Potsdam-Mittelmark : Zu Ehren des Kanal-Managers

Zum 100. Jubiläum des Teltowkanalbaus soll in Kleinmachnow die Friedensbrücke wieder in Badewitzbrücke umbenannt werden

Kleinmachnow - Zweimal hatte Gottfried Badewitz (1866-1944) es abgelehnt, dass man ihn in den Adelsstand erhebt. Ein drittes Mal, so wollten es die damaligen Gesetze, konnte sich der preußische Beamte der Ehrung nicht verweigern, so dass er 1914 den Adelstitel verliehen bekam. Es war sicher keine böse Vorahnung, dass das fortan adlige „von“ im Namen Badewitz Jahre später zum Verhängnis werden sollte. Vielmehr wehrte sich Gottfried Badewitz mit dem Hinweis auf seine bürgerlichen Wurzeln gegen eine Erhebung in den erblichen Adelsstand. Dass nach dem Bau des Teltowkanals gleich die erste Brücke nach der Machnower Schleuse seinen Namen erhielt, mag der Justitiar indes als berechtigt empfunden haben. Denn ohne seinen juristischen und kaufmännischen Sachverstand wäre der wirtschaftliche Erfolg für den Landkreis und das südliche Berlin bei weitem nicht so groß gewesen, wie er sich mit dem Kanalbau mittel- und unmittelbar verbindet.

Wenn es heute der Name des einstigen Landrats Ernst von Stubenrauch ist, der in einem Atemzug mit dem Bau des Teltowkanals genannt wird, genügt man der Geschichte nicht. Denn es war Stubenrauchs Stellvertreter Gottfried Badewitz, der der Vision eines Kanals zwischen Oberspree und Havel zur Realität verhalf und durch geschicktes Finanzmanagement dem damaligen Landkreis Teltow zu einem wirtschaftlichen Aufschwung verhalf. Als einziger Nachkomme einer angesehenen Kaufmanns- und Bankiersfamilie leitete Gottfried Badewitz das Berliner Bankhaus A.Reißner Söhne und verwaltete die beiden landwirtschaftlichen Güter Siethen und Gröben, die sein Vater erworben hatte. Während Ingenieure die Pläne des Teltowkanals entwarfen, für den am 22. Dezember 1900 der erste Spatenstich erfolgte und dessen Fertigstellung sich am 2. Juni zum 100. Mal jährt, befähigten seine Erfahrungen Badewitz zum Finanz- und Immobilienmanager für das Vorhaben, das am Ende fast 40 Millionen Mark kosten sollte. Dank seines geschickten Flächenmanagements gelang es Badewitz, den Landkreis Teltow finanzkräftig zu machen und an der Teltowkanal AG als Betreibergesellschaft neben dem Deutschen Reich zu 50 Prozent zu beteiligen. Etliche Jahre später, nachdem der Teltowkanal als Schifffahrtsstraße funktionierte und sich Badewitz’ Planungen als wirtschaftlich belastbar erwiesen hatten, verkaufte der Landkreis seinen 50-prozentigen Anteil an das Deutsche Reich. Mit dem Verkaufserlös konnte sich der Landkreis sanieren und eigene Infrastrukturprojekte realisieren. Mit der Taufe einer der Überführungen bei der Einweihung des Teltowkanals in Badewitzbrücke wurde der Anteil des Vize-Landrats an der Verwirklichung des Projektes honoriert. Späteren Behauptungen, der Vize-Landrat habe aus eigenen Mitteln einen Teil der Badewitzbrücke bezahlt, kann seine Familie nicht bestätigen. „Zwar ist er trotz seiner Sparsamkeit großzügig gewesen, konnte aber öffentliches Amt und private Belange gut auseinander halten“, weiß sein in Berlin lebender Enkel Hubertus von Badewitz.

Ende des Zweiten Weltkrieges ist die Brücke von Gruppen der deutschen Wehrmacht gesprengt worden. Um Fußgängern und Radfahrern die Überquerung des Kanals zu ermöglichen, wurde zunächst neben den alten Brückenköpfen eine schmale Holzkonstruktion errichtet. Der adlige Name von Badewitz passte – wie so vieles – nicht mehr in das Bild des neuen Arbeiter- und Bauernstaates. Man nannte das neue Bauwerk Friedensbrücke. Ende 1979 wurde eine neue einspurige Überführung gebaut und später auf zwei Spuren erweitert.

Heute kennt man in Kleinmachnow die Friedensbrücke, mit dem Namen Badewitz ergibt sich kaum eine Verbindung. Doch es gab in der Vergangenheit – auch in der jüngeren – immer wieder Denkanstöße, der Brücke ihren alten Namen zurückzugeben. Konsequent verfolgt wurden sie nie. Nun befindet Enkel Hubertus von Badewitz: „Das 100-jährige Jubiläum des Teltowkanals am 2. Juni sollte es eine günstige Zeit sein, nicht nur den Kanal zu würdigen, sondern bis dahin auch seine historischen Bezüge richtig zu stellen und somit auch der Badewitzbrücke wieder zu ihrem ursprünglichen Namen zu verhelfen.“ Gerade in wirtschaftlich schwachen Zeiten sollte man sich der herausragenden Verdienste kluger Köpfe wie Stubenrauch und Badewitz erinnern, „die dem Land Werke von großer wirtschaftlicher Bedeutung zu schaffen halfen“.

Es ist keine Forderung, die Hubertus von Badewitz stellt, eher eine Anregung. Und sie findet Gehör und in Kleinmachnows Bürgermeister Wolfgang Blasig einen Fürsprecher. Er wird dem Gemeindeparlament den Vorschlag machen, dass man in Absprache mit dem Berliner Wasser- und Schifffahrtsamt die Brücke wieder umbenennt. Dass es des behördlichen Dialogs bedarf, liege an den „ulkigen Zuständigkeiten“, so Blasig. Denn die Brücke gehört dem Bund, die darüber führende Straße dem Land und die Namensgebung obliegt der Gemeinde. Auch ein altes Geländer der originalen Badewitzbrücke, das sich im Fundus des Heimatvereins befindet, soll wieder aufgestellt werden. Gottfried Badewitz würde sich bestimmt nicht geadelt, vielleicht aber geehrt, ganz sicher aber mit dem notwendigen Augenmaß der Geschichte behandelt fühlen.