• Verbindung von Potsdam über Kleinmachnow nach Berlin: S-Bahnchef Buchner hält Stammbahn für sinnvoll

Verbindung von Potsdam über Kleinmachnow nach Berlin : S-Bahnchef Buchner hält Stammbahn für sinnvoll

Die S-Bahn zeigt Interesse an der Reaktivierung der Stammbahn - als S-Bahn-Strecke. Eine Absage gibt es dagegen für die Verbindung nach Stahnsdorf.

S-Bahnchef Peter Buchner.
S-Bahnchef Peter Buchner.Foto: Jörg Carstensen/dpa

Region Teltow - Nun also noch eine Variante: Nachdem sich bereits Ministerpräsident Dietmar Woidke und Landrat Wolfgang Blasig (beide SPD) für die Reaktivierung der Stammbahn stark gemacht hatten, meldet sich auch die S-Bahn zu Wort. Wie S-Bahnchef Peter Buchner auf PNN-Nachfrage sagte, halte er eine Wiederinbetriebnahme der Bahnverbindung von Potsdam über Kleinmachnow nach Berlin für sinnvoll – und zwar als S-Bahn-Strecke. In der Umgebung der möglichen S-Bahnstationen gebe es eine dichte Besiedelung, so Buchner. Also reichlich potenzielle Kundschaft.

Für die Stammbahn gibt es noch einen Pluspunkt: Mit dem Europarc Kleinmachnow gibt es auch noch einen Gewerbestandort im Einzugsbereich mit Tausenden Arbeitsplätzen. Für die S-Bahn hätte das den Vorteil, dass die Züge nicht nur am Morgen und am Abend mit Pendlern nach Berlin und zurück ausgelastet sind, sondern sich gleichzeitig auch Fahrgäste in der Gegenrichtung finden.

S-Bahn wäre vorteilhafter

Das würde auch für eine Regionalbahnanbindung gelten. Allerdings spräche für die S-Bahn, dass nur eine Anbindung an die bestehende Strecke der S1 in Zehlendorf nötig wäre. Für die Regionalbahn müsste fast die gesamte Strecke bis zum Potsdamer Platz gebaut werden. Dort wurde zwar in den 1990er-Jahren eine Rampe aus dem Tiergartentunnel errichte, die endet aber bisher im Nichts. Und zwischen Steglitz und Zehlendorf gibt es ein Gleis für dieselgetriebene Güterzüge. Darauf könnten auch Regionalbahnen fahren – allerdings fehlen Bahnsteige und Oberleitungen.

Bisher hatten sich die Beteiligten in der Debatte noch nicht darauf festgelegt, ob sie auf der Stammbahnstrecke Regionalzüge oder S-Bahnen fahren lassen wollen. Woidke hatte im Oktober bei einem Vor-Ort-Termin darauf hingewiesen, dass der Europarc eine bessere Verkehrsanbindung brauche, aber alle Gemeinden im Berliner Umland einen besseren Bahnanschluss fordern würden.

Das Land prüft wie berichtet in einer derzeit laufenden Korridoruntersuchung deshalb mehrere Ausbauvarianten. Mit Ergebnissen wird zum Jahresende gerechnet. Neben der Teltower Region werden auch bessere Anbindungen nach Berlin für Nauen (Havelland), Velten (Oberhavel) oder Rangsdorf (Teltow-Fläming) untersucht. Voraussichtlich kann wegen knapper Finanzmittel nur eines der Vorhaben umgesetzt werden.

"Wir fahren dort, wo die Länder uns bestellen"

Ohne eine Finanzierungszusage des Landes wird sich in Sachen Stammbahn ohnehin nichts bewegen. Das sagt auch Buchner: „Wir fahren dort, wo die Länder uns bestellen.“ Das Interesse der S-Bahn dürfte in Kleinmachnow auch den Verein Schutzgemeinschaft Stammbahn freuen. Der hatte zuletzt in einem offenen Brief an die Gemeindevertreter und den Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf Sorgen vor Lärmbelästigung durch Güterzüge auf der Stammbahn geäußert. Würde die S-Bahn die Strecke betreiben, dürfte es dafür keinen Anlass geben.

Seit rund anderthalb Jahren wird intensiv über eine Wiederbelebung der Stammbahn, die Trasse der ältesten Bahnverbindung zwischen Berlin und Potsdam, diskutiert. Anlass waren die Planungen eines Radweges auf einem Berliner Abschnitt der Stammbahntrasse. Die Stammbahn wäre für die S-Bahn der klare Favorit, wenn es um die weitere Erschließung der Region Teltow geht.

S-Bahn nach Stahnsdorf: überschaubarer Nutzen

Einer Verlängerung der S-Bahn von Teltow nach Stahnsdorf steht S-Bahnchef Buchner hingegen skeptisch gegenüber. Der Nutzen sei überschaubar, weil die Siedlungsstruktur in Stahnsdorf mit vielen Einfamilienhäusern stark in die Breite gehe, so Buchner gegenüber den PNN. Das bedeute, dass vergleichsweise wenige Menschen in fußläufiger Entfernung zu einer möglichen S-Bahnstation in Stahnsdorf leben würden. „Die Leute müssten erstmal in einen Bus steigen, um zur S-Bahn zu kommen“, so der S-Bahnchef. Wenn sie jedoch bereits im Bus sitzen, könnten sie auch gleich zum vorhandenen S-Bahnhof der S25 in Teltow fahren.

 

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