Verkehr in Potsdam-Mittelmark : Ab Juni auf vier Fahrspuren über die A10

Noch fließt der Verkehr nur auf drei von vier Fahrspuren, das soll sich im Sommer ändern. Die Geschwindigkeit bei Michendorf bleibt aber bis Jahresende auf 120 Stundenkilometer begrenzt.

Der Asphalt ist zwischen den Autobahndreiecken bereits verlegt. 
Der Asphalt ist zwischen den Autobahndreiecken bereits verlegt. Foto: Enrico Bellin

Michendorf - Der Ausbau der A 10 bei Michendorf ist nach vier Jahren fast abgeschlossen. Die Fahrbahnen sind fertig, noch fließt der Verkehr aber nur auf drei von vier Fahrspuren. Das soll noch bis Juni andauern: „Wir werden in der Woche vom 20. Mai mit den eigentlichen Bauleistungen fertig werden“, sagt Projektleiter Holger Behrmann von der bundeseigenen Planungsgesellschaft Deges am Montag den PNN. Allerdings brauche man anschließend noch etwa 14 Tage, um entstandene Schäden wie von Lastwagen touchierte Leitplanken in der derzeitigen Baustelle auszubessern. Dafür muss kurzzeitig eine Fahrspur pro Richtung geopfert werden. „Spätestens Ende Juni wird man dann durchgängig auf vier Spuren pro Richtung fahren können“, so Behrmann. Bis Jahresende darf auf dem neun Kilometer langen Abschnitt zwischen den Dreiecken Potsdam und Nuthetal höchstens 120 Stundenkilometer schnell gefahren werden.

Derzeit werden an Stellen, an denen der Verkehr einst von der nördlichen auf die südliche Fahrbahn geleitet wurde oder umgekehrt, noch die Überfahrten zurückgebaut und die Leitplanken aufgestellt. Auch muss noch die endgültige Fahrbahnmarkierung auf dem Asphalt angebracht werden. Auf der Raststätte Michendorf Süd wird noch eine Lärmschutzwand komplettiert, auch ein Zaun zum Wald hin fehlt noch. Die Raststätte selbst ist fertig: Dort stehen jetzt 160 Plätze für Lastwagen, zehn Plätze für Busse oder Autos mit Anhänger und 80 Autostellplätze zur Verfügung. Vor dem Umbau gab es lediglich 33 Plätze für Autos, 16 für Laster und zwei für Busse.

Projektleiter Holger Behrmann. 
Projektleiter Holger Behrmann. Foto: Enrico Bellin

Keine Verzögerungen wegen der Coronakrise

Verzögerungen durch die Coronakrise hat es im Bauablauf nicht gegeben. „Wir waren glücklicherweise schon weit fortgeschritten, als die Pandemie begann“, so der Projektleiter. Für die noch nötigen Bauarbeiten setzte die durchführende Baufirma nur noch deutsche Mitarbeiter ein, sodass die geschlossenen Grenzen nicht zu Problemen führen. Insgesamt hat das Projekt nur eine kurze Verzögerung: Eigentlich sollten im Mai alle Arbeiten fertig sein, nun müssen eben noch die während der Bauzeit entstandenen Schäden behoben werden.

Trotz der langen Bauzeit von vier Jahren und Überraschungen – so wurden unter der südlichen Fahrbahn wie berichtet Reste einer Tankstelle aus den 1930er Jahren gefunden – wird der Kostenrahmen von rund 155 Millionen Euro wohl eingehalten, sagt Behrmann. Endgültig könne man das aber erst nach der Vorlage aller Endabrechnungen sagen. Zunächst wurde mit rund 150 Millionen Euro geplant, das Land hat jedoch zusätzliche Millionen bereitgestellt, damit der Bauablauf um mehrere Monate beschleunigt werden kann.

Die Fuß- und Radwegbrücke zwischen Michendorf und Neuseddin. Die Rampen sind schon asphaltiert, auf der Brücke selbst soll der Belag bis Ende Mai fertig sein.
Die Fuß- und Radwegbrücke zwischen Michendorf und Neuseddin. Die Rampen sind schon asphaltiert, auf der Brücke selbst soll der...Foto: Enrico Bellin

Nur mit 120 Stundenkilometern

Auch wenn im Juni alle Fahrspuren wieder frei sein werden, werden sich Autofahrer noch zügeln müssen: Bis Ende des Jahres wird es Holger Behrmann zufolge noch etwa dauern, bis die Verkehrsbeeinflussungsanlage – die elektronischen Anzeigetafeln über den Fahrstreifen – einsetzbar sind. Erst dann kann die Geschwindigkeit bei geringen Verkehrsaufkommen freigegeben oder bei Stau herabgesetzt werden. Bis dahin darf man nur mit 120 Stundenkilometern fahren.

Grund für die Verzögerung sei, dass das Land und das Bundesverkehrsministerium ein neues Anzeigeformat für die Tafeln vorsehen. Derzeit befinde es sich in der Ausführungsplanung. Um zu vermeiden, dass zunächst ein System aufgebaut und nach wenigen Monaten ersetzt wird, hat man sich Behrmann zufolge auf die Zwischenlösung der festen Höchstgeschwindigkeit geeinigt.

Radfahrer müssen noch einen Monat warten

Noch etwa einen Monat müssen auch Radfahrer warten, die die A10 in Höhe der Eisenbahnbrücken überqueren wollen: Dort gab es vor Beginn der Bauarbeiten einen schmalen Übergang als kürzeste Verbindung von Michendorf nach Neuseddin. Die neue Brücke mit ihren markanten weißen Rundbögen steht auch bereits seit mehr als einem Jahr, doch auf ihr fehlt noch der Asphaltbelag. Über seine Beschaffenheit gab es zunächst Fragen bei der Baufirma. Die Rampen zur Brücke hin sind bereits asphaltiert. Der Projektleiter rechnet damit, dass auch auf der Brücke bis Ende Mai wie vertraglich vereinbart der Asphalt liegt.

Über das Vereinbarte hinaus gehen möglicherweise die Arbeiten an der Raststätte Michendorf Süd: Dort prüft das Land Behrmann zufolge derzeit, ob für Trucker ein weiteres Toilettenhäuschen errichten werden soll. Nach derzeitigen Planungen müssten sie vom entferntesten Stellplatz mehrere hundert Meter zur Raststätte laufen.


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