Werder (Havel) bleibt in CDU-Hand : „Ich hatte erwartet, dass es eng wird“

Manuela Saß wird weitere acht Jahre als Bürgermeisterin in Werder agieren. Die CDU-Politikerin über die Stichwahl, Koalitionspläne und ihre Vorhaben.

Alte und neue Bürgermeisterin von Werder Manuela Saß.
Alte und neue Bürgermeisterin von Werder Manuela Saß.Foto: Manfred Thomas

Frau Saß, Sie sind die neue alte Bürgermeisterin von Werder (Havel). Doch es wurde in der Stichwahl knapper, als die meisten erwartet hatten: Sie landeten nur 9,6 Prozentpunkte vor Anika Lorentz. Hatten Sie eine solche Zitterpartie erwartet?
Doch, ich hatte schon erwartet, dass es eng wird. Zumal man auch schauen muss, wohin die Stimmen gegangen sind, die im ersten Wahlgang bei Frau Spiegel, Herrn Ritter und Herrn Deter waren? Wir hatten also erwartet, dass es nicht leicht wird.

Wie bewerten Sie das Ergebnis?
Ich bin als Favoritin in die Wahl gegangen. Ich habe mich nicht drauf ausgeruht. Wir haben weiter Wahlkampf gemacht. Ich bedanke mich bei meinem Wahlkampfteam, bei meinen Wählerinnen und Wählern und natürlich bei meiner Familie. Es ist ein deutlicher Sieg.

Was bedeutet das doch starke Abschneiden von Anika Lorentz für Ihre zweite Amtszeit, Frau Saß? Welche Schlüsse ziehen Sie und die CDU in Werder daraus?
Daraus ziehe ich natürlich auch meine Schlüsse. Das Abschneiden von Frau Lorentz ist ein Signal, auch für mich. Ich habe gestern Abend mit ihr telefoniert und sie bereits zu einem Gespräch eingeladen. Wir werden auch in Zukunft nicht immer einer Meinung sein. Aber es geht um eine konstruktive und sachliche Zusammenarbeit. Das erwarte ich und dafür stehe ich ein.

Warten auf das Ergebnis: Manuela Saß und Christian Große (M.).
Warten auf das Ergebnis: Manuela Saß und Christian Große (M.).Foto: Manfred Thomas

Ist Werder (Havel) eine gespaltene Stadt – alteingesessene Konservative gegen zugezogene Progressive? Wie wollen Sie mögliche Gräben schließen?
Nein. Das wird herbeigeredet. Die Leute ziehen nach Werder, weil es eine schöne und liebenswerte Stadt ist. Die Spaltung zwischen denen, die schon lange hier wohnen und den Zugezogenen sehe ich überhaupt nicht. Und ich werde auch nicht dazu beitragen, diese herbeizureden. Ich sehe das Miteinander, wenn ich in Vereinen unterwegs bin. Ich sehe, dass man sich in der Stadt wohl fühlt, dass man zusammenarbeitet. Beim Fußball fragt keiner: Bist du ein alter Werderaner oder ein Zugezogener? Ich bin Bürgermeisterin für alle Werderanerinnen und Werderaner – auch für diejenigen, die mich nicht gewählt haben. Es wäre schlimm, wenn es keinen Unterschied bei den Wählerstimmen geben würde. Wir leben in einer Demokratie. Daneben sind wir viele Punkte, die Frau Lorentz im Wahlprogramm hatte – wie die Erweiterung des Gymnasiums oder den Kitabau – schon längst angegangen.

Wird die SPD-Kandidatin Anja Spiegel Ihre Beigeordnete – gibt es also de facto eine Große Koalition von CDU und SPD in Werder?
Ich habe einen Ersten Beigeordneten, und das ist Herr Große. Das ist bereits seit acht Jahren so, und die Zusammenarbeit läuft ausgezeichnet. Wir sind ein eingespieltes Team – das soll auch in meiner zweiten Amtszeit so bleiben. Über alles andere haben wir noch nicht geredet. Ich kann mir aber eine Zusammenarbeit mit Frau Spiegel, mit der SPD, absolut vorstellen. Da muss man schauen, wie. Ich kenne Frau Spiegel, seit sie noch Stadtverordnete war und den Bad-Ausschuss geleitet hat. Wir haben damals gemeinsam erfolgreich eine Schlacht geschlagen, als es um die Trennung von der Kristall AG bei der Haveltherme ging. Ich schätze ihre sachliche und ruhige Art.

Sie haben die Wahlergebnisse sicher bereits genauer angeschaut – wie bewerten Sie die niedrige Wahlbeteiligung?
Die niedrige Wahlbeteiligung ist für mich absolut nicht nachvollziehbar. Das ist eine Katastrophe! Ich weiß nicht, was es ist, dass die Menschen so wenig zur Wahl gegangen sind. Ist es Politikverdrossenheit? Gerade wenn es um die eigene Stadt, um die Heimatstadt geht, sehe ich es als Bürgerpflicht, dass man wählt. Man muss darüber nachdenken, wie man jetzt damit umgeht. Auch müssen wir uns wahltechnische Fragen stellen.

Welche wären das?
Muss es immer ein Sonntag sein, an dem gewählt wird?

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Und der Ausgang der Stichwahl in den einzelnen Stadt- und Ortsteilen?

So richtig habe ich es mir noch nicht angesehen. Aber ich bin sehr froh über die Ergebnisse zum Beispiel in Bliesendorf, Töplitz, Phöben, Plötzin und Derwitz, das waren sehr eindeutige Ergebnisse. Bemerkenswert ist aber auch mit Blick auf Ihre Frage nach der Spaltung in Werder, das Ergebnis aus dem Wahllokal Traumfänger. Das ist die Region Havelauen. Dort sind alle Zugezogene, denn das Wohngebiet existiert erst seit Mitte, Ende der 90er und ist während meiner Amtszeit gewachsen. Da habe ich gewonnen. Insgesamt muss ich mir die Ergebnisse aber nochmal in Ruhe ansehen.

Sie starten jetzt in die zweite Amtszeit – wird es also ein „Weiter so“, das sich die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler gewünscht hat?
Ich werde weiter meine Arbeit machen, so wie ich sie die letzten acht Jahre gemacht habe. Dabei werden wir den aktuellen Anforderungen Rechnung tragen, mit der Entwicklung Schritt halten. Wir stehen vor riesigen Herausforderungen, die Folgen des Kriegs in der Ukraine, die Auswirkungen der Coronakrise. Die Preise insbesondere im Bausektor explodieren. Wir müssen jetzt weiter solide und ordentlich wirtschaften, um uns auch in Zukunft das leisten zu können, was wir uns bisher geleistet haben. Der Stadthaushalt gibt vor, welche Projekte und Investitionen in den nächsten Jahren umgesetzt werden müssen. Und natürlich werden wir auch über Sparmaßnahmen nachdenken müssen. Wir werden die energetische Sanierung der kommunalen Gebäude abschließen und dort, wo es möglich ist, sie mit Photovoltaikanlagen ausstatten.

Was sind Ihre drei wichtigsten Projekte für Werder, die Sie als nächstes umsetzen wollen?
Der Bau der Aula mit zusätzlichen Klassenräumen am Gymnasium und die Erweiterung der Karl-Hagemeister-Grundschule sind mir sehr wichtig. Ich freue mich auf den Baubeginn der 70 bezahlbaren Wohnungen der HGW Am Finkenberg. Und ich freue mich darauf, mit dem ganz tollen Team im Rathaus weiterarbeiten zu können. Die Personalentwicklung wird eine der Hauptaufgaben in den nächsten Jahren sein.

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Das Interview führte Anna Kristina Bückmann

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