Potsdam-Mittelmark : Wider das Vergessen

Stolpersteine in Bergholz-Rehbrücke verlegt

Ute Kaupke

Nuthetal - Zwei weitere Stolpersteine „wider das Vergessen“ gibt es jetzt in Bergholz-Rehbrücke. Unter großer Anteilnahme wurden sie gestern vom Kölner Künstler Gunter Demnig gesetzt. Die Nuthetaler Linke-Fraktion erinnert vor dem Elternhaus von Richard Kuckuck in der Arthur-Scheunert-Allee 70 an den gelernten Zimmermann. Der schmächtige Mann hatte als Soldat den ersten Weltkrieg überlebt, wurde im Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) von Nowawes sowie in der KPD aktiv. In der Babelsberger Rüstungsfirma Friesicke & Höpfner schloss er sich aktiven Widerstandskämpfern an, Deutschen wie Zwangs- und Fremdarbeitern. Die Gestapo verhaftete ihn am 9. Mai 1944. Vom Berliner Kammergericht in Potsdam wurde er wegen „Beihilfe zum Hochverrat und Feindbegünstigung“ zu drei Jahren Zuchthaus und Ehrverlust verurteilt. Nachgewiesen ist seine Verschleppung ins Arbeitslager Griebow. Einen späteren Transport ins Konzentrationslager Buchenwald hat er offensichtlich nicht überlebt, denn hier verliert sich seine Spur. Eine Straße in Bergholz-Rehbrücke trägt seinen Namen.

Extra aus London angereist war die Tochter von Margarete Beyer, Anita Henry. Für sie wurden viele Erinnerungen wieder wach. Das Haus ihrer Kindheit in der Jean-Paul-Straße 22 steht nicht mehr. Im April 1945 fiel es dem Bombenangriff auf Potsdam zum Opfer. Dort, wo Margarete Beyer am 1. Dezember 1943 letztmals das Grundstück verließ, liegt jetzt ein weiterer Stolperstein. Ortsvorsteherin Annerose Hamisch-Fischer rief dazu auf, einem „Aufflackern“ des Nationalsozialismus entgegenzuwirken. Anita Henry dankte dem Initiator Rüdiger Kläring tief bewegt für die Würdigung ihrer Mutter. Erst 1942 war die Familie nach Bergholz-Rehbrücke gekommen. Margarete Beyers „Vergehen“ war einzig die Tatsache, Jüdin gewesen zu sein. Sie hatte den Mietvertrag ihrer Wohnung ohne den seit 1939 von den Nazis verlangten Zwangsvornamen „Sara“ für Menschen jüdischer Abstammung unterzeichnet und wurde von ihrem Vermieter denunziert. Am 3. Dezember 1943 wurde sie von den Nazis verhaftet, im Juni 1944 nach Auschwitz deportiert. Schwerkrank starb sie vor Entkräftung am 12. April 1945. Ute Kaupke

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