Von Hagen Ludwig : „Traum vom Drehkreuz nicht aufgegeben“

Bürgerinitiativen im Potsdamer Umland kritisieren SPD-Vorschläge zu den Flugrouten

Hagen Ludwig

Potsdam-Mittelmark - Die jüngsten Vorschläge der brandenburgischen SPD zur Gestaltung der BBI-Flugrouten sind bei den Bürgerinitiativen des Potsdamer Umlands auf Kritik gestoßen. „Es ist nicht ein einziger Vorschlag enthalten, der den Wünschen des Flughafenbetreibers und der Airlines irgendwelche Beschränkungen auferlegt“, erklärte der Sprecher der Initiative „Fluglärmfreie Havelseen“, Peter Kreilinger, gestern. Matthias Schubert von der Kleinmachnower Initiative „Weg mit Flugrouten“, sagte gegenüber den PNN, die SPD sei mit „absolut unzureichenden Lösungsvorschlägen zu kurz gesprungen“.

Wie berichtet, hatte der SPD-Landesvorstand Anfang der Woche einen Beschluss vorgestellt, in dem auf ein generelles Nachtflugverbot von 0 bis 5 Uhr gedrungen wird. Zudem soll die rot-rote Landesregierung für die künftige Nordbahn des Flughafens ein generelles Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr prüfen. Ein Vorschlag, den auch Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) gestern im PNN-Interview als sinnvoll bezeichnete. Zudem heißt es in dem SPD-Papier, auf unabhängige Parallelstarts sei „weitgehend zu verzichten. Denkbar wäre eine Reduzierung auf die Stoßzeiten am Morgen und am Nachmittag, so Platzeck.

Laut Kreilinger würden die Vorschläge belegen, „dass der Traum vom großen Drehkreuz nicht im Mindesten aufgegeben wurde“. Die Aussagen zum Nachtflugverbot bezeichnete er als Augenwischerei. „Das Bundesverwaltungsgericht hat längst ein strenges Nachtflugverbot von 0 bis 5 Uhr festgelegt. Es spielt keine Rolle, ob die SPD jetzt dafür ist.“ Hilfreich wäre allein ein generelles Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr. Auch der Vorschlag, ein solches Nachtflugverbot nur für die Nordbahn einzuführen sei für sich gesehen wertlos. „Schönefeld hat bekanntlich bislang nur eine Start- bzw. Landebahn. Wer sich ansieht, wie An- und Abflüge heute verlaufen, erkennt, dass zum Beispiel nordwestlich von den Havelseen über Potsdam und Stahnsdorf/Teltow/Kleinmachnow alle betroffen sind“, so Kreilinger. Zumindest müsste verbindlich zugesichert werden, dass für den nächtlichen Betrieb der Südbahn ausschließlich die tagsüber für die Südbahn gültigen Routen genutzt und diese innerhalb des Berliner Autobahnringes auch nicht verlassen werden. Ein echtes Nachtflugverbot für beide Bahnen sei jedoch zwingendes Gebot der Solidarität mit allen Betroffenen, auch denen entlang der Südbahn-Routen.

Kleinmachnows Initiativen-Sprecher Schubert kritisiert, dass die Flugzeuge laut den SPD-Vorschlägen in Spitzenzeiten auch weiterhin über die Region Teltow abknicken sollen. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Route dann auch ohne Einschränkungen geflogen wird“, so Schubert. Auch dem Stahnsdorfer Initiativen-Sprecher Matthias Piszinski gehen die SPD-Vorschläge nicht weit genug. Immerhin hält er sie für einen „Schritt in die richtige Richtung“. Sie seien ein Zeichen, dass sich etwas bewegt. Einmütig ist die Ablehnung des von der SPD vorgeschlagenen „Wiener Modells“ einer dauerhaften Abgabe des Flughafens pro Passagier als Ausgleich an die Anrainerkommunen. Die Grundinteressen der Bevölkerung seien nicht käuflich, hieß es.

Am kommenden Montag trifft sich die Fluglärmkommission zu ihrer nächsten Sitzung. Erwartet wird, dass die Deutsche Flugsicherung (DFS) erste Bewertungen zu der Vielzahl eingereichter Anträge trifft. Dazu zählt auch der Antrag der Bürgerinitiative „Fluglärmfreie Havelseen“. Darin wird eine Führung der An- und Abflugrouten ausschließlich außerhalb des Berliner Autobahnrings für den Bereich westlich von Ludwigsfelde vorgeschlagen. Am Nachmittag wird es eine Informationsveranstaltung für Bürger und Medien geben, an der auch Vertreter der DFS teilnehmen. Sie beginnt um 14 Uhr im Schönefelder Airportworld-Gebäude.