• 30 Millionen Euro für Golm: Neues Zentrum für Digitale Diagnostik

30 Millionen Euro für Golm : Neues Zentrum für Digitale Diagnostik

Das Fraunhofer-Institut will bundesweit die Immunforschung stärken. Potsdam ist einer von vier Standorten der neuen Strategie. Noch in diesem Sommer geht ein neues Zentrum in Golm an den Start.

Das neue Zentrum wird im bestehenden Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie in Golm angesiedelt. 
Das neue Zentrum wird im bestehenden Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie in Golm angesiedelt. Foto: Roland Halbe

Potsdam - Es ist eine Fusion von Medizin und Technologie und zugleich ein Schub für Potsdam als Gesundheitsstandort: In Golm siedelt sich ein neues Fraunhofer-Zentrum für Digitale Diagnostik an. In den kommenden fünf Jahren werden insgesamt 30 Millionen Euro in den Standort investiert. Der Löwenanteil kommt mit 25 Millionen Euro vom Bund, komplettiert wird dies durch fünf Millionen Euro aus Landesmitteln. Nachdem der Haushaltsausschuss des Bundestages die Mittel Ende Juni freigegeben hat, ist die Eröffnung des neuen Zentrums zwischen Ende Juli und Mitte August geplant. Das teilte Katharina Kasack, Sprecherin des Golmer Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie, auf PNN-Anfrage mit.

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Innerhalb ihres Instituts wird das neue Zentrum angesiedelt und soll auch die Räume des bestehenden Gebäudes nutzen. Deshalb ist kein Neubau geplant. Der Vorgänger des Instituts wurde 1998 in Rehbrücke gegründet, seit 2007 sitzt es in einem dafür neu errichteten Gebäude mit 4300 Quadratmetern Nutzfläche im „aufkeimenden Forschungspark im Umfeld der Universität“, wie es in der Eigenbeschreibung auf der Homepage heißt.

Potsdam wird durch die neue Einrichtung Teil einer Strategie des Fraunhofer-Instituts zur Stärkung der Immun- und Pandemieforschung. „Technologiebetriebene Innovationen für die Gesundheitsversorgung bieten in den kommenden Jahren eine herausragende Chance“, heißt es in dem zugehörigen Strategiepapier des Instituts. Die Argumente reichen bis in die Weltwirtschaft: „Aufbauend auf Stärken wie dem ‚German engineering‘ und dem einstigen Ruf als ‚Apotheke der Welt‘ lassen sich künftig neue und substantielle Wertschöpfungspotentiale in Deutschland realisieren und so unsere Volkswirtschaft nachhaltig stärken.“ Der Bundesrepublik könne sich „eine Vorreiterrolle in der Technisierung der Medizin“ sichern.

Hilfe bei Immunerkrankungen

Doch zunächst geht es um die Hilfe für Patienten. Im Bereich Immunerkrankungen gebe es bislang kein deutsches Zentrum oder einen nationalen Forschungsverbund, obwohl ein hoher Bedarf bestehe, heißt es in dem Papier. Nicht nur seien Fehlregulationen im Immunsystem die Ursache einer Vielzahl von Erkrankungen von entzündlichen Haut- oder Darmerkrankungen über neuroimmunologische Krankheiten bis zu Allergien. Auch habe man in der Corona-Pandemie gesehen, dass eine überschießende Immunantwort wahrscheinlich die wesentliche Ursache für schwere Verläufe einer Covid-19-Infektion sei. Es brauche ein besseres Verständnis der Funktionsmechanismen des Immunsystems, um Patienten mit besseren Therapiemöglichkeiten versorgen zu können.

Um das zu erreichen, plant das Fraunhofer-Institut den Aufbau und die Stärkung an vier Standorten in Deutschland. Jeder von ihnen soll einen Teil zum sogenannten 4D-Konzept beitragen. Die Ds stehen dabei für Drugs, also Wirkstoffe, Diagnostics, also diagnostische Verfahren, Data, also die Analyse der Daten mithilfe von Künstlicher Intelligenz, und Devices, gewissermaßen die Anwendung etwa in der Medizintechnik. Die Immunologische Pandemie- und Infektionsforschung wird in Penzberg in Bayern angesiedelt, die Immunologische Biomarker-Forschung in Hamburg, der Bereich Allergologie in Berlin und die Digitale Diagnostik in Potsdam.

"Meilenstein der Medizin der Zukunft"

Die Potsdamer CDU-Bundestagsabgeordnete und Direktkandidatin Saskia Ludwig lobte die Ansiedlung in ihrem Newsletter als „Leuchtturmprojekt“. Für die Region spreche auch, dass Brandenburg zu den Referenzgebieten für die telemedizinische Versorgung der Bevölkerung gehöre. Das Fraunhofer-Institut stärke durch die Ansiedlung ihre Kompetenzen in Golm und baue diese aus. „Ich bin sicher, dass es der Einrichtung in kurzer Zeit gelingt, zu einem Meilenstein der Medizin der Zukunft zu werden“, so Ludwig.

Seit 2016 präsentiert sich Potsdam auch nach außen als Ort für medizinische Leistungen. Unter mehr-gesundheit.info, einer gemeinsamen Seite der Landeshauptstadt und des Landkreises Potsdam-Mittelmark, heißt es, die Region entwickle sich „bundesweit zu einem führenden Gesundheitsstandort“. Auch eine Reihe von Unternehmen und Start-ups aus dem Bereich der digitalen Gesundheit sind in der Landeshauptstadt und dem Umland angesiedelt. Im April präsentierte die Hasso Plattner Foundation das Projekt „Next Generation Hospital“. Das Potsdamer Bergmann-Klinikum soll Teil dieses Projekts für die Digitalisierung des Gesundheitswesens und das Krankenhaus der Zukunft werden.

Zusammenarbeit mit lokalen Firmen

Wie viele zusätzliche Arbeitsplätze in Potsdam durch das neue Zentrum entstehen werden, stehe noch nicht fest, so Katharina Kasack. „Ziel ist, ein regionales Netzwerk zu schaffen und die Wertschöpfungskette möglichst mit regionalen Partnern abzudecken und möglichst viele klein- und mittelständische Unternehmen einzubeziehen.“ Die Wahl für den Standort Golm begründet das Strategiepapier mit der Kombination aus digitaler und medizinischer Kompetenz. Berlin und Brandenburg verfügten über eine europaweit führende Klinikinfrastruktur, heißt es dort. Durch das Hasso-Plattner-Institut und die Fakultät für Informatik sei Potsdam ein „Zentrum für Digitalisierung“. Mit dem neuen Zentrum solle „ein institutioneller Kristallisationskern für den Zusammenschluss verschiedener Expertisen geschaffen“ werden.

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