Zuflucht in Michendorf : Flüchtlingsunterkunft spaltet Einwohner

Sorge um Sicherheit, Kinderbetreuung und Unterstützung für die Geflüchteten: bei einer Einwohnerversammlung im ehemaligen Sens-Convent Hotel gab es viele kritische Fragen. 

Ab Juni werden die ersten 100 Geflüchteten in das ehemalige Hotel in Michendorf einziehen. 
Ab Juni werden die ersten 100 Geflüchteten in das ehemalige Hotel in Michendorf einziehen. Andreas Klaer

Michendorf - Sorge um Sicherheit, Kinderbetreuung und Unterstützung für die Geflüchteten: Michendorf scheint wegen des neuen Flüchtlingsheims in der Potsdamer Straße tief gespalten zu sein. Der Eindruck enstand am Dienstagabend bei einer vom Landkreis Potsdam-Mittelmark und der Gemeinde veranstalteten Einwohnerversammlung im ehemaligen Sens-Convent Hotel. Wie berichtet sollen in das ehemalige Hotel, das jetzt „Haus Polygon“ heißt, ab dem 1. Juni die ersten 100 Geflüchteten einziehen. Bis Jahresende werden insgesamt bis zu 250 Flüchtlinge in Michendorf erwartet. Viele von ihnen sind Familien, die aus Brück nach Michendorf ziehen. 

Sorge um Sicherheit

Der Zuzug bewegt die Michendorfer: Rund 250 Anwohner kamen zur Veranstaltung. Neben Landrat Wolfgang Blasig (SPD) und Michendorfs Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU) standen Bernd Schade, Chef des Fachbereichs Soziales im Landkreis und Mitarbeiter der zuständigen Fachbereiche Rede und Antwort. Obwohl der Landkreis im Vorfeld versichert hatte, dass sie in der Unterkunft eine gute Mischung aus Familien und Einzelpersonen unterbringen wollen, machen sich viele Einwohner Sorgen wegen der Sicherheit in ihrer Gemeinde. Sie wollten von den Verantwortlichen des Landkreises unter anderem den Aufenthaltsstatus der bald einziehenden Geflüchteten wissen, wollten erfahren, wie viele davon Männer oder Frauen sind, wie der Altersdurchschnitt sei. Fragen dieser Art fanden viel Beifall. Ein Anwohner wollte wissen, ob es ein Sicherheitskonzept für die Bevölkerung gebe, etwa eine Polizeiwache vor der Unterkunft. 

Fachbereichsleiter Schade betonte, dass der Landkreis viel Erfahrungen mit Gemeinschaftsunterkünften habe - mit Michendorf betreibt der Kreis mittlerweile neun Heime. Das es Probleme mit der Sicherheit geben könnte, wies Schade zurück. Die Erfahrung zeige, dass es in der Nähe der Unterkünfte keine erhöhte Kriminalität gebe. „Das war in Werder (Havel) nicht so und ist auch in Bad Belzig nicht der Fall“, so Schade. Bei ernsthaften Problemen werde man natürlich eingreifen. 
Bürgermeister Mirbach wurde daraufhin konkreter: Man sei im Gespräch mit Sozialarbeitern der Gemeinde und zwei Revierpolizisten seien direkte Ansprechpartner für den Fall das etwas passiere. Da die Autobahnpolizei in Michendorf stationiert sei, habe die Polizei zugesichert das man bei einem dringenden Einsatz, wegen des kurzen Weges, von der Station Kräfte schicken werde. 

Kitakinder werden in der Unterkunft betreut

Eine weitere wichtige Frage, die die Michendorfer bewegt, ist die der Kinderbetreuung. „Wenn man bedenkt, dass selbst unsere Kinder drei Jahre auf einen Kitaplatz warten, wie soll das funktionieren?“, fragte ein Vater. Für die älteren Schulkinder gebe es Schulplätze, so Schade. Die Kitakinder würden vor Ort im Objekt betreut. Auch einen Kurs für die Vorschulkinder soll es in der Unterkunft geben. Mittelfristig wünsche sich der Kreis eine enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde um die Kitakinder in den Einrichtungen der Gemeinde unterzubringen. Doch zurzeit sei das nicht möglich, da es auch in Michendorf an Kitaplätzen mangele. 

Nicht nur die kritischen Fragen fanden an diesem Abend regen Beifall. Ein junger Michendorfer erinnerte sich noch gut, als 2015 die Sporthalle des Michendorfer Wolkenberg-Gymnasiums als Unterbringung für rund 100 Flüchtlinge dienen musste. „Ich verstehe nicht, warum gerade so viel Angst bei den älteren Herren herrscht.“ Damals seien viele kleine Kinder unter den Flüchtlingen gewesen. 
Auch viele Engagierte der 2015 gegründeten Arbeitsgruppe „Flüchtlinge in Michendorf“ (AG FiM) meldeten sich zu Wort, erläuterten wie ihre Begegnung mit den Geflüchteten sie bereichert habe, und fragten, was sie konkret für die Geflüchteten tun könnten. Pfarrerin Juliane Rumpel von der Kirchengemeinde Langerwisch-Wilhelmshorst hofft, dass es im Haus Begegnungsmöglichkeiten geben werde. Die Gruppe plant am 28. Mai einen Workshop für diejenigen, die die Flüchtlinge in Michendorf unterstützen wollen. Los geht es um 18 Uhr im Haus St. Georg, Langerwischer Straße 27a.