• Wohnungsmangel: Flüchtlinge bleiben lange in Heimen: Brandenburg weist Potsdam-Mittelmark mehr Flüchtlinge zu

Wohnungsmangel: Flüchtlinge bleiben lange in Heimen : Brandenburg weist Potsdam-Mittelmark mehr Flüchtlinge zu

Das Land Brandenburg weist dem Kreis Potsdam-Mittelmark erstmals wieder etwas mehr Flüchtlinge zu. Kaum Chancen haben Geflohene im Kreis derzeit auf eigene Wohnungen.

Zuhause auf Zeit. Im Landkreis Potsdam-Mittelmark werden Flüchtlinge überwiegend in Gemeinschaftsunterkünften wie hier in Stahnsdorf untergebracht. Viele der Heime sind nur noch wenig ausgelastet, 300 freie Plätze hatte die Kreisverwaltung jüngst dem Land gemeldet. Doch in diesem Jahr soll es wieder Zuzug geben.
Zuhause auf Zeit. Im Landkreis Potsdam-Mittelmark werden Flüchtlinge überwiegend in Gemeinschaftsunterkünften wie hier in...Foto: Andreas Klaer

Der Zuzug von Flüchtlingen in Potsdam-Mittelmark ist seit Jahren rückläufig, in diesem Jahr wird der Kreis erstmals wieder etwas mehr Asylsuchende aufnehmen. Rund 600 Menschen sollen demnach bis Jahresende aus den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes in die Mittelmark kommen. Viele der Flüchtlingsheime sind nur noch wenig ausgelastet, 300 freie Plätze hatte die Kreisverwaltung jüngst dem Land gemeldet. Etwa 1000 Wohnheimplätze wurden seit 2016 aufgegeben. Die PNN geben einen Überblick zur aktuellen Situation der Flüchtlinge im Kreis.

Asylsuchende im Kreis

Die Zahl der Hilfesuchenden, die in den zehn Heimen im Kreis leben, ist rückläufig: Derzeit sind 1085 Personen untergebracht, davon sind 402 anerkannt. Der Großteil von ihnen lebt in der Region Teltow. Dass die Bewohnerzahlen rückläufig sind, zeigt ein Blick auf die Vorjahre: Anfang 2017 waren knapp über 1500, ein Jahr zuvor sogar noch etwa 2350 Hilfesuchende untergebracht. Während im vergangenen Jahr der Kreis lediglich 172 Menschen aufnehmen musste, rechnet er in diesem Jahr mit 500 bis 600. Insgesamt vier Wohnheime stellt der Kreis für minderjährige Flüchtlinge, die alleine nach Deutschland gekommen sind, bereit. Doch auch sie sind nur wenig ausgelastet: Nur 91 Jugendliche bewohnen die Einrichtungen in Caputh, Kloster Lehnin, Beelitz-Heilstätten und Damsdorf.

Sens-Convent Hotel Michendorf

Platz hat der Kreis genug: Vor allem die in Michendorf geplante Unterkunft im ehemaligen Sens-Convent Hotel an der Potsdamer Straße könnte bis zu 250 Flüchtlinge beherbergen. Jedoch zieht sich der Einzug seit gut zwei Jahren in die Länge. Ursprünglich sollten die 125 Zimmer bereits im Frühjahr 2016 bezogen werden. Seither wird auch das Michendorfer Rathaus, das regelmäßig bei der Verwaltung in Bad Belzig nachhakt, immer wieder vertröstet. Sicher sei nur, dass die Flüchtlinge kommen würden, so Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU). Nicht zu wissen wann, sei sehr unbefriedigend. Im Vierteljahrestakt verschiebt sich der geplante Einzug. Dabei ist laut Kreissprecher Schwinzert das ehemalige Hotel, das der Kreis 2016 für 6,2 Millionen Euro kaufte, so gut wie fertig umgebaut. Es hakt am Brandschutz: Zwar liege ein Brandschutzkonzept vor, jedoch müsse das noch final geprüft werden. Schwinzert konnte auf Anfrage noch keinen neuen Einzugstermin nennen. Auch einen Betreiber gebe es noch nicht. „Die Vergabe der sozialen Betreuung erfolgt bei Entscheidung über die Belegung“, so der Kreissprecher.

Jugendwohnheim in Werder (Havel)

Eine zweite Einrichtung, die eigentlich schon im August 2016 hätte bezogen werden sollen, befindet sich auf der Werderaner Bismarckhöhe. Erst sollten dort alleinstehende Männer einziehen, mittlerweile sind die geplanten Wohnungen für minderjährige Jugendliche gedacht. Wie viele Flüchtlinge einziehen werden, ist noch offen: „Der Eigentümer hat die Fertigstellung des Objektes noch nicht signalisiert, sodass es noch keine konkretisierten Pläne für die mögliche Belegung gibt“, so Schwinzert. Die Verwaltung geht derzeit jedoch von einem Einzug im Frühjahr dieses Jahres aus.

Eigene Wohnungen 

Lediglich 247 Flüchtlinge leben in eigenen Wohnungen, die über den ganzen Landkreis verteilt sind. Für die Kreisverwaltung ist das viel. Besonders in der von Zuzug geprägten Region Teltow, in der viele Flüchtlingsfamilien untergebracht sind, ist es schwer, an geeigneten Wohnraum heranzukommen. Der Kreis hatte 2016 Hauseigentümer gefördert, die Wohnraum für Flüchtlinge umbauen ließen. Für dieses Jahr sind weitere Mittel vorgesehen, um den Bau von Sozialwohnungen durch Wohnungsbauunternehmen zu fördern. Auch Sprachkurse für Flüchtlinge sollen im Rahmen des Zuwanderungskonzeptes des Kreises stärker gefördert werden.

Geschlossene Einrichtungen

Neun Heime sind insgesamt in den vergangenen Jahren geschlossen worden. Zuletzt wurden im vergangenen Jahr Einrichtungen in der Potsdamer Straße sowie in der Warthestraße in Teltow geschlossen. Auch das Heim in Kloster Lehnin wurde im vergangenen Jahr aufgegeben.

Kosten für Leerstand

Das Land hat dem Kreis für den Zeitraum von Januar 2016 bis 30. Juni 2017 etwas über eine halbe Million Euro an Leerstandskosten erstattet. Doch das entspreche nicht den tatsächlich angefallenen Kosten, so Kreissprecher Schwinzert. Wie hoch sie ausfallen, konnte er nicht sagen. Die Verwaltung in Bad Belzig verlangt indes mehr Geld vom Land und hat bereits Widerspruch eingelegt.

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