Von Josef Drabek : „Vorbildlicher sozialistischer Betrieb“

In Caputh gründete sich einst die erste Gärtnergenossenschaft der DDR

Josef Drabek

Schwielowsee - Seit Jahren liegt die Gewächshausbrache am Schmerberger Weg brach, jetzt soll sie mit Handel und Wohnen zum neuen Ortsteil ausgebaut werden. Auf dem zukunftsträchtigen Caputher Areal wurde DDR-Geschichte geschrieben: Die Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft (GPG) Havelobst war hier 1957 die erste ihrer Art und entwickelte sich – trotz vieler Probleme – bis 1990 recht gut. Der Obstbau hatte in Caputh eine lange Tradition, in den 30er Jahren wurden hier 150 Obstzüchter gezählt. Nach dem Krieg erhielten viele Einwohner Bodenreformland aus dem Besitz des Herrn von Willich, auch das betreffende Gelände zwischen Asternweg, Am Caputher See und Schmerberger Weg.

Mitte der 50er Jahre waren im Ort 331 Obst- und Gartenbaubetriebe mit 350 Hektar Land registriert. Am 17. Oktober 1957 gründeten sieben von ihnen die GPG Havelobst – noch bevor der Ministerrat ein Musterstatut beschlossen hatte. Die „werktätigen Gärtner“ brachten ihr Land ein, um gemeinsam zu produzieren. Im Gründungsprotokoll heißt es: „Die Mitglieder stellen sich die Aufgabe, einen vorbildlichen sozialistischen Betrieb aufzubauen und ihre ganze Kraft für die schnelle Entwicklung der Produktion einzusetzen.“

Im Ort wurde für neue Mitglieder agitiert, besonders ältere Obstzüchter verweigerten den Beitritt. Viele waren skeptisch. So schrieb die Caputher Chronistin Inge Dallorso, deren Eltern Obstbauern waren, über die ersten GPG-Mitglieder: „Sie waren keine Obstfachleute ... Wie sollte das ohne Erfahrungen im Obst- und Gemüsebau funktionieren?“ Walter Krüger, späterer Brigadeleiter, erinnerte sich: „Für mich war es damals nicht so leicht, als selbständiger Gärtnereibesitzer den Weg vom Ich zum Wir zu gehen.“ Als werbewirksam erwies sich, dass die GPG die Kosten für Wasser, Strom und Gas übernahm, eine geregelte Arbeitszeit sicherte und Ferienaufenthalte ermöglichte.

Die Genossenschaft begann mit acht Hektar Ödland. Um Startkapital zu erwirtschaften, wurden 1959 rund 5000 Enten und Hühner gehalten. Im gleichen Jahr erhöhte sich die Mitgliederzahl auf 16, die genossenschaftliche Fläche auf 20 Hektar. Es entstanden Bewässerungsanlagen, drei Glashäuser und 800 Quadratmeter Frühbeetkästen. Nachdem bis 1961 die Mitgliederzahl auf 61 gestiegen war, erfolgte 1968 die Fusion mit der 1958 gegründeten GPG Aufstieg Geltow zur „GPG Aufstieg Geltow-Caputh“. Sie produzierte Ende der 80er Jahre auf einer Fläche von fünf Hektar unter Glas und Folie vor allem Gurken, Tomaten, Salat und Petersilie, Edelnelken und Rosen. 1976 bildete sie mit GPGen und Volkseigenen Gütern in Alttöplitz, Derwitz, Potsdam und Werder sowie der Absatzorganisation „Potsdamer Blumen“ die Zwischenbetriebliche Einrichtung „ZBE Gewächshauswirtschaft Werder“, ab 1985 LPG, die bis zu 30 Geschäfte belieferte.

Während der GPG-Jahre änderte sich auch manche Flächennutzung: Auf dem Gelände der Geflügelzucht am Schmerberger Weg wurde ein Urlauberobjekt errichtet. Die Apfelplantage an der Michendorfer Chaussee wurde Fußballplatz. Am Schmerberger und Spitzbubenweg entstanden Bungalows, auf Bodenreformland am Weinberg und Mühlenfeld Eigenheime. Zur Wende waren im Betriebsteil Caputh 45 Leute beschäftigt – 12 davon als Heizer! Nicht zuletzt wegen des maroden Heizhauses reifte 1990 der Entschluss, die Produktion einzustellen. Am 1. August 1990 schloss Betriebsteilleiter Horst Silbernagel das Areal zu. Die Treuhand übernahm das Bodenreformland. Die Potsdamer Blumen e.G. in Geltow hat als früherer Partner die Wende überstanden.