Zugverkehr in Potsdam-Mittelmark : Grüne Visionen für den Nahverkehr

Eine Expertengruppe hat im Auftrag der Grünen ein Konzept für den Zugverkehr in der Region erarbeitet. Gefordert werden Ausbauten und neue Linien in Potsdam und der Mittelmark.

Künftig öfter unterwegs? Der RE1, hier am Potsdamer Hauptbahnhof, soll nach dem Willen einer Expertengruppe der Grünen künftig im 15-Minuten-Takt fahren. Dafür würden Direktverbindungen von Golm in die Berliner Innenstadt wegfallen. Auch von Michendorf aus soll es laut dem Grünen-Konzept einen 15-Minuten-Takt bis Wannsee geben.
Künftig öfter unterwegs? Der RE1, hier am Potsdamer Hauptbahnhof, soll nach dem Willen einer Expertengruppe der Grünen künftig im...Foto: Sebastian Gabsch

Der RE1 soll künftig im Viertelstundentakt verkehren, von Beelitz nach Steglitz sollen halbstündlich Regionalbahnen fahren und es soll eine neue Verbindung Werder-Golm eingeführt werden: In zweijähriger Arbeit hat eine Expertengruppe der Grünen-Landesverbände von Brandenburg und Berlin ein 200-seitiges Konzept für den Zugverkehr in der Region erstellt, das den PNN vorliegt. Damit soll der Anteil der Pendler, die mit dem Zug zur Arbeit fahren, von 34 auf 50 Prozent gesteigert werden. Basis des Konzeptes sind der Pendleratlas der Region sowie eine Analyse der Agentur Spreeplan aus dem Jahr 2017. Noch muss das Konzept in den Landesverbänden abgestimmt werden. Es soll als Vorlage dienen, sollte es zu einer Regierungsbeteiligung der Grünen nach der Landtagswahl am 1. September kommen. Ein Überblick über Auswirkungen für Potsdam und die Mittelmark:

Werder (Havel) / Golm - Potsdsam - Berlin

Laut den Wünschen der Grünen soll der RE 1 künftig alle 15 Minuten von Brandenburg an der Havel über Werder (Havel) und Potsdam nach Berlin fahren – doppelt so häufig wie heute. Die S-Bahn zwischen Potsdam und Wannsee soll komplett zweigleisig ausgebaut werden. Im Gegenzug soll es keine Regionalzüge mehr von Golm in die Berliner Innenstadt geben. Hinter Werder sollen die Züge abwechselnd in Götz oder Groß Kreutz halten, um von beiden Bahnhöfen einen 30-Minuten-Takt nach Berlin und trotzdem kurze Fahrzeiten zu erhalten. Nachteil: Reisende von Groß Kreutz könnten nicht mehr direkt zum Nachbarbahnhof Götz fahren. Von Werder soll es stündlich einen Direktzug nach Golm geben, der nach Spandau verlängert werden könnte. Zudem soll es halbstündlich Züge zwischen Potsdam und dem Flughafen BER geben, die abwechselnd über Golm oder Werder verkehren. Erstmals hätte Werder damit eine direkte Zugverbindung zum Flughafen. Um die Betriebsstabilität zu verbessern, soll der Abzweig zwischen Potsdam und Golm zudem zweigleisig ausgebaut werden. Dafür wird mit Baukosten von 15,3 Millionen Euro gerechnet. Von Golm aus gäbe es direkte Züge nach Griebnitzsee (eventuell bis Wannsee verlängert), Werder, Wustermark, Spandau und Oranienburg.

Belzig/ Beelitz - Michendorf - Berlin

Die größten Veränderungen soll es auf der Wetzlarer Bahn zwischen Bad Belzig und Berlin geben: Statt stündlich soll der RE 7 halbstündlich zwischen Bad Belzig und Berlin fahren. Der Handlungsbedarf auf dieser Linie wird als hoch eingeschätzt: Derzeit würden von dort nur etwa 20 Prozent der Pendler die Bahn nutzen, was laut Grünen-Konzept auf 46 Prozent steigerbar wäre. Zwischen der Kreisstadt und den Heilstätten könne zudem geprüft werden, ob die Züge jede zweite Station auslassen, sodass es dort faktisch einen Stundentakt gibt. Dadurch könnten bis zu fünf Minuten Fahrzeit gespart werden. Zusätzlich soll im Halbstundentakt eine Regionalbahn von Beelitz Stadt über Michendorf und Wannsee nach Steglitz fahren. Zwischen Michendorf und Berlin Wannsee ergäbe sich so ein 15-Minuten-Takt. Auch soll geprüft werden, ob sich mit diesem Zugangebot die Wiedereröffnung des Kreuzungsbahnhofes Bergholz rechnen würde. Dort könnten Fahrgäste in die Züge zum Flughafen umsteigen. Bisher wurde dies vom Verkehrsministerium aufgrund zu geringer möglicher Nutzerzahlen abgelehnt. Auch der Bau eines „zusätzlichen Umsteigepunktes“ in Nuthetal – was genau damit gemeint ist, geht aus dem Konzept nicht hervor – könne noch einmal geprüft werden.

Um trotz des dichten Zugtaktes in Wannsee einen stabilen Betrieb zu gewährleisten, wird empfohlen, Gleise bei Griebnitzsee anders zu verlegen und am Bahnhof Wannsee einen zweiten Inselbahnsteig anstelle des derzeit ungenutzten Autozug-Terminals zu errichten. Beides würde 24,8 Millionen Euro kosten.

Stammbahnstrecke

Um die Züge von Beelitz über Michendorf und Medienstadt Babelsberg nach Steglitz führen zu können, wird empfohlen, das Güterzuggleis zwischen Wannsee und Steglitz zu nutzen. Dafür müsste am Bahnhof Steglitz ein neuer Bahnsteig errichtet werden. Auch könnte ein Bahnsteig für die Regionalbahn am S-Bahnhof Mexikoplatz entstehen, falls die U-Bahn bis dorthin verlängert wird. Das plant das Land Berlin allerdings derzeit nicht. Teilweise müsste die Strecke zweigleisig ausgebaut werden. Trotzdem ist diese Variante mit Kosten von rund 66 Millionen Euro schnell umzusetzen, hat aber den Nachteil, dass die Gemeinde Kleinmachnow und der Europarc weiterhin keinen Bahnanschluss hätten. Längerfristig soll die Stammbahn zwischen Steglitz und dem Potsdamer Platz wiederaufgebaut werden, wofür im Konzept mit Kosten von 157 Millionen Euro gerechnet wird. Ein Wiederaufbau der Strecke von Zehlendorf über Kleinmachnow nach Potsdam bleibt perspektivisch möglich. Inklusive der Bahnsteige in Kleinmachnow und dem Europarc werden die Kosten dafür mit 210 Millionen Euro angegeben.