Verkehr in Potsdam-Mittelmark : Ärger mit dem Schleichverkehr in Stahnsdorf

Im Winter die Schlaglöcher, im Sommer der Staub: Anwohner des Stahnsdorfer Striewitzwegs fordern Rathaus und Polizei zum Handeln auf.

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SymbolbildFoto: Franziska Kraufmann/dpa

Stahnsdorf - Anwohner des Stahnsdorfer Striewitzwegs ärgern sich über den zunehmenden Durchgangsverkehr. Seitdem die Ruhlsdorfer Straße saniert wird und deshalb nur einspurig in eine Fahrtrichtung befahrbar ist, nimmt der Verkehr auf den unbefestigten Straßen in ihrem Wohngebiet deutlich zu.

Passierten zuvor nur Anwohner die Straße in Stahnsdorf, seien es derzeit bis zu 130 Fahrzeuge pro Tag, erzählt Patricia von Klewitz, die seit vier Jahren in Stahnsdorf lebt. „Die Situation ist unerträglich geworden.“ Zu den Stoßzeiten, morgens und nachmittags ab 16 Uhr, sei es besonders schlimm. Das Schild mit Tempo 30 übersähen viele, „nachts brettern sie hier durch“, klagt von Klewitz.

Genervte Nachbarn

Neben ihr steht ein weiterer Nachbar, auch er ist – wie viele andere im Wohngebiet – genervt von dem seit Monaten andauernden Schleichverkehr. Besonders ärgerlich sei, erzählt Andreas Effert, dass die Autofahrer entgegen der Vorschrift ab der Straße Quermathe für einige hundert Meter entgegen der Einbahnstraße in der Ruhlsdorfer Straße fahren, um dann über das Wohngebiet ihren Weg nach Potsdam oder Kleinmachnow fortzusetzen (siehe Grafik). Effert fordert mehr Polizeikontrollen, eine bessere Absperrung und mehr Einsatz vom Stahnsdorfer Rathaus.

Doch dort bittet man die Anwohner vor allem um Geduld. Stahnsdorf ist gerade voller Baustellen, neben den Arbeiten an der Potsdamer Allee wird parallel die Ruhlsdorfer Straße saniert. Dazu kommt, dass die Vorbereitungen für den Bau der Biomalzspange laufen, einer neuen Verbindungsstraße zwischen dem Teltower und dem Stahnsdorfer Gewerbegebiet, mit dem der Verkehr aus dem Ort herausgehalten werden soll.

Die Bauarbeiten an der Ruhlsdorfer Straße, die als „L77 neu“ komplett erneuert wird, um an die L40 angebunden zu werden, hatten auch bei Stahnsdorfer Gewerbetreibenden für großen Protest gesorgt (PNN berichteten). Es sei vorhersehbar gewesen, dass bei der Sperrung des Verkehrs in Richtung Stahnsdorfer Hof über die Tellstraße und den Striewitzweg abgekürzt werde, heißt es auf Anfrage aus der Verwaltung. „Ursprünglich war die Sperrung aus Richtung Teltow durch den Landesbetrieb Straßenwesen ab Mühlenstraße vorgesehen“, erklärt Gemeindesprecher Stephan Reitzig. Und deutet damit an, dass dann noch mehr Verkehr durch das Wohnviertel gerollt wäre. Auf Bitten der Gemeinde sei die Sperrung an den aktuellen Standort, auf Höhe Quermathe, verlegt worden, „um Ausweichverkehre zu vermeiden“.

Gemeinde bittet um Geduld

Reitzig verweist dabei auf die Polizei, die vor Ort kontrollieren müsse, ob Autofahrer entgegen der Einbahnstraße fahren. Für Tempoverstöße indes sei die Untere Verkehrsbehörde zuständig. Die Gemeinde könne die Anwohner nur um Geduld bitten, „Biomalzspange und L77n sollen zu Ende 2019 in Betrieb gehen, dann folgt eine erhebliche Entlastung“, heißt es aus dem Rathaus.

Doch noch ein Jahr warten, das wollen viele Anwohner nicht. „Ärgerlich ist, dass die Verwaltung es auf die Polizei schiebt und die Polizei keine Kapazitäten hat“, klagt von Klewitz. Oft werde ihr von vorbeifahrenden Autofahrern „der Vogel gezeigt“, wenn sie an das Tempolimit erinnere. Vor Kurzem landete eine Nachbarin mit ihrem Rad im Straßengraben, abgedrängt von einem vorbeifahrenden Auto.

Auch der Polizei ist das Problem bekannt

Um die Schlaglöcher und den aufgewirbelten Staub zu vermeiden, fordern manche Nachbarn eine einfache Betonierung der Straßendecke. Doch das Rathaus macht dabei nicht mit: Das würde „erhebliche Kosten“ mit sich bringen, so der Gemeindesprecher – und dazu führen, dass Autofahrer noch schneller fahren.

Auch die Polizei ist sich mittlerweile des Problems bewusst: „Die Baustellensituation in Stahnsdorf ist uns bekannt“, so Polizeisprecherin Juliane Mutschischk. Die Beamten wüssten auch, dass es in der Ruhlsdorfer Straße „zum Teil zu Verstößen kommt“. Man führe bereits Kontrollen durch und werde das weiterhin tun, betonte Mutschischk. Fahrern, die eine Einbahnstraße falsch befahren, drohen 25 Euro Bußgeld.