Winzerfest in Werder : Warum Wein aus Brandenburg 2019 alkoholhaltiger wird

Beim 17. Winzerfest in Werder können Weine aus acht deutschen Anbaugebieten probiert werden. Winzer sagen, dass Brandenburg den Vergleich mit anderen Anbaugebieten nicht scheuen muss - und dass der Wein im kommenden Jahr alkoholhaltiger wird.

Sarah Stoffers
Abgefüllt. Lindicke präsentiert beim Fest verschiedene Weine vom Wachtelberg.
Abgefüllt. Lindicke präsentiert beim Fest verschiedene Weine vom Wachtelberg.

Werder (Havel) - Einen trockenen Müller Thurgau, Sauvignon Blanc oder einen gut gekühlten und perlenden „Fridericus“-Sekt – dass man aus Werder neben dem bekannten Obstwein durchaus edle Tropfen guter Qualität genießen kann, zeigt einmal mehr das 17. Winzerfest am kommenden Freitag und Samstag auf dem Werderaner Wachtelberg. Elf Winzer werden dann ihre deutschen Qualitätsweine zum Probieren anbieten.

„Das ist eines der wenigen Weinfeste, die direkt in einem Weinberg stattfinden“, erklärt Weinbauer Manfred Lindicke, der als Mitglied des Weinvereins Werder das Fest mitorganisiert. Die Winzer, die ihre Weine präsentieren werden, lassen ihre Reben in den Anbaugebieten Saale-Unstrut, Sachsen, Mittelrhein, Rheinhessen, der Pfalz, Württemberg, Baden und dem Rheingau wachsen und gedeihen. Aus Werder wird neben Lindicke der Gastronom Jens-Uwe Poel mit seinen edlen Tröpfchen vertreten sein. Die Weinbauflächen der beiden Winzer auf dem Werderaner Wachtelberg, dem Galgenberg und dem Phöbener Wachtelberg gehören zum Anbaugebiet Saale-Unstrut. Auch Wein aus dem brandenburgischen Schlieben kann beim Fest verköstigt werden, wie Lindicke verrät. „Die bauen etwa einen Hektar Wein an. Mit den Kollegen verbindet uns seit 25 Jahren eine enge Freundschaft.“

"Müssen uns im direkten Vergleich mit anderen Anbaugebieten nicht verstecken"

Das Fest ist für die Weinbauern aus Werder und anderen Teilen Brandenburgs eine gute Möglichkeit, für ihre Weine in der Region und darüber hinaus Aufmerksamkeit zu bekommen. Lindicke – der einzige Winzer in Brandenburg, der „versuche“, davon hauptberuflich zu leben – ist von der guten Qualität der brandenburgischen Weine überzeugt. „Wir wollen auf dem Fest zeigen, dass wir im direkten Vergleich mit den anderen Anbaugebieten durchaus mithalten können und uns nicht verstecken müssen.“

Das vergangene Jahr sei für ihn gut gelaufen, so Lindicke. „Von der Menge und Qualität her war es ein sehr gutes Weinjahr.“ 80 000 Tonnen habe er ernten können. Einige der weißen Sorten und zwei Sorten Roséwein sind schon abgefüllt und werden auf dem Fest verkostet. Auch der aktuelle „Fridericus“-Sekt und der Perlwein Amelié Secco können gekostet werden. Die beiden prickelnden Getränke seien gut gekühlt genau das Richtige an den heißen Sommertagen, so Lindicke. Der Winzer baut auf seinen Flächen zehn verschiedene Rebsorten an. Die wichtigste sei Müller Thurgau. Aber auch Sauvignon Blanc, Kernling oder rote Reben wie den Regent oder Dornfelder erntet er.

Warum der Alkoholgehalt der Brandenburger Weine im kommenden Jahr höher ausfallen wird

Bisher ist der Brandenburger Wein und seine Qualität noch nicht überregional bekannt. Lindicke würde sich wünschen, das die Hotels und Gastronomen aus der Region und Umgebung den Wein mehr anbieten würden. „Wenn wir zu Verkostungen einladen, glänzt die Gastronomie mit Abwesenheit“, erklärt er. Ein gewisser Aspekt, der dabei eine Rolle spielen würde, sei sicherlich das Preisniveau, so Lindicke. Die Weine aus Brandenburg seien recht teuer. Er sei dabei mit seinen Flaschen zwischen 7,50 bis rund 10,50 Euro noch im unteren Bereich. „Allerdings zahlt man für Weine aus anderen Gebieten mit derselben Qualität genauso viel und mehr.“ Ein anderer Grund sei, dass zwar viele Gastronomen gerne mit regionalen Produkten werben und locken wollten. Bei bestimmten Waren, wie eben auch dem Wein, höre das leider auf. In der Gerichtslaube im Nikolaiviertel sei das anders: Dort wird Wein aus Werder serviert.

In diesem Jahr wird die Lese sehr wahrscheinlich früher als sonst beginnen, wie Lindicke erklärt. „Wir haben ein sehr warmes Jahr. Dadurch gibt es einen Vorsprung in der Vegetation von 14 Tagen bis vier Wochen.“ Für die Trauben sei die Wärme und Sonne nicht schlimm. Auch Schädlinge würde die aktuelle Witterung fernhalten, wie bestimmte Pilze oder die Kirschessigfliege, die, so Lindicke, im vergangenen Jahr Schaden angerichtet hatte. Das Problem sei zurzeit vor allem das wenige Wasser, das die Trauben in Stress versetzt.

„Bei der Dürre könnten die Weine eventuell an Geschmack und Komplexität einbüßen“

„Wir geben natürlich Wasser dazu, aber das ist teuer und aufwendig und ersetzt keinen schönen Landregen.“ Durch die anhaltende Wärme könnte der Zuckergehalt in den Reben höher als sonst sein und der daraus entstehende Wein dadurch einen höheren Alkoholgehalt haben oder aber sehr süß sein, so Lindicke. Darum müssen die Reben früher geerntet werden. Wie der Wein aus der Lese dann später wird, werde sich zeigen. „Bei der Dürre könnten die Weine eventuell an Geschmack und Komplexität einbüßen“, so Lindicke.

Doch erst einmal werden die aktuellen Weine beim Winzerfest probiert. Auch Gegrilltes, Fisch, Flammkuchen, Käse, Backwaren und Eiscreme aus der Region werden angeboten. Für Unterhaltung sorgt an beiden Abenden die Band „Megasixties“. Und von der Plattform, die auf dem Wachtelberg steht, kann die Aussicht genossen werden. Das Geschenk vom Landkreis wurde schon zum Baumblütenfest aufgestellt und soll jetzt dauerhaft bleiben. „Darüber freue ich mich sehr. Man hat davon aus einen wunderschönen Blick über den Weinberg“, so Lindicke. Die Weinstände öffnen am Freitag, dem 27. Juli, um 15 Uhr. Die offizielle Eröffnung ist um 18 Uhr. Am Samstag beginnt das Fest ab 13 Uhr.