• 7. Pogida-Demo in Potsdam: Pogida schrumpft

7. Pogida-Demo in Potsdam : Pogida schrumpft

Nur noch 70 Teilnehmer folgten dem Aufruf der rechten Bewegung. 800 Potsdamer stellten sich ihnen im Bornstedter Feld entgegen

Alexander Fröhlich
POgida-Chef Christian Müller und seine Partnerin Anika Keller, die als seine Nachfolgerin gehandelt wird.
POgida-Chef Christian Müller und seine Partnerin Anika Keller, die als seine Nachfolgerin gehandelt wird.Foto: A. Klaer

Bornstedter Feld - Die rechte Pogida-Bewegung verliert offenbar immer weitere Anhänger. Zum siebten sogenannten Abendspaziergang am gestrigen Mittwoch im Bornstedter Feld kamen nur noch rund 70 Teilnehmer – angemeldet waren 500. Ihnen stellten sich rund 800 Gegendemonstranten entgegen, bis Redaktionsschluss blieb es weitgehend ruhig, lediglich eine vorübergehende Festnahme wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte auf Seiten der Linken war zunächst bekannt. Eine Blockade wie in der vergangenen Woche auf der Großbeerenstraße in Babelsberg gelang den Gegendemonstranten diesmal nicht. Allerdings verzichtete Pogida von sich aus auf einen ausgedehnten „Spaziergang“: Schon nach wenigen Hundert Metern kehrten sie wieder um. „Wir sparen uns die Konfrontation“, so Anmelder Christian Müller.

Bereits am späten Nachmittag war eine Antifa-Demonstration unter dem Motto „Rassismus tötet“ mit etwa 300 Teilnehmern am Lustgarten gestartet und über die Breite Straße, die Zeppelinstraße, den Luisenplatz und die Friedrich-Ebert-Straße in Richtung Bornstedter Feld gezogen. Dort hatte der Linke-Bundestagsabgeordnete Norbert Müller eine Gegendemo angemeldet, außerdem hatte das parteiübergreifende Anti-Rechts-Bündnisses „Potsdam bekennt Farbe“ wieder eine Protestveranstaltung organisiert.

1000 Polizisten im Einsatz

Rund 1000 Polizisten aus Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen sorgten dafür, dass sich die Pogida-Anhänger und die Gegendemonstranten nicht zu nahe kamen. Auch ein Wasserwerfer stand wieder bereit. In der Erwin-Barth-Straße kam es zu einer Blockade, die Polizei lenkte Pogida allerdings daran vorbei.

Die Gegendemonstranten verschafften sich mit Trillerpfeifen und Trommeln Gehör. Sie hielten Plakate in die Höhe, auf denen zum Beispiel ein Gitterstäbe und zwei Hände zu sehen waren. „Time to say goodbye“ stand darauf, eine Anspielung auf die Tatsache, dass Pogida-Anmelder Müller eine Haftstrafe droht. Die städtische Bauholding Pro Potsdam hatte an ihrer Zentrale unweit der Demonstrationen ein Riesen-Banner aufgehängt. Darauf stand „Pro Potsdam für Toleranz – eine Stadt für alle“.

Vor und nach dem kurzen „Abendspaziergang“ hielten Pogida-Anhänger diesmal teils ausgedehnte Reden. Auch ein Mann, der eigenen Angaben zufolge aus Ägypten stammt und seit 20 Jahren in Deutschland lebt, trat ans Mikrophon. Er warnte vor den Menschen, die „von da unten“ nach Deutschland kämen, weil sie „nur scharf auf das Geld“ seien, dass sie hier bekämen. Er und die anderen Pogida-Anhänger seien für Recht und Ordnung – eine Aussage, die angesichts des Vorstrafenregisters seines Freundes Christian Müller einigermaßen absurd erschien.

Christian Müller will nicht mehr als Versammlungsleiter fungieren

170 von Müller verübte Straftaten sind bei der Polizei registriert, insgesamt fünf Jahre seines Lebens hat er schon im Gefängnis verbracht. Erst vor wenigen Tagen wurde Müller wegen Körperverletzung und Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt. Um statt einer Haft- möglicherweise eine Bewährungsstrafe zu erwirken, will Müller bei den künftigen Pogida-Versammlungen nicht mehr als Versammlungsleiter fungieren, sondern nur noch im Hintergrund aktiv sein. Er werde aber weiter bei der Organisation helfen. „Ich möchte euch nicht im Schatten stehen lassen“, so Müller wörtlich.

Der nächste Pogida-Marsch ist am kommenden Mittwoch am Bassinplatz geplant– dort hatte im Januar der erste, von Ausschreitungen begleitete Aufzug stattgefunden. Danach soll wieder in Babelsberg demonstriert werden.

Auch am gestrigen Mittwoch mussten die Potsdamer wegen der Demonstrationen wieder massive Behinderungen im Auto- und im Nahverkehr hinnehmen – am späten Nachmittag in der Innenstadt, später im Bornstedter Feld. Erneut galt ein Glasflaschenverbot von Seiten der Stadt, die Polizei führte außerdem Taschenkontrollen durch.

Update Donnerstag, 25. Februar, 18.10 Uhr:

Der kommende "Abendspaziergang" am 2. März am Bassinplatz wird offenbar ausfallen. Das teilen die Organisatoren auf Facebook mit. Mehr Hintergründe gibt es hier >> 

 

Lesen Sie hier das Protokoll der 7. Pogida-Demo in Potsdam >>

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