Von Karpfen und Krebsen : Fischer Berner kam mit Glück durch den heißen Sommer

Seit 1991 wird bei Fischer Berner in Werder (Havel) gefischt. Das Geschäft läuft, auch dank vieler Touristen. Fische gibt es trotz des heißen Sommers genug, aber es war knapp.

Nick Berner von der Fischerei Berner in Werder (Havel)
Nick Berner von der Fischerei Berner in Werder (Havel)Foto: Sebastian Gabsch/ PNN

Werder (Havel) - Ein kleiner, von Birkenwäldchen gesäumter Fischteich, die Havel und ihr Zernsee umschließen den Hof von Fischer Nick Berner von drei Seiten. Boote liegen malerisch vor den Stegen, da sie jetzt im Winter nicht täglich gebraucht werden. Es ist ein idyllisches Bild zwischen Phöben und den Werderaner Havelauen, wenn man die Geräuschkulisse missachtet: Nur wenige Meter vom Steg entfernt ragt die Autobahnbrücke der A10 über die Havel. „Eigentlich höre ich das schon nicht mehr“, sagt Nick Berner. „Nur an Weihnachten ist mir aufgefallen, wie ruhig es auf einmal wurde.“ Dann fährt kaum jemand über die Autobahn.

Vor Silvester ist Karpfen gefragt

Seit 1991 gibt es die Fischerei Berner nahe der Phöbener Autobahnabfahrt, gegründet von Nicks Vater Wolfgang. Bei ihm hat der 44-Jährige auch sein Handwerk gelernt, welches derzeit vor allem aus räuchern und verkaufen besteht. Bei den winterlichen Temperaturen reiche es, ein Mal pro Woche auf die Havel zu fahren, um frische Zander aus den Netzen zu holen. In der Hauptsaison werden auch Aale, Hechte, Barsche oder Flusskrebse gefischt. Kurz vor Silvester sei vor allem Karpfen gefragt, den bekommt Berner von befreundeten Fischern aus Reckhahn oder Angermünde. Auch Forellen, Seiblinge oder Lachsforellen kauft der Werderaner dazu, um in seinem kleinen, täglich geöffneten Laden eine große Auswahl zu haben. Natürlich könne man bei ihm auch einen Hummer oder Thunfisch bestellen, den er dann vom Großlieferanten ordere. „Aber die Kunden wollen hauptsächlich die regionalen Arten kaufen“, so der 44-Jährige.

Es war knapp

Und die gebe es in diesem Jahr trotz des trockenen Sommers ausreichend. „Es gab zwar einen tiefen Wasserstand, aber schlimmer als in den Vorjahren war es nicht“, sagt Berner. Allerdings sei es knapp gewesen: „Noch ein paar Tage mehr mit 38 Grad, und der Sauerstoffgehalt im Wasser wäre zu tief abgesunken“, sagt der Fischer. Nur bei den Flusskrebsen habe er Einbußen gemerkt: Eigentlich gibt es im Frühjahr und im Herbst Wochen, in denen er bis zu zehn Kilogramm Krebse als Beifang in den Netzen hat. Doch in diesem Herbst sei das ausgeblieben, da im September immer noch Wassertemperaturen von 20 Grad Celsius herrschten. „Und dabei ist gerade bei den Flusskrebsen die Nachfrage seit Jahren größer als das Angebot.“ Die Tiere könne man einfach fünf Minuten im Sud mit Zwiebeln, Salz, Piment, Pfeffer und Weißwein kochen, das mache sie so beliebt. Im kommenden Jahr werde Berner den Preis von 1,80 Euro für 100 Gramm deshalb auf zwei Euro erhöhen.

Die monatelange Hitze im Sommer habe allerdings auch Vorteile gebracht: So seien deutlich mehr Touristen unterwegs gewesen, die einen Großteil der Kundschaft von Nick Berner ausmachen. Das Geschäft habe sich deshalb in den vergangenen Jahren gut entwickelt. „In der Ferienzeit sind es auf jeden Fall mehr Touristen als Werderaner, die hier kaufen.“ Der Fischerhof liegt am Havelradweg, auch per Boot kann man anlanden und im Sommer, wenn neben dem Verkaufsstand noch der Imbiss geöffnet ist, frische Fischsuppe und Fischbrötchen essen. Derzeit wird die selbstgemachte Suppe aus Aal, Karpfen, Zander, Wels und Hecht nur gekühlt verkauft, der halbe Liter für sechs Euro.

„Wenn ich nächstes Jahr auf meinem Boot mal nichts fange, kann ich ja einfach hier anlegen“, scherzt Gunnar Redlich. Gemeinsam mit seiner Frau Gabriela ist der Dallgower, der ein Boot im wenige Flusskilometer entfernten Ketzin hat, zum ersten Mal bei Fischer Berner. Ihr Fischer in Spandau hatte geschlossen, und am Abend kommen Gäste, da kommen Fischsuppe und Räucheraal gerade recht. „Ich kann nach den Weihnachtstagen einfach kein Fleisch oder Geflügel mehr sehen“, so Gabriela Redlich. An den Karpfen, den es traditionell zu Silvester gibt und der pro Kilo 8,50 Euro kostet, traut sie sich aber noch nicht ran. „Ich habe einfach keine Ahnung, was ich damit machen soll.“ Dabei ist das gar nicht so schwer, sagt Berners Lebensgefährtin Diana Marzahn. Beim Garen im Ofen gehe das Fett aus dem Karpfen, weshalb er nicht so weich werde und bissfest bleibe (s. Kasten).

Ein echter Familienbetrieb

Diana Marzahn hilft derzeit gelegentlich beim Verkauf oder macht Fischplatten auf Bestellung für Feiern, kümmert sich aber vor allem um den zweijährigen Sohn Otto – der bei der Geburt Werders offiziell 25.000. Einwohner war. Nachdem der Vater Wolfgang vor Jahren einen Schlaganfall hatte, muss Nick allein Räuchern und auf die Havel fahren, um Stellnetze und Reusen zu kontrollieren. Der Vater helfe allerdings noch aus, wo er kann. „Wir sind noch ein echter Familienbetrieb“, so Berner.

Das hat auch Nachteile: So ist der Verkauf an sieben Tagen die Woche geöffnet. Einige Kunden kennt Berner vom Golfclub, wo er früher gern selbst eingeputtet hat. Seit der Geburt des Sohnes sei das zeitlich aber nicht mehr möglich gewesen. „Im vergangenen Februar haben wir zum ersten Mal seit Firmengründung 1991 den Hof geschlossen und sind in Urlaub gefahren, das werden wir in diesem Jahr wieder machen.“ Vorher hat Nick Berner aber noch einiges zu tun: Nach dem Silvestergeschäft geht es schon ans Vorbereiten der Grünen Woche Ende Januar in Berlin, wo er zwei Tage den von der Stadt Werder gemieteten Gemeinschaftsstand mehrerer Erzeuger betreut. Auch sonst ist Berner lokal vernetzt, bietet zu seinem Fisch etwa Obstwein von Familie Leo aus dem Hohen Weg an. Mit Nachbarfischern wie dem Phöbener Burkhard Freidank tausche er Fang aus, es herrsche eher ein Miteinander anstatt Konkurrenz.

Die Hoffnung ist da, dass die Berners auch in dritter Generation die Tradition der Werderaner Fischer aufrechterhalten werden. Der zweijährige Otto sei zumindest schon begeistert beim Reusen kontrollieren dabei gewesen, „und Fisch schmeckt ihm auch schon richtig gut“, sagt Diana Marzahn.

» Phöbener Chaussee 5a, Werder (Havel), Geöffnet am 29. und 30. Dezember 2018 von 8 bis 18 Uhr, Silvester von 8 bis 14 Uhr.