Potsdam-Mittelmark : Werders Fernwärmekraftwerk wird vergrößert

Kapazität reicht für Havelauen nicht mehr aus / Dritter Block soll mit Biomethan betrieben werden

Henry Klix

Werder (Havel) - Das Fernwärmekraftwerk der edistherm in Werder bekommt einen dritten Kraftwerksblock. Er sei erforderlich, um die zusätzlichen Kunden in den Havelauen zu versorgen, sagte der Planungschef der edistherm Martin Kleindl den PNN. Wie berichtet entsteht in dem neuen Wohn- und Gewerbequartier bis September ein neues Einkaufszentrum, außerdem gibt es mehrere Projekte für Mietwohnungsbauten. Für die neue Blütentherme soll es keine Fernwärme der edistherm geben. Kleindl bedauerte, dass man sich mit dem Betreiber, der Kristall Bäder AG, nicht darüber einigen konnte. Sie baut ein eigenes Blockheizkraftwerk für das neue Bad und das später geplante Hotel.

Das dritte Blockheizkraftwerk der edistherm soll im November in Betrieb gehen, es wird etwa 600 000 Euro kosten. Laut Kleindl werde derzeit fast die Hälfte der Wärme für die Stadt vom Fernwärmekraftwerk in Werder erzeugt, besonders für größere gewerbliche Abnehmer, öffentliche Gebäude und für Wohnkomplexe sei die zentrale Versorgung interessant. „Für Einfamilienhäuser ist Fernwärme wegen der geringen Heizlast nur bedingt geeignet“, so Kleindl. Ab einem Anschlusswert von 35 Kilowatt lohne sich aber der Netzanschluss.

„Der CO2-Ausstoß in Werder wäre ein anderer, wenn wir statt des Fernwärmekraftwerks Dutzende von Einzelanlagen hätten“, so Kleindl. Wie beim Anfahren eines Autos werde durch das häufige Takten von Heizanlagen sehr viel Gas verbraucht. Der Effekt könne bei der Fernwärmeversorgung „geglättet“ werden, trotz der Leitungsverluste von zehn bis zwölf Prozent werde am Ende Gas gespart.

Das Netz in Werder ist fast 30 Kilometer lang, es wurde um die Wendezeit saniert und erweitert. Das Kraftwerk mit seinen beiden Modulen existiert in jetziger Form seit elf Jahren. Sie erzeugen pro Stunde je 800 Kilowatt Strom und 1000 Kilowatt Wärme. Der Strom wird ins Netz eingespeist. Im Sommer ist wegen des geringeren Wärmebedarfs nur einer der beiden Blöcke in Betrieb. Allerdings wird durch die Projekte in den Havelauen auch ein höherer Sommerbedarf erwartet.

Deshalb soll ergänzend ein drittes Blockheizkraftwerk mit etwa der halben Leistung gebaut werden, 400 Kilowatt elektrische und 420 Kilowatt thermische Energie. Das neue Modul wird mit Biomethan betrieben, so Kleindl. Für Bauherren in den Havelauen sei das ein Vorteil: „Anderenfalls müssten sie wegen der Energieeinsparverordnung zusätzlich in Dämmung oder erneuerbare Energien investieren.“ Der Hauptanteil des Biomethans komme aus dem Meiler der edistherm in Ketzin, wo Mais und Grassilage verarbeitet werde. Es wird ins Gasnetz eingespeist und für Werder vertraglich gesichert.

Die Tochter der eon edis in Fürstenwalde/Spree betreibt mehrere Fernwärmekraftwerke und Biomeiler in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Die edistherm erwirtschaftet mit 26 Mitarbeiter einen Jahresumsatz von etwa 35 Millionen Euro. Henry Klix

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