Potsdam-Mittelmark : Wo Stubenrauch geboren wurde

Teltower besuchten polnische Partnerstadt Zagan

Kirsten Graulich

Teltow - Nur zwei Stunden betrage die Fahrzeit von Teltow nach Zagan, ermunterte jüngst Kulturausschuss-Chef Eberhard Derlig (FDP) die Ausschussmitglieder sich selbst ein Bild von Teltows künftiger Partnerstadt zu machen. Bereits zwei Male schon weilte eine Teltower Delegation in der polnischen Stadt, die 45 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt in der Wojewodschaft Lubuskie liegt. Umgekehrt besuchte bereits eine Abordnung aus Zagan die Stadt Teltow und die Gäste zeigten sich besonders interessiert an einem Kinder- und Jugendaustausch, aber auch an Wirtschaftsbeziehungen. Im Blick haben sie dabei vor allem gemeinsame EU-Projekte.

Zagan, das erstmals 1202 erwähnt wurde, zählt heute rund 28 000 Einwohner. Die Stadt, damals noch Sagan, profitierte von ihrer Lage an einer wichtigen Handelsstraße, die Großpolen und Süddeutschland verband. Handwerk und Handel trugen einst wesentlich zur Entwicklung der Stadt bei. Heute sind das vor allem Textilindustrie und Baufirmen sowie einige landwirtschaftliche Betriebe.

Zunehmend entwickelt sich nun auch der Tourismus zu einem bedeutendem Wirtschaftsfaktor, denn neben der reichen Historie bietet die Stadt zwischen der schlesischen Ebene und dem Kociegebirge auch viele landschaftliche Reize. Umgeben von Wald mit markierten Wanderwegen gibt es rings um Zagan zahlreiche Flüsse und Bäche. Geschützte Tierarten wie Kraniche, Birk- und Auerhähne kann man hier beobachten und für Botanikfreunde dürfte der Seidelbast interessant sein. Kaum vorstellbar, dass sich in dieser Idylle einst ein sehr tragisches Geschichtskapitel ereignete, dass Thema zahlreicher Filme wurde.

Am bekanntesten ist die amerikanische Produktion „Die große Flucht“, die in den 60er Jahren gedreht wurde und mit Steve Mc Queen und Charles Bronson in den Hauptrollen besetzt wurde. Der Film handelt von einer Tunnelflucht aus einem deutschen Kriegsgefangenen-Lager. Dieses Lager unter dem Namen „Stalag Luft 3“ befand sich tatsächlich am Rande der Stadt Zagan und der Siedlung Karliki-Carlswalde. Es war ein Offiziers-Gefangenenlager für Flieger, das im Mai 1942 errichtet wurde.

Anfangs gehörten ausschließlich britische und amerikanische Offiziere zu den Insassen des Lagers. Schon vor der großen Tunnelflucht gab es zahlreiche Versuche aus dem Lager zu fliehen. Im Frühjahr 1943 organisierte das Komitee „X“ unter Leitung des Luftwaffen-Majors Roger Bushell die größte Flucht, zu der es in der Nacht vom 24. zum 25. März 1944 kam und zwar durch einen 111 Meter langen Tunnel in einer Tiefe von zehn Metern. Etwa 80 Personen wurden durch den Tunnel geschleust, ehe die Flucht von einem Wachposten entdeckt wurde. Für das ganze Reich wurde daraufhin eine Groß-Razzia ausgerufen, der letztlich nur drei Flüchtlinge entkommen konnten. Hitler erließ daraufhin den „Sagan-Befehl“, demzufolge die Hälfte der gefassten Offiziere erschossen wurden, um vor weiteren Fluchtversuchen abzuschrecken. Die 18 Ausführer des „Saganer Befehls“ mussten sich 1947 vor einem englischen Militärgericht verantworten, das vierzehn von ihnen zum Tode verurteilte. Die Geschichte der spektakulären Flucht ist in einem Lagermuseum dokumentiert.

Beeindruckt waren die Teltower Gäste bei ihrem Besuch von den historischen Denkmälern wie dem Augustinerkloster und Herzogschloss, das heute als „Zaganer Kulturpalast“ die wichtigste kulturelle Einrichtung der Stadt ist. Für die Teltower dürfte vor allem interessant sein, dass einst aus Zagan die Familie des Teltower Landrates Ernst von Stubenrauch (1853-1909) kam, die 1860 nach Berlin zog, wo der Vater des Landrates, Hugo von Subenrauch, eine Anwaltskanzlei eröffnete. Unter Stubenrauch wurde die Infrastruktur im Landkreis sehr stark verbessert und zwischen 1900 bis 1906 der Teltowkanal erbaut. Kirsten Graulich

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