friedrichs Ururgroßvater, Kaiser Wilhelm II., gebot, schlägt sich das Spektakel in einem Geldsegen „in niedriger fünfstelliger Höhe“ nieder. Die Summe setze sich aus den Mieteinnahmen für die Neuen Kammern und die Pflanzenhalle der Orangerie sowie den entsprechenden Nebenkosten zusammen, sagte Stiftungssprecher Ulrich Henze den PNN. Für die Besucher von Park Sanssouci ist der Hohenzollernhochzeitstag mit Einschränkungen verbunden. Der Haupteingang durch das Grüne Gitter, die Christuspforte hinter der Friedenskirche, der Marly-Garten und die Neuen Kammern sind ganztägig gesperrt, die Orangerie ab 16 Uhr.
Polizeisprecher Mario Heinemann erklärte, noch sei unklar, ob und wo Straßensperrungen nötig sind. Dies werde mit dem Veranstalter abgestimmt. Für die Sicherheit der rund 700 geladenen Gäste, die zum Teil dem internationalen Hochadel angehören, werde ein „angemessenes Polizeiaufgebot“ sorgen.
Stiftungssprecher Henze sagte, seines Wissens nach sollen die Maulbeerallee und die Allee nach Sanssouci gesperrt werden, allerdings verwies er für Details an das Ordnungsamt der Stadtverwaltung. Dort hüllte man sich auf Nachfrage indes in nahezu untertäniges Schweigen: „Uns liegen keine Detailangaben in der von Ihnen gewünschten Form vor bzw. wir sind nicht berechtigt, derartige Anfragen zu beantworten.“ Dazu berechtigt sei Michaela Blankart, Leiterin der Generalverwaltung des vormals regierenden Preussischen Königshauses, so das Rathaus.
Blankart erklärte, die Beeinträchtigungen für die Öffentlichkeit hielten sich „sehr in Grenzen“, Sperrungen gebe es allenfalls kurzzeitig. Verstimmt reagierte sie auf die Anfeindungen aus der Politik. Das Brautpaar habe lange gezögert, ob es der Liveübertragung zustimmen solle, sagte sie den PNN. Schließlich werde die Privatsphäre eingeschränkt. Der RBB habe jedoch „darauf gedrungen“, die Hochzeit zu übertragen. Die Kritik daran sei allein Sache des Senders. Niemand werde gezwungen, die Sendung zu schauen. „Soll Herr Ludwig doch zu RTL II umschalten“, empfahl Blankart. Sie verstehe die Aufregung nicht, sagte sie. „Für Potsdam ist das eine Riesen-, Riesenwerbung.“ Die Hotels rundum seien alle ausgebucht. Französische Zeitungen hätten bereits Artikel über die Hochzeit und Potsdam veröffentlicht.
Den Grünen treibt die Hochzeitsübertragung den Puls nicht nach oben. Ihre innenpolitische Fraktionssprecherin Ursula Nonnemacher sagte, öffentlich- rechtliches TV habe auch einen Unterhaltungsauftrag. „Und manche Leute sehen solche Sendungen eben gerne.“ (mit dpa)

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