Potsdam-Mittelmark : Widerstand gegen Schönefeld-Anflüge ungebrochen

Bürgermeister von Werder (Havel) und Schwielowsee im Gespräch mit Bundesverkehrsministerium

Hagen Ludwig
Die kritisierte Anflugroute.
Die kritisierte Anflugroute.

Werder/Schwielowsee - „Für uns beginnt jetzt erst der Kampf. Wir geben nicht auf.“ Nach einem Flugrouten-Termin beim Verkehrsstaatssekretär des Bundes, Klaus-Dieter Scheurle, zeigte Werders Bürgermeister Werner Große (CDU) am gestrigen Dienstag Entschlossenheit. Mit seiner Amtskollegin aus Schwielowsee, Kerstin Hoppe (CDU), ist er sich einig: Die von der Deutschen Flugsicherung (DFS) am Montag vorgestellten Anflugrouten für den künftigen Großflughafen Schönefeld wären für die Region Havelseen ein „absolutes Horrorszenario“. Wie berichtet, soll die zentrale Zuführung in den Westanflug über die Gemeinden Werder, Schwielowsee und Michendorf gelegt werden. Unter anderem werden Flüge im Minutentakt in nur 1000 Meter Höhe über den Schwielowsee befürchtet.

Noch gäbe es Hoffnung, das abzuwenden, sagte Hoppe am Dienstag den PNN. Darin habe sie auch das Gespräch mit Staatssekretär Scheurle bestärkt. Er habe bestätigt, dass die geplanten Anflugrouten über die zwei staatlich anerkannten Erholungsorte Werder und Schwielowsee ein Problem seien und Nachbesserungsbedarf eingeräumt. Bereits für den 14. Juli haben die beiden Bürgermeister deshalb einen gesonderten Termin mit dem Staatssekretär vereinbart. „Wir haben in Berlin auch deutlich gemacht, welcher Schaden durch starken Fluglärm für unsere Erholungsorte entstehen könnte“, erklärte Hoppe. Auf diesen Punkt will sie jetzt auch noch einmal in einem Schreiben an das brandenburgische Wirtschaftsministerium hinweisen. „Es wäre schön, wenn uns zum Beispiel Staatssekretär Henning Heidemanns zu unserem nächsten Termin im Bundesverkehrsministerium begleiten könnte.“ Letztlich müssen die Routenvorschläge vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung bestätigt werden.

Mit Nachdruck hatten die Havelseegemeinden in den vergangenen Monaten gefordert, auch die Anflüge außerhalb des Berliner Rings zu führen, um dichtbesiedelte Regionen und Erholungsgebiete zu schonen. Auch Demonstrationen in der Landeshauptstadt wurden organisiert. „Wir sind entsetzt darüber, dass unsere Vorschläge von der Deutschen Flugsicherung nicht aufgegriffen wurden“, erklärte der Sprecher der Bürgerinitiative „Fluglärmfreie Havelseen“, Peter Kreilinger gestern. „Die DFS hat am Montag zudem zugegeben, dass die bisher behauptete Flughöhe von 2000 Meter über den Havelseen nur eine theoretische Rechengröße ist, während die Fluglotsen aus Einfachheits- und Bequemlichkeitsgründen in Wahrheit Höhen von um die 1000 Meter bevorzugen“, so Kreilinger. Insgesamt sei es eine Schande, dass die Fluglärmkommission und die Medien den Anflügen bisher kaum Beachtung geschenkt hätten.

Die Bürgerinitiative der Havelseegemeinden, die auch die Fluglärmgegner aus den Gemeinden Michendorf und Nuthetal vertritt, wolle deshalb bei den Anflügen weiter mit aller Kraft für bessere Alternativen kämpfen. „Die sogenannten Transitions-Verfahren für Anflüge sind bei weitem nicht die einzige Möglichkeit. Wenn man in diesen Verfahren tatsächlich nicht großräumig um Ballungsgebiete und staatlich anerkannte Erholungsorte herum fliegen kann, dann müssen eben andere Verfahren geprüft werden", so Kreilinger.

Außerdem werde man unverändert für ein strenges Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr und gegen ein internationales Drehkreuz in Schönefeld kämpfen, erklärte Kreilinger. „Wer einfach nur die aktuellen Wachstumsraten fortschreibt und die übliche Planungszeit für einen Flughafen bedenkt, weiß: Wenn heute keine Alternative geplant wird, gibt es morgen die dritte Bahn in Schönefeld“, so der Werderaner Rechtsanwalt.