Windkraft in Teltow und Stahnsdorf : Stahnsdorf erlaubt Windräder unter Auflagen

In der Genshagener Heide dürfen Windräder bis maximal 180 Metern Höhe stehen. Darauf hat sich Stahnsdorf mit Windparkunternehmen geeinigt. 

Verunstaltetes Landschaftsbild? Das befürchtet man in Teltow. 
Verunstaltetes Landschaftsbild? Das befürchtet man in Teltow. Foto: dpa

Stahnsdorf - In der Genshagener Heide könnten sich schon bald sieben neue Windräder drehen. Stahnsdorf bereitet derzeit die städtebaulichen Verträge mit den Windkraftbetreibern vor. Neben den Berliner Stadtwerken, die vor Ort gemeinsam mit dem Potsdamer Projektentwickler Notus Energy vier neue Anlagen errichten wollen, verfolgen die Bremer wpd AG und die Plan 8 GmbH aus Eckernförde Pläne für drei weitere Windräder, denen die Gemeinde nun unter Bedingungen zustimmen will. Ein jahrelanger Streit könnte damit zu Ende gehen.

Wie berichtet hatte Stahnsdorf die nahe Sputendorf geplanten Windrad-Giganten lange Zeit verhindern wollen, weil die Räder teils deutlich höher geplant waren als die, die sich bereits in der Genshagener Heide drehen. Bisher werden dort Höhen von 175 beziehungsweise 140 Metern erreicht. Notus Energy hatte jedoch zwischenzeitlich Windgiganten von über 200 Metern im Visier und dafür bereits eine Genehmigung beim Landesumweltamt beantragt.

Betreiber: Windräder bis 150 Meter Höhe rentieren sich 

Um gegen die Riesenwindräder vorzugehen, beschloss die Kommune vor drei Jahren, für das Vorhabengebiet einen Bebauungsplan aufzulegen und dort nur Windkraftanlagen mit einer Höhe von bis zu 150 Metern zuzulassen. Nachdem ein Gutachten jedoch zu dem Schluss gekommen war, dass Anlagen dieser Höhe dort nicht wirtschaftlich zu betreiben seien, korrigierte Stahnsdorf den Bebauungsplan. Nunmehr können wie berichtet die Windräder bis zu 180 Meter hoch sein.

Wie das Rathaus auf PNN-Nachfrage mitteilte, sei zwischenzeitlich mit den Betreibern der künftigen Anlagen gesprochen worden. Die nunmehr festgesetzte Höhe sei demnach ein „für alle Beteiligten gangbarer Weg“, erklärte Stahnsdorfs Gemeindesprecher Stephan Reitzig.

Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers (BfB) hat das Gespräch gesucht. 
Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers (BfB) hat das Gespräch gesucht. Foto: Johanna Bergmann

Der städtebauliche Vertrag, der in der Gemeinderatssitzung am heutigen Donnerstagabend von den Stahnsdorfer Kommunalpolitikern verabschiedet werden soll, sieht vor, dass sich auch die Berliner Stadtwerke und der Projektentwickler Notus Energy verpflichten, neue Anträge für ihre Räder in der zugebilligten Höhe zu stellen. Ob sie das machen, blieb zunächst offen. Beide Unternehmen waren am Mittwoch nicht zu erreichen.

Die ersten 200 Meter-Windräder stehen bereits

Ganz verhindern kann Stahnsdorf die 200-Meter-Riesen in der Genshagener Heide aber nicht. Die Berliner Stadtwerke hatten bereits im Frühjahr eine erste Anlage dieser Höhe auf Großbeerener Terrain errichtet, das ebenfalls in dem Windeignungsgebiet liegt. Zudem plant der Potsdamer Projektentwickler Notus Energy gegenwärtig im angrenzenden Teltower Ortsteil Ruhlsdorf, wo sich bereits vier Windräder der Plan 8 GmbH in 175 Metern Höhe drehen, zwei noch höhere Anlagen. Diese sollen über 230 und 240 Meter hoch werden.

Stahnsdorf hatte auch diese Räder in einer dem Landesumweltamt vorgelegten Stellungnahme abgelehnt. Zum einen, weil sich die Gemeinde in ihren eigenen Planungen beschnitten sah. Zum anderen, weil auch die auf Nachbarterrain geplanten Windenergieanlagen aufgrund ihrer Höhe Stahnsdorf beeinträchtigen würden. Auch rückten sie zu dicht an den Stahnsdorfer Ortsteil Marggraffshof heran, hieß es in dem Schreiben.

Teltow befürchtet "Verunstaltung" seines Ortes

Auch Teltow fürchtet um den Erholungswert des Areals und wehrt sich gegen die auf ihrem Gebiet geplanten Windgiganten. Bereits im Frühjahr wiesen die Stadtverordneten den Antrag des Windkraftbetreibers zurück und lehnten das Einvernehmen zu den Plänen ab.

Zwischenzeitlich hatte Notus Energy den Antrag überarbeitet und um aktualisierte Prognosen für den Schall und Schattenwurf ergänzt. Zudem soll eine Umweltverträglichkeitsprüfung erfolgen, die der Projektträger freiwillig angeboten habe. Den Teltower Stadtverordneten liegt deshalb derzeit erneut eine Beschlussvorlage zur Entscheidung vor. Das Einvernehmen zu den Plänen wird dem Projektentwickler darin aber weiterhin versagt. Teltow kritisiert dabei nicht nur den Bau der Anlagen, sondern vornehmlich deren Dimension. „Die visuelle Wirkung der beantragten Anlagen reicht über das Landschaftsbild des Aufstellungsortes hinaus“, argumentiert das Rathaus in der Beschlussvorlage. Nicht nur der Erholungswert des Areals werde gemindert. Würden die Windräder stehen, so sei von einer „Verunstaltung des Orts- und Landschaftsbildes“ auszugehen. Notus Energy hatte sich zuletzt darauf berufen, dass vor Ort bereits vier Windräder errichtet worden waren, wenn auch keine 200-Meter-Giganten.

Teltow will die Windräder weiterhin verhindern

Teltows Fachausschüsse lehnten erneut einstimmig das Vorhaben von Notus Energy ab. Am heutigen Donnerstag berät dazu der Ruhlsdorfer Ortsbeirat, bevor am Montag Teltows Hauptausschuss abschließend über das zu erteilende Einvernehmen entscheiden muss.

Mit den sieben neuen Rädern in Sputendorf wird der Windpark in der Genshagener Heide zunächst auf 15 Windenergieanlagen anwachsen. Zurzeit stehen in dem gemeindeübergreifenden Gebiet acht Anlagen, vier auf Teltower und vier auf Großbeerener Terrain. Werden die Pläne der Notus Energy genehmigt, könnten sich dort schon bald 18 Windräder drehen. Neben den beiden Windgiganten, die der Potsdamer Projektentwickler dort zurzeit plant, befindet sich ein weiteres im benachbarten Ludwigsfelde im Genehmigungsverfahren – auch dieses soll 230 Meter hoch sein.