Von Berlin nach Potsdam : Entscheidung zur Stammbahn noch 2019

Bei einer Diskussion über den Wiederaufbau der Stammbahn zwischen Berlin und Potsdam sind sich die Teilnehmer sicher: Noch 2019 wird klar sein, in welcher Form das passieren wird.

Der einstige Bahnsteig, an dem die Stammbahn-Züge abfuhren, ist vom S-Bahnsteig in Zehlendorf aus noch gut zu sehen.
Der einstige Bahnsteig, an dem die Stammbahn-Züge abfuhren, ist vom S-Bahnsteig in Zehlendorf aus noch gut zu sehen.Foto: Thilo Rückeis

Kleinmachnow - Eine Entscheidung, in welcher Form die Stammbahn von Berlin nach Potsdam wiederaufgebaut werden soll, könnte Ende dieses Jahres fallen. Davon gehen Berlins Bahnchef Alexander Kaczmarek und Hans Leister vom Fahrgastverband Pro Bahn aus, wie beide am Donnerstagabend auf einer Diskussion der Bürgerinitiative Stammbahn im mit etwa 150 Menschen voll besetzten kleinen Saal der Kleinmachnower Kammerspiele sagten. „Vor der Landtagswahl im September wird es wohl keine Entscheidung mehr geben. Zum Ende des Jahres könnte die Variantenuntersuchung aber abgeschlossen sein“, so Kaczmarek.

S-Bahn oder Regionalbahn auf der Stammbahnstrecke?

Wie berichtet wird im Rahmen des Infrastrukturprojektes i2030 seit Jahren untersucht, ob auf der Stammbahnstrecke zwischen Zehlendorf, Kleinmachnow und Potsdam künftig S-Bahnen fahren sollen, ob die Stammbahn als Regionalbahnstrecke zwischen dem Potsdamer Platz, Kleinmachnow und Potsdam wieder aufgebaut werden soll oder ob Regionalbahnen auf der Stammbahnstrecke bis Zehlendorf rollen sollen, um von dort auf einem bestehenden Gleis über Wannsee nach Potsdam zu fahren.

Kaczmarek, Leister und Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) präferierten eindeutig den Aufbau der kompletten Strecke als Regionalbahn. „Ich kenne keine Fraktion, die für eine S-Bahn kämpft. Die Lösung kann nur die Regionalbahn sein“, sagte Leister, der früher Bahnchef von Brandenburg war. „Alle, die ich im Brandenburger Landtag kenne, denken in diese Richtung.“ Auch ist das erklärte Ziel der Bundespolitik, den Personenverkehr auf der Schiene bis zum Jahr 2030 zu verdoppeln, Hans Leister zufolge nur mit dem Wiederaufbau der Stammbahn als Regionalbahnstrecke zu schaffen. Nur so könnten zusätzliche Züge direkt von Golm oder Werder (Havel) in die Berliner Innenstadt geführt werden.

S-Bahn wäre billigste Lösung

Kostenschätzungen für die verschiedenen Varianten gibt es noch nicht. Ein Wiederaufbau der Stammbahn als S-Bahn wäre die billigste Lösung, da nur zwischen Zehlendorf und Griebnitzsee neue Gleise verlegt werden müssten. Alexander Kaczmarek zufolge ist aber trotz der fortgeschrittenen Planung noch nicht klar, ob das überhaupt möglich ist: Vor dem Bahnhof Griebnitzsee müssten die neuen Gleise nicht nur den Teltowkanal und eine Straße, sondern auch die bestehende Regionalbahnstrecke überqueren, um dann auf sehr beengtem Raum an die bestehende S-Bahnstrecke anzuschließen. „Es ist noch offen, ob das überhaupt funktioniert“, so der Berliner Bahnchef.

Diskussion zur Stammbahn: Die Kammerspiele in Kleinmachnow waren bis auf den letzten Platz gefüllt.
Diskussion zur Stammbahn: Die Kammerspiele in Kleinmachnow waren bis auf den letzten Platz gefüllt.Foto: E. Bellin

Sollte die Stammbahn als Regionalbahnstrecke wieder entstehen, ist aber noch unklar, ob es möglich ist, Züge von Michendorf und Rehbrücke aus über die neue Strecke zu schicken. Wie Kaczmarek auf PNN-Anfrage erklärte, werde eine Anbindung von dort zwar mit untersucht. „Es muss aber finanzierbar bleiben, den Mehrkosten muss ein Mehrwert gegenüberstehen.“ Die aus Michendorf kommenden Gleise liegen am Bahnhof Griebnitzsee in einem tiefen Trog zwischen dem Hasso-Plattner-Institut und der Bernhard-Beyer-Straße. Von dort eine Anbindung an die Stammbahn zu ermöglichen, wäre nur mit teuren Rampen und Brücken möglich.

Bahnchef glaubt, dass in zwölf Jahren die Stammbahn wieder befahren wird

Trotz dieser offenen Fragen glaubt der Berliner Bahnchef, dass in zwölf Jahren Züge über die Stammbahnstrecke fahren könnten, auch wenn er sich zum restlichen Zeitplan nicht festlegen wollte. „Ich will die Eröffnungsfahrt noch in meiner aktiven Dienstzeit erleben, in zwölf Jahren gehe ich in Rente.“

Bürgermeister Grubert hofft, den ersten Spatenstich noch innerhalb seiner Amtszeit zu erleben, die im Jahr 2025 endet. Kleinmachnow brauche die in den bisherigen Planungen vorgesehenen beiden Bahnhöfe am Adam-Kuckhoff-Platz nördlich der Kammerspiele und im Europarc Dreilinden. „Dort arbeiten jetzt bereits 4000 Menschen, in zwei Jahren werden es 6000 Menschen sein“, so Grubert. Hans Leister zufolge sei dies zudem der perfekte Ort für einen Pendlerparkplatz direkt an der A115. „Der würde dort niemanden stören.“ Zwischen den Auffahrten Kleinmachnow und Zehlendorf sind auf der Autobahn derzeit täglich 65 000 Autos unterwegs.

Auch BUND für den Wiederaufbau

Obwohl die Stammbahn durch zwei Landschaftsschutzgebiete führt, ist auch die Naturschutzorganisation BUND für den Wiederaufbau, wie deren Brandenburger Geschäftsführer Axel Kruschat verdeutlichte. „Natürlich gibt es Eingriffe in die Natur. Verkehrstechnisch macht die Stammbahn aber absolut Sinn.“ Der Ausbau des Nahverkehrs müsse vorangetrieben werden, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. „Nur Diesel- und Benzinautos gegen Elektromodelle umzutauschen, wird zu keinem großen Effekt führen“, so Kruschat. In den nächsten 30 Jahren müsse man sich von privaten Autos verabschieden.

Der Stammbahnbau biete zudem Chancen für die Natur: Als Ausgleichsmaßnahme für die Eingriffe beim Streckenbau könnten auf Berliner Gebiet entwässerte Moorflächen renaturiert werden.