• Verkehr in Kleinmachnow und Potsdam-Mittelmark: Angst vor Autofahrern? Diskussion von Inforadio

Verkehr in Potsdam Mittelmark : Angst vor Autofahrern?

Das Autofahren soll teurer werden, der Nahverkehr besser und die Radwege ausgebaut werden. Was die Teilnehmer beim Inforadio Forum in Kleinmachnow diskutierten.

Enrico Bellin
Inforadio Forum Kleinmachnow Oliver Schwedes, Kathrin Schneider, Harald Asel, Alexander Kaczmarek, Peter Weis (v.l.)
Inforadio Forum Kleinmachnow Oliver Schwedes, Kathrin Schneider, Harald Asel, Alexander Kaczmarek, Peter Weis (v.l.)Enrico Bellin

Kleinmachnow - Muss Autofahren deutlich teurer werden, damit der Verkehr in Städten zukünftig noch flüssig läuft? Das ist die These, die der Fachgebietsleiter für Verkehrsplanung der Technischen Universität Berlin, Oliver Schwedes, am Donnerstagabend bei der Aufzeichnung des Inforadio Forums im Kleinmachnower Rathaussaal vertrat. „Es reicht nicht, den Nahverkehr attraktiver zu machen. Der Individualverkehr muss auch unattraktiver werden“, so Schwedes. In der von Harald Asel moderierten Diskussion unter dem Motto „Total verpendelt“ ging es um mögliche Lösungen für Verkehrsprobleme, mit auf dem Podium saßen Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD), Berlins Bahnchef Alexander Kaczmarek und Peter Weis von der Lokalen Agenda 21. 

Berlin und Brandenburg sollten gemeinsam planen

Politiker haben Schwedes zufolge noch immer Angst vor Autofahrern, die auf die Straße gehen, wenn in Städten etwa flächendeckend Parkplätze gebührenpflichtig würden. „Mit einer anderen Verkehrspolitik kann man inzwischen aber auch Wahlen gewinnen.“ Zudem müsse die Politik gemeinsam handeln. So sei es etwa ein Fehler, dass Brandenburg seine Mobilitätsstrategie 2030 ohne Berlin plane.
Verkehrsministerin Schneider verwies hingegen auf die gemeinsame Planung mit Berlin zum Infrastrukturausbau, die derzeit voranschreite. Darin enthalten sind unter anderem der Wiederaufbau der Stammbahn vom Potsdamer Platz über Kleinmachnow nach Potsdam und die S-Bahn-Verlängerung von Teltow nach Stahnsdorf, für die Projekte warb auch Alexander Kaczmarek. Ziel ist es Schneider zufolge, dass künftig mehr als die Hälfte der Menschen statt mit dem Auto mit Bahn, Bus, Rad oder zu Fuß unterwegs sind. 

Radschnellweg nach Potsdam noch möglich

Dabei ist es Schneider zufolge schade, wenn etwa der Bau eines Radschnellweges von Potsdam über Stahnsdorf nach Teltow daran scheitert, dass Stahnsdorf sich nicht finanziell an Planung und Bau beteiligen will. „Wir haben das Projekt noch nicht aufgegeben“, so Schneider. In dieser Förderperiode werde es aber sicher nicht mehr realisiert.

„Das Land nimmt bei Radschnellwegen seine Verantwortung nicht wahr“, konterte hingegen Peter Weis. Es sei verständlich, dass Stahnsdorf keine 1,8 Millionen Euro zahlen wolle, von denen ein Großteil auf die Anwohner umgelegt werden müsste. Die Planung von Schnellradwegen müsse statt von Kommunen vom Land ausgehen. So handhabt das in Deutschland bisher nur Nordrhein-Westfalen, wo erste Abschnitte eines 100 Kilometer langen Radschnellweges von Hamm nach Duisburg schon in Betrieb sind und ein ausgedehntes Netz entstehen soll.

Der Radschnellweg von Hamm nach Duisburg ist 101 Kilometer lang, aber noch nicht überall fertig.
Der Radschnellweg von Hamm nach Duisburg ist 101 Kilometer lang, aber noch nicht überall fertig.dpa


Auch beim Bussystem muss sich das Land Weis zufolge stärker engagieren: Zu viele Linien enden an Landkreisgrenzen, die Kreise sind für Busse zuständig. „Es fehlt etwa eine Linie aus dem Fläming zum ICE-Bahnhof nach Lutherstadt Wittenberg.“ Dort fahren stündlich Schnellzüge nach Leipzig/Halle und München ab, eine direkte Anbindung des Flämings würde die Region attraktivieren. 
Das Forum im Inforadio wird am 2. September um 11.05 Uhr und 20.05 Uhr leicht gekürzt ausgestrahlt und ist in den Mediatheken von ARD und rbb abrufbar