• 11. Pogida-Marsch in Potsdam: Betreutes Demonstrieren

11. Pogida-Marsch in Potsdam : Betreutes Demonstrieren

An der elften Pogida-Demo nahmen nur noch 30 Personen teil. Die Gegendemonstranten waren deutlich in der Überzahl. Die Lage blieb insgesamt ruhig.

Nur 30 Pogida-Teilnehmer kamen nach Potsdam.
Nur 30 Pogida-Teilnehmer kamen nach Potsdam.Foto: A. Klaer

Innenstadt/Zentrum Ost - Begleitet von mehreren Gegendemonstrationen hat es am Mittwochabend in Potsdam nach sechs Wochen Pause wieder eine asylfeindliche Demonstration gegeben. Allerdings blieb die Teilnehmerzahl mit etwa 30 noch einmal deutlich unter den 40 Teilnehmern der letzten Demo Anfang April. Die mehr als 200 Teilnehmer der Gegenveranstaltungen waren um ein Vielfaches in der Überzahl.

Die Pogida-Anhänger hatten für 18.30 Uhr einen ihrer sogenannten Abendspaziergänge vom Hauptbahnhof nach Zentrum Ost angemeldet. Allerdings gab es Verzögerungen, weil sich Pogida in den Bahnhofspassagen noch mit Kaffee versorgen musste – die Polizei drängte daraufhin auf einen zügigen Veranstaltungsbeginn. Die Pogida-Teilnehmer trugen mehrere deutsche und auch eine russische Flagge. Einer der Redner, der bereits bei früheren Pogida-Kundgebungen aufgetretene Sebastian Graziani, bezeichnete sich gestern selbst als Nazi.

Keiner wollte sich Pogida weiter anschließen

Gegen 19.30 Uhr setzte sich die Gruppe dann schließlich in Bewegung. Einige Teilnehmer trugen Pappschilder, auf denen unter anderem geschrieben stand, der Islam gehöre „nicht zu unserer Kultur“. Eine Gegendemonstrantin wurde von einem Pogida-Teilnehmer aufgefordert, eine Burka anzuziehen oder nach Afrika zu gehen. Die Reaktion der Anwohner auf den rechten Umzug blieb am Mittwoch verhalten: Auf einigen Balkons zeigten sich Schaulustige, anschließen wollte sich aber niemand.

Die Polizei hatte die verschiedenen Demonstrationen mit zahlreichem Personal abgesichert. Etwa 600 Beamte von Einsatzhundertschaften aus Brandenburg und Berlin waren im Einsatz. In der Babelsberger Straße und in Zentrum Ost waren schon am Nachmittag Dutzende Polizeifahrzeuge aufgefahren. In der Lotte-Pulewka-Straße und am Humboldtring standen Wasserwerfer und ein Räumpanzer bereit. Glasflaschen und Getränkedosen waren von der Polizei untersagt worden. Zu nennenswerten Störungen kam es am Mittwoch nicht. Als sich mehrere Dutzend Gegendemonstranten gegen 20 Uhr auf einer Brache am Kreisverkehr im Humboldtring versammelten, nahm die Polizei dies zum Anlass, um gleich zwei Wasserwerfer dort in Stellung zu bringen.

Ex-Pogida-Chef Müller nahm trotzdem teil

Anders als von ihm selbst angekündigt, nahm auch Ex-Pogida-Anmelder Christian Müller an der Demonstration teil. Eigentlich wollte Müller einen Termin für seine kriminalpsychologische Therapie wahrnehmen. Von seiner Zusammenarbeit dabei hänge auch ab, ob er nicht sogar in stationäre Behandlung muss. Den Termin habe er aber noch kurzfristig verschieben können, sagte Müller am Mittwoch. Unterdessen ist unklar, ob der mehrfach Vorbestrafte nach einer Verurteilung vom Februar – unter anderem wegen Körperverletzung und Bedrohung – eine Haftstrafe antreten muss. Einen Termin für das Revisionsverfahren gebe es noch nicht, hatte er den PNN gesagt. Müllers Nachfolger als Anmelder nennt sich Holger Schmid – ein Pseudonym. Am Mittwoch forderte er dazu auf, Widerstand überall auf die Straße zu tragen.

Trotz Pogida-Demo war die Lange Brücke am Mittwochabend nicht für den Verkehr gesperrt worden, weil die Route vom Startpunkt in der Babelsberger Straße diesmal nicht Richtung Filmmuseum führte, sondern in die Gegenrichtung. Größere Beeinträchtigungen für den Auto- und Nahverkehr gab es deshalb nicht. Bei früheren Pogida-Demos wurde der Tram- und Busverkehr von und zum Hauptbahnhof stundenlang lahmgelegt.

200 Potsdamer bei "Potsdam bekennt Farbe"

Wie schon bei den zurückliegenden drei Pogida-Aufmärschen hatte das parteiübergreifende Anti-Rechts-Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“ eine Gegendemo angemeldet. Etwa 200 Menschen hatten sich gegen 18.30 Uhr in der Babelsberger Straße dazu versammelt, auch Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) war dabei und rief in einer Ansprache zu einem friedlichen Protest auf. „Potsdam ist eine tolerante und weltoffene Stadt und solidarisch mit Flüchtlingen, egal wo sie wohnen“, sagte Jakobs. Eine weitere Gegenkundgebung hatte Die Linke am Humboldtring angemeldet. Auch dort versammelten sich etwa 200 Gegendemonstranten. Kurz nach 20 Uhr kehrten die Pogida-Teilnehmer zum Hauptbahnhof zurück. (mit Alexander Fröhlich, Christine Fratzke, René Garzke)

 

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