Vereinskultur in Kleinmachnow : Das lange Warten auf ein Museum

Vor 25 Jahren gründete sich in Kleinmachnow der Heimatverein. Erreicht hat er vieles, sein größtes Ziel aber noch nicht.

Gesichert. Der Panzer auf dem Bild ist inzwischen einer pinken Schneefräse gewichen. Auch hier mischte der Heimatverein mit und drängte darauf, dass Kleinmachnow das Grundstück per Kauf sicherte. Das Foto ist 1990 entstanden, drei Jahre vor der Gründung des Heimatvereins.
Gesichert. Der Panzer auf dem Bild ist inzwischen einer pinken Schneefräse gewichen. Auch hier mischte der Heimatverein mit und...Foto: Günter Käbelmann

Kleinmachnow - Der Kleinmachnower Ingo Saupe hatte einst eine Vision: Im alten Ortskern nahe der Dorfkirche sollte die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Alte Hakeburg wiedererstehen. Saupe schrieb an den Gemeinderat, fertigte Pläne. Beschlossen wurden sie nicht. „Die Idee wurde als unrealisierbar verworfen“, erinnert sich Axel Mueller, damals, Anfang der 1990er Jahre, Mitglied im Bauausschuss. „Wenige Jahre nach der Friedlichen Revolution hatte die Verwaltung andere Sorgen als eine Ruine wiederherzustellen“, erklärt er. Doch auch jüngere Initiativen scheiterten. Heute werden dem Projekt keine Chancen mehr eingeräumt.

Mit einer Vision fing alles an

Ingo Saupe blieb jedoch zunächst bei seiner Idee, plante zudem einen Verein, mit dem Ziel, die Geschichte in Kleinmachnow aufzuarbeiten und zu bewahren. Wenig später, am 22. September 1993, kam es denn auch dazu. Aus dem Kreis zwei Dutzend Interessierter, die in den Neuen Kammerspielen zusammengekommen waren, trugen sich 18 als Gründungsmitglieder auf ein weißes Blatt Papier ein. Der Heimatverein war aus der Taufe gehoben, der am 6. Oktober mit einem Umtrunk im Kleinmachnower Rathaus sein 25-jähriges Jubiläum begeht.

Heimatforscher Axel Mueller aus Kleinmachnow.
Heimatforscher Axel Mueller aus Kleinmachnow.Foto: privat

Zu beklatschen gibt es dabei vieles, nur das seit Jahren gewünschte Museum nicht. Das schon in der ersten Vereinssatzung benannte Ziel ist auch 25 Jahre nach der Gründung nicht erreicht. Immerhin ist es nun aber näher gerückt. Mit einer Immobilie im Jägerstieg, die Kleinmachnow nach dem Umzug der Kirchengemeinde in deren Neubau im alten Dorf übernahm, scheint nun jene „Lösung“ gefunden, die Bürgermeister Michael Grubert (SPD) den Heimatforschern bereits beim 20. Vereinsgeburtstag für das 25-jährige Jubiläum versprach.

Allein, wann der Heimatverein umziehen kann, ist weiter ungewiss. Der Bürgermeister habe in Aussicht gestellt, dass der Verein die erste Etage des früheren Gemeindezentrums temporär nutzen könne, sofern dies die Bauaufsicht erlaubt, erklärte Axel Mueller, seit 2017 Vorsitzender des Vereins. Wie berichtet muss das Haus grundlegend saniert werden. Sobald es grünes Licht gibt, wird der Heimatverein seinen Sitz von der Hohen Kiefer in den Jägerstieg verlegen, sagt er.

Heimatverein will für junge Menschen attraktiver werden

Auch wie das Museum, das ebenfalls dort seinen Platz finden soll, einmal aussehen wird, ist weiter unklar. In Kooperation mit der Museumsinitiative sei der Verein weiter dabei, ein gemeinsames Konzept zu entwickeln und die teils unterschiedlichen Sichtweisen zusammenzubringen. Das sei nicht einfach, aber notwendig, sagt Mueller. „Wir haben bisher alles gesammelt, was uns historisch relevant erschien, erklärt Mueller. Um aber gerade auch für junge Leute und zugezogene Kleinmachnower attraktiv zu sein, bräuchte es den Blick von außen, so wie ihn die Museumsinitiative hat, erklärt er.

Schon in den vergangenen beiden Jahren hatten Heimatverein und Museumsinitiative gemeinsam zwei Projektausstellungen für das Sommerfeld-Haus in der Karl-Marx-Straße entwickelt. Kultur spiele im Heimatverein aber auch generell eine große Rolle, so Mueller. Das spiegelt sich auch im neuen Namen, den sich der Verein vor einem halben Jahr gegeben hat. Als Heimat- und Kulturverein trage er nun nach außen, was sich eigentlich schon vor Jahren im Innern vollzogen hatte. 2010 hatte sich der nach der Wende aus dem Joliot-Curie-Club hervorgegangene Kultur- und Kunstverein Kleinmachnow (KKK) aufgelöst, Vermögen und Archiv aber dem Heimatverein übertragen. „Eine Empfehlung an die Mitglieder dem Heimatverein beizutreten, gab es aber nicht“, erinnert sich Mueller. So fanden sich letztlich nur zwei frühere KKK-Mitglieder beim Heimatverein ein, der heute 87 Mitglieder zählt, aktuell auch wieder wächst. Wenn auch langsam. „Wir waren auch schon über 150“, bedauert Mueller.

Ein großer Erfolg des Vereins sind seine Führungen durch die historische Hakeburg in Kleinmachnow. 
Ein großer Erfolg des Vereins sind seine Führungen durch die historische Hakeburg in Kleinmachnow. Foto: Manfred Thomas

Großes Interesse an Führung des Vereins durch die Alte Hakeburg 

Wie viele Vereine hat auch der Kleinmachnower Heimat- und Kulturverein Nachwuchssorgen. Rudi Mach, 77, gab im vergangenen Jahr den Vorsitz, den er zuvor 15 Jahre innehatte, aus Altersgründen an einen Jüngeren ab. Doch auch Axel Mueller, selbst Gründungsmitglied des Vereins, ist schon 76. Trotz der Altersstruktur ist der Verein aber weiterhin agil. Seit einem Jahr kooperiert er mit der Kreisvolkshochschule und bietet dort Vorträge an, zuletzt organisierte er in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbeauftragten im Kleinmachnower Rathaus zur Frauenwoche ein Projekt mit Ausstellung und Podiumsdiskussion. Seit zwei Jahren führt Rudi Mach zudem an zwei Sonntagen im Monat Besucher durch die Neue Hakeburg. „Das Projekt ist zum Selbstläufer geworden“, sagt er. Über 4000 Interessenten führte Mach bereits durch die Burg, davon mehr als 30 Schulklassen und Horte. „Dadurch hat sich die Bekanntheit der Immobilie auf dem Seeberg deutlich erhöht“, sagt er.

Ein neues Buch, das der Verein Ende November im Rathaus vorstellen will, könnte das Interesse an dem Objekt noch einmal steigern. 2001 hatte sich der Kleinmachnower Hubert Faensen in seinem Buch „Hightech für Hitler“ bereits intensiv mit der geheimnisumwobenen Geschichte der Burg in der NS-Zeit als auch der nahegelegenen Reichspostforschungsanstalt, heute BBIS, befasst und um die Aufarbeitung der Zeit verdient gemacht. Der Heimatverein sammelte Spenden, mit deren Hilfe das vergriffene Buch nun aktualisiert und neu aufgelegt wird. 

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