Windenergie rund um Beelitz : Grünes Licht für Windkraft im Wald

Der Windanlagenbauer Juwi kann ab sofort zwölf Windräder in der Reesdorfer Heide bei Beelitz bauen. Windkraftgegner und Stadt versuchen das seit Jahren zu verhindern.

200 Meter hoch sind die Windräder, die sich bald auch schon über die Reesdorfer Heide erheben könnten. 
200 Meter hoch sind die Windräder, die sich bald auch schon über die Reesdorfer Heide erheben könnten. Foto: TimSiegert-batcam.de Fotolia

Beelitz - Es ist ein Schock für die Beelitzer Windkraftgegner: Das Landesumweltamt hat endgültig grünes Licht gegeben für den Bau von zwölf Windkraftanlagen in der Reesdorfer Heide. Entstehen sollen die Anlagen der Firma Juwi nahe der Stadt Beelitz in einem Waldstück südlich der Bahnlinie. In einem jetzt öffentlich gewordenen Schreiben vom 24. September ordnet die Behörde den „sofortigen Vollzug“ an. Somit könnten sich nahe Beelitz schon bald die ersten 200 Meter hohen Windräder im Wald drehen.

Für die Umweltvereinigung „Waldkleeblatt – Natürlich Zauche“, ein Zusammenschluss mehrerer regionaler Bürgerinitiativen gegen Windkraft, wird nun wahr, wovor sie seit Jahren warnen. „Damit werden noch vor dem Inkrafttreten des Moratoriums der Landesregierung gegen die Errichtung von Windkraftanlagen Tatsachen geschaffen“, ärgert sich Waldkleeblatt-Vorsitzender, Winfried Ludwig.

Windkraftgegner: Unsere Argumente wurden nicht beachtet 

Wie berichtet will die Landesregierung ein zweijähriges Moratorium gelten lassen, um den Wildwuchs von Windkraftanlagen in Gebieten einzudämmen, die keine verbindliche Regionalplanung haben. So will sich die Landesregierung Zeit verschaffen, um eine rechtssichere Lösung für den Bau von Anlagen zu haben. Zudem sollen die Kommunen weitaus stärker als bisher Mitsprache erhalten. Ziel ist es, damit die Akzeptanz der Windkraft bei den Bürgern zu erhöhen. 

In Beelitz indes will man die Pläne der rheinland-pfälzischen Firma Juwi seit Jahren verhindern. Seit 2016 läuft das Genehmigungsverfahren. Seither sind zahlreiche Widersprüche gegen das Projekt beim Landesumweltamt eingegangen. Kritisiert wird das Vorhaben von der Stadt Beelitz, der Recura-Unternehmensgruppe, die in den Heilstätten Kliniken betreibt, der Bürgerinitiative sowie von Privatpersonen. „Unsere Anliegen wurden vor der Entscheidung wohl nicht beachtet“, sagt Ludwig. Er unterstellt den Behörden, das Verfahren abgekürzt zu haben. Normal sei vielmehr, dass vor dem Bau Widersprüche geklärt würden und nicht andersherum.

Der Windkraftgegner Winfried Ludwig aus Fichtenwalde, er ist Vorsitzender des Vereins "Waldkleeblatt - Natürlich Zauche". 
Der Windkraftgegner Winfried Ludwig aus Fichtenwalde, er ist Vorsitzender des Vereins "Waldkleeblatt - Natürlich Zauche". Foto: Henry Klix

Gegen die Entscheidung, so kündigte Ludwig an, werde die Umweltvereinigung rechtlich vorgehen. „Doch dann stehen die Windanlagen schon.“ Und sobald sich das erste Windrad in den Wäldern rund um Beelitz dreht, dauere es nicht lange, würden weitere kommen. Die Argumentation der Windkraftgegner werde damit weiter geschwächt.

Jüngste Waldbrände haben das Gefahrenpotential gezeigt

Dabei sei der Wald alles andere als ein sicherer Standort für die weißen Windriesen. So argumentiert Waldkleeblatt schon seit Jahren, dass ein Brand einer solchen Anlage verheerende Auswirkungen haben könne. Wie schwer Feuer mitten in Wäldern zu bekämpfen sind, wurde jüngst bei den verheerenden Waldbränden in Fichtenwalde und Treuenbrietzen deutlich.

 „Vor diesem Hintergrund ist die Zustimmung der zuständigen Brandschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark mehr als unverantwortlich“, so Ludwig. So habe die Kreisbehörde in ihrer Genehmigung festgestellt, dass „eine plötzliche Entnahme größerer Mengen an Wasser normalerweise kein Problem darstellt“. Und da es aus Sicht der Brandschützer genügend Wasser vor Ort gebe, müssten auch keine weiteren Löschwasserentnahmestellen errichtet werden. Ludwig kann darüber nur noch den Kopf schütteln. „Das ist eine abenteuerliche Erklärung.“ Er habe sich per Mail an Landrat Wolfgang Blasig (SPD) gewandt und ihm um Stellungnahme gebeten. Für den Waldbrand in Fichtenwalde musste das Löschwasser vom Spargelhof Buschmann&Winkelmann und aus Schwielowsee in die Beelitzer Wälder gepumpt werden. 

Die Beelitzer Stadtverordneten haben erst jüngst beschlossen, rund um Fichtenwalde Löschwasserbrunnen zu erbauen – bisher gibt es dort keine. Auch das ist eine Lehre aus den Bränden.

In dem südlichen Teil des Windeignungsgebiet (WEG) 25 sollen die Anlagen erbaut werden. 
In dem südlichen Teil des Windeignungsgebiet (WEG) 25 sollen die Anlagen erbaut werden. Grafik: Fabian Bartel

Landesumweltamt: Einwände wurden umfassend geprüft

Im Landesumweltamt versteht man die Aufregung um die Genehmigung nicht. Das jetzt vorliegende 120-seitige Papier, erklärt der Sprecher des Landesumweltamtes Thomas Frey, sei der Widerspruchsbescheid, in dem die Behörde die Einwände geprüft habe – mit dem Ergebnis, dass gebaut werden darf. Sowohl Genehmigung- als auch Widerspruchsverfahren müssen nach Vorgaben des Gesetzgebers zügig bearbeitet werden, betont Frey. Beide Verfahren seien „entscheidungsreif“ gewesen. Auf die Frage, warum die Genehmigung noch vor dem Inkrafttreten des Windkraft-Moratoriums erteilt wurde, erklärt Frey: „Es gilt, die Rechtsgrundlage zum Zeitpunkt der Antragsstellung“. Man könne gültiges Recht nicht außer Kraft setzen, nur, weil der Gesetzgeber durch politische Forderungen andere Maßstäbe setze. Zudem sei unklar, wann und wie das Moratorium in Kraft trete.

Für die Beelitzer Windkraftgegner kommen die jüngsten Pläne der Landesregierung zu spät. Der Kampf gegen die Windräder ist nicht wie gewünscht aufgegangen. Nur die Firma Juwi freut sich, dass es endlich losgeht – wann Baustart ist, konnte die Firma am Dienstag noch nicht sagen.