• Abfallgebühren: Knapp fünf Euro mehr für Müll

Abfallgebühren : Knapp fünf Euro mehr für Müll

Die Stadt kündigt eine moderate Erhöhung der Müllgebühren an - die Kalkulation ist aber mit Vorsicht zu genießen.

Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Die Müllgebühren in Potsdam werden im nächsten Jahr „moderat steigen“. Das kündigte Ordnungsdezernentin Brigitte Meier (SPD) am Donnerstag vor Journalisten an und stellte eine Beispielrechnung vor: Für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt in einem Eigenheim erhöht sich der Jahresbeitrag beispielsweise um etwa 4,50 Euro.

Dabei gibt es für die konkrete Gebührenkalkulation gegenläufige Entwicklungen. So sinkt die Grundgebühr für Haushalte um 30 Cent pro Person und Jahr, von aktuell 27,03 auf 26,73 Euro. Hingegen erhöht sich die Gebühr für das Abholen und die Verwertung von Restabfall um sechs bis neun Prozent, je nach Größe der Abfalltonne. Auch beim Bioabfall gibt es leichte Preissteigerungen in einer Spanne von 0,5 bis drei Prozent.

Potsdams Ordnungsdezernentin Brigitte Meier (SPD).
Potsdams Ordnungsdezernentin Brigitte Meier (SPD).Foto: Sebastian Gabsch

Die Entwicklung ist laut Stadtverwaltung auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Einmal sucht die Stadt derzeit mittels einer europaweiten Ausschreibung nach Unternehmen, die ab nächstem Jahr die Restabfall-, Bio- und Sperrmüllverwertung für Potsdam übernehmen. Da dieses Vergabeverfahren aber noch nicht abgeschlossen ist, musste die Stadt mit Schätzwerten arbeiten, wie die zuständige Fachbereichsleiterin Nicole Prestin erklärte. Dabei habe man sich an den durchschnittlichen Marktpreisen orientiert – die angesichts steigender Abfallmengen zuletzt deutschlandweit gestiegen seien, so Prestin. So entstünden der Stadt insgesamt geschätzte Mehrkosten von 1,84 Millionen Euro, die mit der Erhöhung nun weitergegeben werden.

Insgesamt kommt die Stadt damit nun auf Müllverwertungskosten in Höhe von 19,9 Millionen Euro. Die Tendenz bei diesen Kosten sei damit, auch angesichts des Wachstums der Stadt, von Jahr zu Jahr steigend, hieß es. 2017 hatte das Rathaus noch mit 17,5 Millionen Euro kalkuliert.

Viel Geld eingespart

Doch sind diese Vorausberechnungen immer mit Vorsicht zu genießen. So nahm die Stadt im vergangenen Jahr auch 1,3 Millionen Euro mehr ein als gedacht, unter anderem weil mehr  Erlöse mit weggeworfenem Papier, Schrott und Alttextilien erzielt wurden. Außerdem hatte die Stadtentsorgung (Step) eigentlich mit höheren Dieselpreisen gerechnet – auch das sparte Geld ein. Diese besagten 1,3 Millionen Euro sind nun auch Teil der Kalkulation: Dadurch fällt denn auch insgesamt die Gebührensteigerung nur moderat aus, wie es Meier ausdrückte. Die Erhöhung steht noch unter dem Vorbehalt, dass die Stadtverordneten sie beschließen müssen.

Die Vertreter der Stadtverwaltung machten während der Pressekonferenz auch deutlich, dass in den kommenden Jahren erhebliche Investitionen im Bereich der Abfallentsorgung nötig sind – gerade im Potsdamer Norden, wo bekanntlich mit Krampnitz ein neuer Stadtteil entstehen soll.

So prüft die Stadt wie berichtet, ob eine neue Stadtentsorgungsanlage für Müll im Norden von Fahrland entstehen könnte. Ansonsten müsse die Müllabfuhr für ihre Touren, die derzeit im Potsdamer Süden beginnen, weiterhin eine halbe Stunde lang durch die gesamte Stadt fahren, rechnete Meier vor. Bisher gibt es auch Wertstoffhöfe, in denen Sondermüll abgegeben werden kann, nur im Potsdamer Süden – in Babelsberg und in Drewitz. Bis Jahresende soll das Rathaus laut einem Stadtverordnetenbeschluss erste Vorschläge für mögliche Standorte im Norden machen.

Ferner hatten die Stadtverordneten erst im April auf Antrag der Grünen beschlossen, dass das Rathaus die bisherigen Planungen für den Bau einer Bioabfallvergärungsanlage wieder aufnehmen müsse – und sich dazu mit den umliegenden Landkreisen abstimmen soll. Die Hoffnung dabei ist, dass man so mit der zunehmenden Bioabfallmenge auch Biogas zur klimaschützenden Energieerzeugung gewinnen könnte. Bisher waren aber mögliche Standorte, etwa die Fresdorfer Heide, unter anderem wegen Anwohnerprotesten wieder verworfen worden. „Leider will niemand solche Anlagen vor seiner Haustür haben“, kommentierte Ordnungsamtschefin Marina Kluge die schwierige Standortsuche.