• Wohnquartier in Beelitz-Heilstätten: Umstrittene Baumfällungen in der geplanten Waldsiedlung

Wohnquartier in Beelitz-Heilstätten : Umstrittene Baumfällungen in der geplanten Waldsiedlung

Naturschützer kritisieren Investor des neuen Wohnquartiers in Beelitz-Heilstätten. Jetzt wird ermittelt.

Startschuss fürs Städtchen. Erste Bäume sind auf der Baustelle am Bahnhof in Beelitz-Heilstätten bereits gefällt worden.
Startschuss fürs Städtchen. Erste Bäume sind auf der Baustelle am Bahnhof in Beelitz-Heilstätten bereits gefällt worden.Foto: Andreas Klaer

Beelitz – Dicke Luft in Beelitz-Heilstätten: Eigentlich sollen in der nächsten Woche die Beelitzer Stadtverordneten über einen ersten Bebauungsplan für das neue Wohnquartier in den Heilstätten entscheiden. Dort will Investor Jan Kretzschmar wie berichtet ein neues Wohnquartier für 3500 Menschen entwickeln. Doch bevor es dort richtig losgeht, sollen bereits etliche Bäume, darunter Jahrhunderte alte Buchen und Eichen offenbar ohne Genehmigung gefällt worden sein. Die Märkische Allgemeine Zeitung hatte als erstes über die Fällungen berichtet.

Massive Rodungsarbeiten

Die Rodungen hatte die Bürgerinitiative Naturwald aufgedeckt und öffentlich gemacht. Die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark bestätigte auf Nachfrage gegenüber den PNN, dass sie am 9. April seitens der Unteren Forstbehörde über die Baumfällungen informiert wurde. Da die Rodungen auch in Teilen des Gartendenkmals Heilstätten erfolgt sein sollen, ist auch die Untere Denkmalschutzbehörde mit zuständig. Es seien massive Rodungsarbeiten vorgenommen worden, so die Denkmalschützer. Noch am selben Tag sei eine Anordnung zur Einstellung der Fällarbeiten erlassen worden.

Auch die Bauaufsicht des Landkreises wurde eingeschaltet, da es um Arbeiten ging, für die eine bauaufsichtliche Genehmigung erforderlich sei, so die Untere Denkmalschutzbehörde. Diese hätte jedoch nicht vorgelegen. Die Untere Forstbehörde wollte sich mit Verweis auf ein laufendes Verfahren nicht zu dem Fall äußern. Es riecht jedenfalls nach Ärger.

Angesprochen auf die Rodungen erklärte die KW-Development, das Unternehmen mit dem der Investor seine Pläne in den Heilstätten realisiert, gegenüber den PNN: „Wir haben ein großes Interesse daran, möglichst viel Wald zu erhalten“, so ein Sprecher des Unternehmens. Das neue Wohnquartier sei immerhin als Waldsiedlung geplant.

Großflächige Baumfällungen seien nicht vorgenommen worden. Man habe im Winter rund 30 Bäume im Umfeld des ehemaligen Heizkraftwerks gefällt, um den Zugang zu den Baudenkmälern Fleischerei, Bäckerei und Wäscherei zu ermöglichen. Wie berichtet sollen in das neue Wohnquartier denkmalgeschützte Bestandsgebäude miteinbezogen werden, die saniert werden sollen. „Die Zuwegung erfolgte, um die Denkmale vor dem endgültigen Zusammenbruch zu retten, wozu der Eigentümer denkmalrechtlich verpflichtet ist“, hieß es seitens des Unternehmens.

Neupflanzungen mit Forstbehörde abgestimmt

Da es sich um Sanierungsarbeiten für den Erhalt von Denkmälern handelt und nicht um Neubauten, sei das Vorgehen auch ohne jeden Bebauungsplan zulässig, erklärte das Unternehmen. Als Eigentümer sei die KW-Development sogar verpflichtet, die Denkmäler zu erhalten. Für vorgenommenen Baumfällungen sollen mehr Bäume und höherwertiger Wald nachgepflanzt werden, teilte das Unternehmen mit. Das sei auch so mit der Forstbehörden abgestimmt.

Kretzschmar und seine Firma haben mit dem Areal, das zwischen dem Bahnhof Beelitz-Heilstätten und der Landesstraße 88 liegt, große Pläne. Das Wohnquartier soll sukzessive entstehen. Das Gelände wurde planungsrechtlich geteilt. In einem Bereich nahe der Landesstraße sind rund 500 Wohnungen geplant. Rund um das historische Heizkraftwerk sollen weitere rund 800 Reihen-- und Doppelhäuser sowie 200 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern entstehen. Geplant sind auch für den neuen Beelitzer Stadtteil eine Grundschule, eine Kita, ein Ärztehaus, eine Einrichtung für betreutes Wohnen sowie Lebensmittelgeschäfte. Außerdem soll im hinteren Bereich des Areals ein See angelegt werden. Für die Entwicklung will Kretzschmar rund eine halbe Milliarde Euro investieren. Das Unternehmen plant nach wie vor mit einer Fertigstellung bis 2026.

Zunächst will der Investor die Baudenkmäler sichern und sukzessive sanieren. Für das Wohnquartier soll zuerst die nötige Infrastruktur gebaut werde. So ist im Sommer zunächst der Baustart für die geplante Kita mit rund 100 Plätzen, sowie für ein Ärztehaus und einen Supermarkt geplant. Die Eröffnung der Kita ist für den Spätsommer 2021 geplant. Im Frühjahr 2021 soll der Bau der dreizügigen Grundschule beginnen. 

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