• 20 Jahre Ribbeckeck im Bornstedter Feld: Vom Provisorium zur Institution

20 Jahre Ribbeckeck im Bornstedter Feld : Vom Provisorium zur Institution

Das Ribbeckeck im Bornstedter Feld feiert sein 20. Jubiläum. Die Zukunft des maroden Jugendclubs ist allerdings unklar.

Einzigartig. Das Ribbeckeck ist der einzige Jugendclub im wachsenden Bornstedter Feld. Kornelia Hennig, Ria Fleckstein und Ike Borg (v.l.) kümmern sich um das alte Haus und die Jugendlichen, die dort regelmäßig ihre Freizeit verbringen und die Räume in Eigenregie erhalten. Wie es mit dem Haus weitergeht, ist noch offen.
Einzigartig. Das Ribbeckeck ist der einzige Jugendclub im wachsenden Bornstedter Feld. Kornelia Hennig, Ria Fleckstein und Ike...Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Das Bornstedter Feld wächst, auch der Anteil an Familien mit Kindern. Und dennoch sucht man Jugendclubs hier vergeblich. Mit einer Ausnahme: Das Ribbeckeck an der Potsdamer Straße, das am morgigen Freitag seinen 20. Geburtstag feiert. Von 16 bis 22 Uhr wird auf dem Außengelände des Treffpunkts mit Big Band, einer Baumpflanz-Aktion, einem Graffiti-Workshop und einer Buttonwerkstatt gefeiert.

Die 20 Jahre sieht man dem Gebäude leider an: Die Außenfassade hat dringend eine Sanierung nötig, der Putz bröckelt, diverse Graffitis wurden auf die graue Mauer gesprayt. Auch innen gibt es Baustellen: Das Dach müsste erneuert und eine Heizung eingebaut werden. Noch sorgt ein Kachelofen für Wärme.

Jugendliche wünschen Sanierung des Ribbeckecks

Erst vor Kurzem hatten die 25 bis 30 Jugendlichen, die den Freizeittreff regelmäßig nutzen, einen offenen Brief an die Stadtverordneten verfasst, mit der Forderung, dem Gebäude endlich die seit Langem nötige Sanierung zu gewähren. „Auf die Idee mit dem Brief sind sie selbst gekommen“, sagt Ike Borg, Leiterin des Paragraph 13 e. V., dem Träger des Jugendclubs. „Die Jugendlichen identifizieren sich total mit dem Haus und wollen es auch behalten.“ Kurz danach waren Potsdams Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) und die Geschäftsführerin der Potsdamer Linke-Fraktion, Sigrid Müller, unangekündigt vorbeigekommen. „Herr Schubert meinte dabei, er wolle in seiner Amtszeit noch etwas bewirken“, sagt Kornelia Hennig, eine von drei Mitarbeiterinnen des Jugendclubs.

Derzeit ist allerdings völlig unklar, wie es mit dem Jugendclub weitergeht, denn Ausweichflächen sind derzeit nicht vorhanden. Er soll laut Stadtsprecher Jan Brunzlow zwar erhalten bleiben, bis ein neuer Standort im Bornstedter Feld gefunden ist, eine Sanierung ist laut dem Eigentümer, dem Kommunalen Immobilienservice (KIS) allerdings zu teuer - mit rund 1,2 Millionen hatten sich bei einer Prüfung vor einem Jahr die Kosten dafür als doppelt so hoch herausgestellt wie geplant. Immerhin wurde vor Kurzem der Ofen repariert, die Fenster gegen besser gedämmte ausgetauscht sowie die Eingangstür erneuert.

Ribbeckeck war nur als Zwischenlösung geplant - und wurde zur Institution

Kurioserweise war das Ribbeckeck von Anfang an nur als Zwischenlösung geplant: „Damals hieß es: Ihr könnt erst mal hierhin, demnächst werden im Bornstedter Feld zwei Jugendeinrichtungen gebaut“, sagt Mitarbeiterin Ria Fleckstein. Passiert ist seitdem nichts.

Das denkmalgeschützte Gebäude hat eine lange Geschichte hinter sich, weiß Fleckstein: „Wir haben auf dem Dachboden alte Unterlagen gefunden und sind auch ins Landesarchiv gegangen, um die Geschichte des Hauses zu erforschen.“ Fleckstein und ihre Kolleginnen kämpften sich durch die altertümliche Sütterlin-Schrift der Dokumente und fanden heraus, dass das Gebäude erstmals 1820 erwähnt wurde, als „Alter Krug“, also als Gaststätte. Diese Funktion hatte das Haus bis Mitte der 1990er-Jahre. Zu DDR-Zeiten gingen vor allem sowjetische Offiziere aus den umliegenden Kasernen hierher, im heute nicht mehr existierenden Anbau befanden sich auch ein Tanzsaal und eine große Küche. In den Obergeschossen hingegen hatten verschiedene Vereine ihre Räume, darunter auch ein Jugendverein.

Viele Jugendtreffs wurden nach der Wende geschlossen

Nach der Wende wurden in der Stadt viele Jugendtreffs geschlossen, oft hielten sich Jugendliche nach Schulschluss einfach an Bushaltestellen auf, sagt Fleckstein: „Da gab es immer wieder Stress mit anderen Jugendlichen, irgendwann hat sich auch eine Schulleiterin an das Jugendamt gewandt mit der Forderung, dass es einen Treffpunkt geben müsse.“ 1997 wurde dann das Ribbeckeck eröffnet, zusammen mit dem damaligen Jugendamtsleiter Jann Jakobs (SPD).

Schon damals hatten die Jugendlichen viel Eigenleistung in das Haus und das Gelände gesteckt: „Im ersten Jahr haben sie erst mal die Räume mit Graffiti gestaltet, den Holzpavillon aufgebaut und die Terrasse gemauert“, erinnert sich Kornelia Hennig, die von Anfang an dabei war. Gegenüber befand sich damals noch eine Gesamtschule, die Jugendlichen gingen schon in den Pausen und nach Schulschluss direkt ins Ribbeckeck.

Ribbeckeck soll stärker zum Stadtteil-Treffpunk etabliert werden

Auch die nachfolgenden Generationen bauten das Haus weiter aus: Räume wurden angestrichen, Flure renoviert, Fahrradständer aufgebaut, ein Beachvolleyball-Platz ausgehoben, ein Kraftraum eingerichtet. Stets mit der Unsicherheit, ob man hier in zwei Jahren noch sein würde: „Aber wir haben immer so gearbeitet, als gäb’s noch ein Morgen“, sagt Ria Fleckstein. Gerne wird das Ribbeckeck für Geburtstagsfeiern genutzt. In den vergangenen Jahren hat sich die Zusammenarbeit mit umliegenden Schulen verstärkt, die hier immer wieder Projekte und Versammlungen durchführen. In näherer Zukunft soll das Haus zudem stärker als Stadtteil- Treffpunkt etabliert werden.

Der Bedarf für das Ribbeckeck – und für zusätzliche Jugendclubs – ist definitiv vorhanden, denn im Bornstedter Feld leben rund 3000 Kinder und Jugendliche: „Wenn dann noch die neue Da-Vinci-Gesamtschule eröffnet, muss man sich wirklich überlegen, was man den Jugendlichen hier zur Verfügung stellt“, sagt Hennig. In Container oder ähnliche Übergangslösungen wollen aber weder die Jugendlichen noch die Mitarbeiterinnen umziehen, sie wollen ihr Haus um jeden Preis erhalten: „Eigentlich haben wir hier alles, was wir uns wünschen“, sagt Ike Borg.

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