Potsdam : Ade, Babelsberger Park!

Nach 36 Jahren als Fachbereichsleiter wird Karl Eisbein verabschiedet

Erhart Hohenstein

Vom vernachlässigten Aschenputtel verwandelt sich der Babelsberger Park wieder in eine Prinzessin. Dies ist wesentlich dem Fachbereichsleiter des Welterbeparks, Karl Eisbein, zu verdanken. Ab 1961 waren 14 Hektar des Gartendenkmals in das DDR-Grenzgebiet einbezogen worden, dabei wurden die auf Lenné und Pückler zurückgehende Bodenmodellierung und die Wegeführung zerstört, die Bepflanzung und zahlreiche Parkarchitekturen vernichtet. Unter Eisbeins Leitung sind diese Schädigungen seit 1990 weitgehend rückgängig gemacht worden.

Nun gibt der Gartenbauingenieur nach mehr als 36 Jahren die Leitung des Parks in jüngere Hände. Am Donnerstag wird er von der Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten feierlich verabschiedet.

Sie verliert damit einen äußerst fachkundigen und erfahrenen, stets auch unbequemen Mitarbeiter, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hielt. So protestierte Karl Eisbein bereits 1980 beim DDR-Ministerrat dagegen, dass durch die Bebauung im Neubauviertel Zentrum-Ost die acht Kilometer lange so genannte „Lange Sicht“ vom Park bis zu den Geltower Schäfereibergen verstellt werden sollte. Tatsächlich wurden die Bebauungspläne daraufhin variiert. Nahezu völlig zerstört wurde die Lange Sicht dann aber durch den Bau des Potsdam-Centers und der „bewohnbaren Lärmschutzwand“, wie Eisbein die Wohnblocks an der Schnellstraße nennt.

Dagegen protestierte er ebenso vergeblich wie gegen die Bebauung des Glienicker Horns mit Stadtvillen. In den letzten Jahren lernten dann die Bürgerinitiativen, die eine weitgehende Erholungsnutzung des Parks Babelsberg anstreben, Eisbein als zwar gesprächsoffenen, aber wenig kompromissbereiten Partner kennen. „Wir Gärtner tun, was für den Welterbepark fachlich richtig und notwendig ist“, erklärt er. In zahlreichen Führungen versucht er dies dem Publikum nahe zu bringen. Diese Tätigkeit möchte er auch im Ruhestand fortsetzen und, „falls die Stiftung das wünscht“, seine Kenntnisse in die weitere Gestaltung des Parks einbringen. Hier bleibt noch viel zu tun, so der Abschluss der Bodenmodellierung, die Wiederbelebung der Wasserspiele und die Gestaltung der Flächen, auf denen die vor kurzem abgerissenen Gebäude der Ulbricht-Akademie standen.

Als Ruheständler möchte sich Karl Eisbein aber auch stärker seinem Geburtsort Jerichow (Sachsen-Anhalt) zuwenden, wo am Fuße des romanischen Domklosters sein Elternhaus steht. Hier hatte der christlich erzogene Junge von einem Archäologiestudium geträumt, war aber wegen Verweigerung der Jugendweihe nicht zur Oberschule zugelassen worden. So lernte Karl Eisbein Gärtner und baute an einer Dresdner Fachschule den Ingenieur. 1968 begann seine 40-jährige berufliche Tätigkeit in der Gartendenkmalpflege. Erhart Hohenstein