Von Hagen Ludwig : Fluglärm-Horror oder Entwarnung

Zwei Anflugvarianten über Werder und die Havelseen. Entscheidung in den nächsten Tagen

Hagen Ludwig

Potsdam-Mittelmark - Fluglärm-Horror oder Entwarnung für die Havelsee-Region: „Dazwischen gibt es für uns nichts“, sagte Bürgerinitiativen-Sprecher Peter Kreilinger gestern gegenüber den PNN. Wie berichtet, könnte die Region künftig besonders vom Lärm der Flugzeuge im Anflug auf Schönefeld betroffen sein. Am Montag legte die Deutsche Flugsicherung (DFS) bereits mehrere Varianten für die Routen der landenden Maschinen vor. Sie sollen in den nächsten Tagen geprüft und auf der nächsten Sitzung der Fluglärmkommission am 11. April behandelt werden.

Für den Anflug auf die Schönefelder Nordbahn bei Ostwind habe die DFS zwei Korridor-Varianten vorgelegt, so Kreilinger. Die erste Variante entspreche vollständig den Vorschlägen der Bürgerinitiative und der Kommunen der Havelsee-Region. Demnach würde der Anflug-Korridor westlich von Ketzin beginnen und außerhalb des Berliner Rings bis westlich von Fichtenwalde führen. Zum Startbahn-Anflug würden die Maschinen noch rechtzeitig vor Bad Belzig drehen. „Ein wichtiges Ziel wäre erreicht, Potsdam, Werder und die Havelsee-Region sowie andere dicht besiedelte Gebiet blieben vom Fluglärm landender Maschinen verschont“, erklärte Kreilinger. Dies würde auch dem vom Landkreis Potsdam-Mittelmark in der Fluglärmkommission eingebrachten Vorschlag entsprechen.

Der Initiativensprecher befürchtet jedoch, dass die für den Flugbetrieb verantwortlichen Mitarbeiter der DFS eine zweite Anflugvariante bevorzugen. Sie würde zentral über Werder (Havel) sowie zwischen Geltow und Caputh quer über den Schwielowsee führen. Im Bereich über Michendorf und Fichtenwalde müssten die Maschinen dann Richtung Airporzum Flugplatz drehen. „Damit wären alle in unserer Initiative ,Kein Fluglärm über den Havelseen’ vereinigten Ortsteile betroffen, so Kreilinger. Jetzt gelte es, „Druck auf allen Kanälen aufzubauen, um diese Variante zu verhindern“.

Obwohl die Havelsee-Kommunen weiterhin keinen Sitz in der Fluglärmkommission haben, hatte sich Werders Bürgermeister Werner Große (CDU) zur Sitzung am Montag vor Ort in Schönefeld informiert. Er befürchtet, dass im schlimmsten Fall bei Ostwind bis zu 250 Flugzeuge täglich in nur 1000 Meter über Werder hinweg den Airport Schönefeld anfliegen könnten – direkt über die Havel, Werders neue Blütentherme und die historische Inselstadt. Diese Gefahr sei noch nicht gebannt, sagte er den PNN. Der Leiter der Berliner DFS-Niederlassung, Hans Niebergall, habe ihm auf Anfrage jedoch zugesichert, dass auch bei Anflügen noch Verbesserungen möglich seien. Unterstützt werden die Havelsee-Gemeinden von den den anderen Mitgliedern des Bündnisses Berlin-Brandenburg gegen Fluglärm (PNN berichteten).

Allerdings sollen die von der DFS vorgestellten Korridore nur in der Hauptverkehrszeit genutzt werden, um anfliegende Flugzeuge zu staffeln. In verkehrsärmeren Zeiten könnten die Piloten ohne Umwege in Richtung Landebahnen fliegen – auch über den Südwesten Berlins und Teltow. Um auch dies zu verhindern, schlägt der Landkreis Potsdam-Mittelmark ein obligatorischer Überflugpunkt am Autobahndreieck Werder vor.

Die Fluglärmkommission umfasst mittlerweile 38 Mitglieder. Erstmals dabei waren am Montag die neu aufgenommenen Gemeinden Hoppegarten, Schöneiche und Woltersdorf. Ihre Aufnahme sei zu begrüßen, sagte Kreilinger gestern. „Dass jedoch im gleichen Atemzug den vier stark gefährdeten Havelsee-Gemeinden der Zutritt versperrt wird, ist vollkommen unverständlich.“