Von Tobias Reichelt : Der rosa Wandel der Zeit

Erst gefeiert, dann beschmiert: Jetzt soll das Panzerdenkmal gerettet werden

Tobias Reichelt
Kanone in Richtung Westen. Von 1955 bis 1990 stand das Denkmal mit dem russischen Panzer T 34 direkt an der Grenze.
Kanone in Richtung Westen. Von 1955 bis 1990 stand das Denkmal mit dem russischen Panzer T 34 direkt an der Grenze.Foto: Stiftung Berliner Mauer

Kleinmachnow - Es ist ein denkwürdiges Symbol für das Ende des Kalten Kriegs: Nach dem Mauerfall wagte sich der Berliner Künstler Eckhardt Haisch, das Panzerdenkmal an der A115 zu verwandeln: Eine rosa Schneefräse sowjetischer Bauart sollte seit 1992 die „Panzerrampe“ an der A 115 bekrönen. Doch der Betonsockel bröckelt seit Jahren, das provokante rosa ist unter Graffito und Rost kaum noch auszumachen. Um das Wende-Denkmal zu retten, hat sich jetzt die Initiative „Freunde des Panzerdenkmals“ gegründet.

Bis zum 50. Jahrestag des Mauerbaus im kommenden Jahr soll das Denkmal saniert sein, sagte Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) am Mittwochabend im Rathaus. Grubert gehört zu den Mitbegründern der Initiative. Um das Denkmal zu retten, wollen sie eine Stiftung gründen. Kommune, Land und die Eigentümer des Denkmals, die BVVG Bodenverwertungs- und Bodenverwaltungs GmbH, sollen sich einbringen. Bislang gestalten sich die Gespräche mit der BVVG allerdings schwierig. Am Montag werde es im Brandenburger Kulturministerium ein Treffen aller Beteiligten geben, kündigte Grubert an.

65 Jahre nach seinem Bau blickt Kleinmachnows „Panzerdenkmal“ auf eine wechselvolle Geschichte zurück: Die Soldaten der Sowjetarmee hatten im Mai 1945 in Zehlendorf einen Kampfpanzer der legendären IS-Serie (IS für Iossif Stalin) auf den Sockel gehoben. Wütende Berliner beschmierten das Denkmal im Juni ’53. Die Westalliierten bauten einen Käfig herum, angeblich zu seinem Schutz. Zwei Jahre darauf wurde das Denkmal von den Russen an die Sektorengrenze versetzt, die Kanone martialisch nach West-Berlin gerichtet. Der IS wurde von einem T 34 abgelöst.

Unlängst hatte Kulturministerin Martina Münch (SPD) erklärt, dass der Sockel des einstigen Panzerdenkmals und die darauf stehende Schneefräse ein Denkmal im Sinne des brandenburgischen Denkmalschutzgesetzes sei. 20 000 Euro will das Land für die Sanierung zur Verfügung stellen. Das allein reicht jedoch nicht. Bürgermeister Grubert schätzt den Bedarf auf 70 000 Euro. Zudem könnte das „Panzerdenkmal“ Teil eines Erinnerungspfades werden. Ein Abzweig vom Mauerradweg soll Denkmal, Grenzübergangsstelle Dreilinden, das hohle Hoheitszeichen der DDR und den Kontrollturm am Checkpoint Bravo verbinden.

Hochkarätige Unterstützung haben sich die Kleinmachnower aus Berlin geholt. Der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, referierte am Mittwoch zur Bedeutung des „Panzerdenkmals“. Es sei, so Klausmeier, „im kollektiven Gedächtnis verankert“. Als eine von wenigen Gedenkstätten weltweit, hätte das Denkmal durch politische Veränderungen immer neue Bedeutungen erlangt: Die Sowjetarmee feierte es 1945 als Symbol für das Ende der Nazi-Diktatur. Im Juni ’53 formierte sich am Denkmal noch auf Berliner Seite der Protest gegen die Niederschlagung des Volksaufstands in der DDR. Unzähligen Reisenden sei der Blick auf die Mündung des Kanonenrohrs auf der Transitstrecke in Erinnerung.

Die Schneefräse ist seit 18 Jahren – getreu dem Motto „Schwerter zu Pflugscharen“ – auch ein Mahnmal der friedlichen Wiedervereinigung. Die „Freunde des Panzerdenkmals“ wollen die wechselvolle Geschichte erlebbar machen, sagte Peter Boeger. „Nichts ist uninteressanter als ein Denkmal, über das man nicht reden kann.“