Potsdam-Mittelmark : Volltanken für drei Euro

Zapfstelle für Elektroautos in Teltow eingeweiht

Kirsten Graulich
Noch umweltfreundlicher als E 10: Strom aus der Steckdose bei Köhns.
Noch umweltfreundlicher als E 10: Strom aus der Steckdose bei Köhns.Foto: K. Graulich

Teltow – Die Region Teltow ist auf der Sonnenseite – zumindest in Sachen Elektromobilität. Denn Autofahrer, die auf Strom statt Sprit setzen, finden hier mittlerweile vier Lademöglichkeiten für ihre E-Mobile. Neben der Elektro-Zapfstelle am Rathaus Kleinmachnow gehören zum regionalen E-Tankstellennetz noch drei weitere Zapfstellen in Kleinmachnow und Stahnsdorf, die allerdings von Privatpersonen bereitgestellt werden. Die jüngste „E-Tanke“ wurde am Samstag in der Rudolf-Breitscheid-Straße eingeweiht. „Laden bis die Sicherung fliegt“ hieß das Motto der kleinen Einweihungsparty, zu der Wolfgang Köhn, Stadtverordneter von Bündnis90/Grüne, auf sein Privatgrundstück eingeladen hatte.

Drei Autos nutzten den neuen Ladehalt und stöpselten sich per Kabel an die „Drehstromkiste“. Eine halbe Stunde später allerdings roch es brenzlig aus dem Keller. Da war die Sicherung zum ersten Mal rausgeflogen. „Kein Grund zur Panik“, meinte Köhn. Die auf eine Größenordnung von 24 Kilowatt ausgelegte Drehstromtankstelle hatte zwar ein örtlicher Handwerksbetrieb installiert, aber die Phasen wohl zu gering bemessen, vermutete er. So musste die Ladung für die Fahrzeuge erst einmal minimiert werden. Schon um die Anlage zu optimieren, sei der Test gut, befand Köhn, der einen großen Teil der Energie aus der hauseigenen Photovoltaikanlage einspeist.

Seit er sich im Frühjahr ein Elektromobil Marke „City-Stromer“ zulegt hatte, habe er den Gedanken gehegt, sich am „Drehstromnetz“ zu beteiligen, so Köhn. Diese Privatinitiative stellt leistungsstarke Stromanschlüsse bereit, die jedes Mitglied nutzen kann. Das Konzept beruhe auf Gegenseitigkeit, sei also nicht auf Gewinn orientiert, betont Köhn. So könne jeder die Ladehalte für seine Fahrziele benutzen. Ein dichtes Netz gebe es bereits in den alten Bundesländern, in den neuen dagegen noch viele weiße Flecken. So sei es vorerst nicht möglich, mit dem Elektroauto an die Ostsee zu fahren, weil Mecklenburg-Vorpommern noch keine Zapfstelle habe. Das Netzwerk versuche derzeit, einen Gastronomen zu überzeugen. Ihr Argument: Während der Ladezeiten könnten Elektrofahrer bei ihm einkehren.

In Großstädten wie Berlin bieten große Stromkonzerne an attraktiven Einkaufsstraßen diesen Service an. Vorteil: Für zwei bis drei Euro Tankkosten hat man einen Parkplatz inklusive. Trotzdem sind Elektroautos noch immer Exoten, obwohl sie mit vier Euro pro 100 Kilometer mehr als nur „konkurrenzfähig“ sind. Die teuren Anschaffungskosten würden abschrecken, meint Köhn, obwohl es auch günstige Gebrauchtwagen gebe.

Viel bewundert wurde bei der Einweihungsparty ein „Tesla Roadster“. Der elegante Sportwagen beweist, dass E-Autos nicht langweilig sein müssen, sondern auch Fahrspaß bieten – und das mit Umweltwerten von Null-Emission und einer Akku-Ladung, die für rund 300 Kilometer reicht. Der Roadster gilt bereits als Pionier der Elektromobilität. Auch die Drehstromkisten-Aktivisten der Region sehen sich als Pioniere. „Denn wir haben hier 400 Prozent mehr Ladestationen als Potsdam“, stellte der Kleinmachnower Julian Affeldt klar. Die Landeshauptstadt habe in Sachen Elektromobilität noch Nachholbedarf. Kirsten Graulich

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