Wildschwein-Plage : Stahnsdorf beschließt harte Maßnahmen

Bogenjagd, Lebendfallen und Abschussprämien: Die Gemeinde Stahnsdorf hat einen Maßnahmenkatalog beschlossen, um das Wildschwein-Problem anzugehen.

Ein erlegtes Wildschwein liegt nach einer Treibjagd auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf.
Ein erlegtes Wildschwein liegt nach einer Treibjagd auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf.Foto (Archivbild): Ralf Hirschberger/dpa

Stahnsdorf - In den vergangenen Monaten haben die Wildschweine in den Gemeinden Stahnsdorf und Kleinmachnow für einigen Ärger gesorgt. Nach zahlreichen Informationsveranstaltungen, Expertenrunden und Gesprächen haben die Fraktionen Bürger für Bürger, CDU, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und der FDP nun gemeinsam einen Maßnahmenkatalog erarbeitet. Die Gemeindevertretung hat dem in ihrer Sitzung am Donnerstagabend zugestimmt. Ein Überblick.

Bogenjagd etablieren

Wie berichtet will die Gemeinde die Jagd mit Pfeil und Bogen in Stahnsdorf einführen und hat dafür bereits eine Sondererlaubnis beim brandenburgischen Umweltamt beantragt, die derzeit geprüft wird. Die Gemeindevertreter haben beschlossen, diesen Weg weiter zu forcieren und den Jagdpächter bei der Umsetzung zu unterstützen. In der Region verfügt zurzeit nur Peter Hemmerden, einer der beiden zuständigen Jagdpächter, für Stahnsdorf und Kleinmachnow über die entsprechende Ausbildung. 

Einsatz von Lebendfallen

Die Gemeindeverwaltung will sich mit den zuständigen Jagdpächtern und der Jagdgenossenschaft über den Einsatz von Lebendfallen abstimmen. Mit den Fallen, auch Saufänge genannt, können ganze Rotten eingefangen und dort zur Strecke gebracht werden. Unter Experten und Jägern ist diese Art der Jagd umstritten. Auch Peter Hemmerden hatte sich in der Vergangenheit kritisch zu der Methode geäußert. Die Gemeindevertreter haben nun beschlossen, die Kosten zu prüfen und wie und durch welche Jäger der Einsatz der vier zur Verfügung stehenden Sauenfänge der Unteren Jagdbehörde möglich ist. 

Abschussprämie für Jagdpächter

Die Gemeindevertretung hat beschlossen, ab dem am 1. April beginnenden Jagdjahr 2019/20 den Jagdpächtern eine Aufwandentschädigung für erlegte Wildschweine mit einem Lebendgewicht bis einschließlich 30 Kilogramm zukommen zu lassen. Damit erhofft sich die Gemeinde, einen weiteren Anreiz für den Abschuss der Schweine zu schaffen. Pro erlegtem Tier sollen die Jagdpächter 35 Euro erhalten. Die Fraktionen SPD und Wir Vier, die ebenfalls einen ähnlichen Maßnahmenkatalog erarbeitet und zur Sitzung eingereicht hatten, sprachen sich gegen diese Regelung aus. Sie fordern eine Aufwandsentschädigung für alle Jäger, nicht nur für die Jagdpächter. Laut Gemeindeverwaltung ist dies jedoch jagdrechtlich nicht möglich.

Gemeindejäger für Stahnsdorf

Stahnsdorf will in Abstimmung mit dem Jagdpächter nun einen Gemeindejäger einstellen. Auch gegen diese Maßnahme hatten sich die beiden Fraktionen SPD und Wir Vier ausgesprochen. Die Jagdgenossenschaft und ihre Jäger würden ihre Aufgabe gut erledigen, es bräuchte daher keinen zusätzlichen Jäger, sagte Wir-Vier-Chef Dietrich Huckshold. Welche Aufgaben der Gemeindejäger genau übernehmen soll, sei noch nicht abschließend geklärt, erklärte Gemeindesprecher Stephan Reitzig auf PNN-Anfrage. Er solle sich jedoch an der Koordination beteiligen und bei der Aufklärungsarbeit für die Bevölkerung mitwirken. Erst nach dem geplanten nicht-öffentlichen Fachgespräch am 26. Februar werde besprochen, welche jagdlichen Handlungen ihm übertragen werden können und sollen. 

Jagd in befriedeten Gebieten 

Die Gemeindeverwaltung wird die Jagd im befriedeten Bezirk weiterhin forcieren und dafür die entsprechenden Genehmigungen für die Jagd auf gemeindeeigenen Grundstücken an die Untere Jagdbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark stellen. Zudem wird die Gemeindeverwaltung Privateigentümer bei ihren Anträgen auf Genehmigung für ihre Grundstücke unterstützen. 

Fütterungsverbot und Aufklärung 

Die Verwaltung will die unerlaubte Fütterung der Wildschweine deutlich umfangreicher dokumentieren sowie Beweismittel sichern und an die zuständige Untere Jagdbehörde zur Verfolgung melden. Zudem soll die Bevölkerung durch entsprechende Aufklärungskampagnen über ihre eigenen Möglichkeiten bei der Wildschweinbekämpfung als auch über die Arbeit der Gemeinde informiert werden. 

Jagd koordinieren
Die Gemeindeverwaltung Stahnsdorf wird damit beauftragt, die für die Reduktion und Regulierung der Wildschweinpopulation zuständige Jagdgenossenschaft, die Jagdpächter und Jäger bei ihrer Arbeit zu unterstützen und eine koordinierte Zusammenarbeit zu forcieren. Dafür soll auch der fachliche Austausch zwischen den einzelnen Akteuren in der Zukunft von der Gemeinde besser gefördert werden.