Potsdam-Mittelmark : Widerwilliges Ja zum Schulstandort

Der geplante Bau an der Mahlower Straße in Teltow ist umstritten – aber für viele besser als gar keiner

Martin Anton

Teltow - Die neue Gesamtschule in der Region Teltow-Kleinmachnow-Stahnsdorf (TKS) wird aller Voraussicht nach in der Mahlower Straße nahe dem S-Bahnhof Teltow entstehen. Nach der Einigung zwischen Landrat Wolfgang Blasig und Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt (beide SPD) zugunsten des Grundstücks hinter einer Tankstelle und einem Supermarkt scheint dem Bau nichts mehr im Wege zu stehen – auch wenn die Stimmungslage in den betroffenen Kommunen nicht gerade euphorisch ist.

Die TKS-Bürgermeister hatten allesamt einen Standort an der Potsdamer Straße in Teltow bevorzugt. Besonders Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers (BfB) zeigte sich vorige Woche verärgert über die Nachricht von der Entscheidung und forderte unter diesen Voraussetzungen eine Verlängerung der S-Bahnlinie 25 nach Stahnsdorf.

Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) sieht die Situation etwas entspannter als sein Amtskollege. Immerhin verfügt Kleinmachnow bereits über eine Gesamtschule. Auch wenn er persönlich „den anderen Standort angenehmer“ gefunden hätte, begrüßt er die Entscheidung für den Schulneubau.

Für das Grundstück an der Mahlower Straße spricht aus Sicht des Landkreises vor allem die Größe. Mit 30 000 Quadratmetern ist es etwa 10 000 Quadratmeter größer als die Alternative an der Potsdamer Straße. Ob die direkte Nähe zur S-Bahn ebenfalls eine Rolle spielt, ist unklar. Zwar dürfte die Zahl der Berliner Schüler, die eine neue Gesamtschule in Teltow besuchen würden, eher gering sein. Doch ist der Bahnhof auch Haltestelle für diverse regionale Buslinien.

Über Hintergründe für die Wahl der Mahlower Straße und über die weiteren Pläne ist aus dem Landratsamt derzeit wenig zu hören. Das mag auch daran liegen, dass die „Entscheidung“ nicht offiziell getroffen ist. Eine Einigung zwischen Landratsamt und Teltower Verwaltung stellt keine rechtliche Grundlage für einen Schulbau dar. Der Kreistag muss entscheiden, ob der Landkreis das Grundstück kauft und darauf die Gesamtschule errichtet. Die Teltower Stadtverordneten müssen dem Verkauf der kommunalen Fläche zustimmen und die planungsrechtliche Grundlage für den Bau eines Schulgebäudes schaffen.

Wobei die Zustimmung der Teltower Stadtverordneten so gut wie sicher ist. Zum einen hatte Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) sich bereits erleichtert darüber gezeigt, dass es nun bald mit dem Schulneubau losgehen könnte. Schmidts SPD stellt in der Gemeindevertreterversammlung die größte Fraktion. Doch auch die anderen Parteien scheinen an einer schnellen Lösung interessiert.

Ronny Bereczki (CDU), Vorsitzender der zweitgrößten Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung, glaubt nicht, dass es bei der Genehmigung des Verkaufs Probleme geben wird. „Es ist wichtig, dass etwas passiert“, sagt Bereczki. Zwar spreche sich die CDU seit Jahren für den Standort an der Potsdamer Straße aus. Doch gebe man sich jetzt „zähneknirschend mit der Mahlower Straße zufrieden“.

An der Potsdamer Straße, so argumentiert Bereczki ähnlich wie zuvor auch Bürgermeister Schmidt, hätte es wegen der dort befindlichen evangelischen Schulen und des Oberstufenzentrums Teltow gemeinsame Nutzungsmöglichkeiten gegeben – etwa durch den Bau einer Mehrzweckhalle oder gemeinsame Mittagsverpflegung.

Auch die Verkehrsanbindung ist in den Augen vieler Bewohner der Region schwierig. Bereczki sagt: „Es ist ja schön, dass das Grundstück an der S-Bahn liegt, aber den Kleinmachnowern und Stahnsdorfern bringt das nichts.“ Er fordert vom Landkreis Vorschläge, wie der Verkehr gestaltet werden kann. Zum einen, damit die Kinder der Nachbargemeinden gut zur Schule kommen und zum anderen, damit das ohnehin hohe Verkehrsaufkommen auf der Mahlower Straße nicht noch chaotischer wird.

Aus dem Landratsamt heißt es dazu, dass bei der Standortwahl die Auswirkungen auf den Verkehr „selbstverständlich betrachtet“ würden und der Landkreis diese Frage „im weiteren Planungsverfahren explizit untersuchen“ werde. Konkretere Aussagen gibt es auch im Hinblick auf Kosten, Finanzierung und eventuelle Fördermittel noch nicht.

Der Neubau einer Gesamtschule in der Region wurde nötig, weil die Schülerzahlen in den vergangenen Jahren gestiegen sind. Speziell die Maxim-Gorki-Gesamtschule in Kleinmachnow konnte die Nachfrage nach Schulplätzen nicht mehr bedienen. Nach langer Verweigerung stimmte schließlich der Landkreis dem Bau einer neuen Schule zu und beugte sich damit auch dem Druck Hunderter von Eltern, die eine Petition unterschrieben hatten.

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