• Stiftung will wildes Baden im Park Babelsberg unterbinden

Ab Badesaison 2020 : Aus für wilde Badestellen im Park Babelsberg droht

Die Stadt Potsdam und die Schlösserstiftung wollen wildes Baden im Park Babelsberg unterbinden - auch aus Naturschutzgründen.

Im Sommer sind die wilden Badestellen im Park Babelsberg ein beliebtes Ausflugziel für die ganze Familie.
Im Sommer sind die wilden Badestellen im Park Babelsberg ein beliebtes Ausflugziel für die ganze Familie.Foto: Thilo Rückeis

Potsdam - Die seit Jahren schwelende Debatte um Verbote von wilden Badestellen in Potsdamer Welterbeparks wird nun in Babelsberg konkret. Denn im Zuge der geplanten Umgestaltung des Strandbads Babelsbergs zugunsten eines historischen Rundwegs der Schlösserstiftung ist im Umfeld jetzt auch ein Badeverbot angedacht. In dem von Schlösserstiftung und Stadt Potsdam jahrelang verhandelten und den PNN vorliegenden Kompromisspapier für das Großprojekt heißt es unter dem Punkt „denkmalpflegerische Maßnahmen“: Es sei „verabredet“, dass Stiftung und Stadt „ab der Badesaison 2020 gemeinsame Anstrengungen unternehmen, um das wilde Baden im Park außerhalb des Strandbades zu unterbinden. Konkrete Maßnahmen bleiben weiteren Gesprächen vorbehalten.“

Darauf hat am Freitagabend die linksalternative Fraktion Die Andere via Twitter aufmerksam gemacht, die den Kompromiss ablehnt. Sie kündigte auch weiteren Widerstand gegen die Vereinbarung an: „Rettet den Badespaß.“

Vergangene Woche hatte allerdings der Bildungsausschuss der Stadtverordneten bereits mehrheitlich grünes Licht gegeben. Der Ausschussvorsitzende Stefan Wollenberg (Linke) sagte den PNN, dieser Passus habe bei der Sitzung keine Rolle gespielt, ihm sei das auch nicht aufgefallen. Er sehe auch keinen Grund die bisher geduldete Badestelle neben dem Strandbad in Frage zu stellen, so Wollenberg. Die Linke hatte sich bei dem Votum im Ausschuss laut Wollenberg enthalten.

Stiftung sieht Welterbeparks in Gefahr

Seit Jahren droht die Stiftung mit Badeverboten auf ihren Ufern, auch am Heiligen See. Hintergrund ist auch der steigende Nutzungsdruck in der wachsenden Stadt. So hatte es gerade in den beiden sehr warmen Sommern 2018 und 2019 immer wieder Schlagzeilen über vermüllte Uferwegabschnitte und Vandalismus gegeben, nicht nur in Babelsberg, sondern auch im Neuen Garten. Daher hatte die Stiftung unter ihrem neuen Chef Christoph Martin Vogtherr enormen Handlungsbedarf angesichts der Umweltzerstörung ausgemacht. Danach hatten die Potsdamer CDU, aber auch Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) Unterstützung für einen härteren Kurs der Schlösserstiftung signalisiert – allerdings gelten Verschärfungen der Regeln in den Potsdamer Welterbeparks stets als umstritten. Die Stiftung hatte darüber für dieses Jahr auch einen öffentlichen Dialog in Aussicht gestellt, bisher aber noch keine näheren Angaben gemacht, wie dieser aussehen soll.

Ein großes Problem: Der Müll im Park Babelsberg.
Ein großes Problem: Der Müll im Park Babelsberg.Foto: privat

Ferner soll die Stadt soll auf CDU–Initiative auch die Ausweisung neuer offizieller Badestellen in Potsdam prüfen, um für eine Entlastung der Welterbe-Flächen der Stiftung zu sorgen. Das wird laut dem Stadtverordnetenbeschluss aber erst nach dem nächsten Sommer beendet sein.

Das nun drohende Badeverbot im Babelsberger Park dürfte die öffentliche Debatte um die Verkleinerung des Strandbads weiter verschärfen. Einen Appell zur „Rettung des Strandbads“ haben auf dem Portal www.openpetition.de bereits mehr als 1450 Menschen unterschrieben, 1200 davon aus Potsdam. Das mögliche Badeverbot spielt in der Argumentation der Unterstützer bisher keine Rolle. Am Freitag ist ab 17 Uhr in der Aula der Lenné-Schule am Humboldtring eine Bürgerversammlung geplant, bei der Stadt und Stiftung über die Pläne informieren wollen. Sie sehen etwa einen Flächentausch vor, wodurch das Bad 4000 Quadratmeter kleiner wird. Der Flächentausch war nach einem langen Rechtsstreit infolge von Vermögenszuordnungen an die Stadt und die Stiftung nach der Wiedervereinigung als Kompromiss vereinbart worden. Die Kritiker fürchten zudem störenden Abriss- und Baulärm über mehrere Jahre sowie Millionenkosten aus Steuereinnahmen.


Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.