Potsdam-Mittelmark : Variationen über den leeren Raum

Teltower Künstlergruppe Art-Event zeigt Jahresausstellung zum Thema „Vacat“

Einstürzende Hohlräume: Stahlskulptur des Künstlers Hartmut Sy.
Einstürzende Hohlräume: Stahlskulptur des Künstlers Hartmut Sy.Foto: Ariane Lemme

Teltow - Die Wahrheit, sagt Anke Mühlig, rutscht gern zwischen die Zeilen. Der Raum, den die Teltower Künstlerin derzeit hinter Papiergirlanden entstehen lässt, soll Isolation vermitteln – jenes Gefühl, das entsteht, wenn jeder Mensch nur seine eigene Wahrheit kennt. Der leere Raum, das weiße Papier: Das sind die Ausgangspunkte für die zwölf Künstler von Art-Event. Zum zehnten Mal findet sich die Künstlergruppe zusammen, um gemeinsam eine thematische Ausstellung zu gestalten.

Anke Mühlig hat für ihre Installation Blätter mit ihrem Gedicht „Unfassbare Wahrheit“ zwischen den Textzeilen zerschnitten und daraus einen Vorhang gebastelt. „Trotz aller Kommunikation können Worte letztlich keine Brücke sein“, erklärt Mühlig. Ein Grund zu resignieren sei das aber nicht, auch Missverständnisse böten die Chance auf Neues.

Am Samstag wird das Art-Event eröffnet, diese Woche werden die Installationen aufgebaut. Geplant werde aber schon lange im Voraus, sagt Mit-Initiatorin Frauke Schmidt-Theilig. In diesem Jahr habe man das Thema „Vacat“ gewählt: So nennen Buchdrucker die erste, blanke Seite in einem Buch. Mit dem leeren Raum geht jeder der Künstler hier auf dem verwilderten Hinterhof in der Teltower Breiten Straße anders um.

Der Berliner Bildhauer Hartmut Sy, der in diesem Jahr als Gast bei Art-Event erstmals mitmacht, schichtet in einer Ecke des Hinterhofes noch Pflastersteine zu einem Sockel auf. Eine Skulptur aber wird es darauf nicht geben – eine aus den Ziegeln ragende Metallstange soll darauf hinweisen, dass hier etwas fehlt. Nach dem nächsten stärkeren Regenguss könnte auch der Sockel auseinanderbrechen. Sy hat die Steine nur mit etwas Lehm verbunden, bei Nässe weicht es auf.

Steffen Trodlers Installation besteht aus Leintüchern, die von der Decke eines alten Geräteschuppens hängen. Man muss sich durchkämpfen auf der Suche nach Leere, die Laken selbst sind blank und inhaltslos. „Erst wenn man sie dreidimensional wahrnimmt, werden sie zur Begrenzung“, erklärt Trodler.

Klar sei aber auch, dass jeder Besucher in diesen weißen Projektionsflächen etwas anderes sehen wird. Trodlers Interpretation: „Leere zuzulassen, das geht heutzutage eigentlich gar nicht. Stattdessen gilt es als schick, ständig etwas vorzuhaben.“ Das aber erzeuge unwahrscheinlichen Druck. Krankheiten wie das Burn-out-Syndrom könnten eine Folge sein. Andererseits könne Leere nur in einem von Materie begrenzten Raum existieren. Die Tücher können beides sein.

Von Samstag, 28. Mai bis Sonntag, 5. Juni ist die Ausstellung täglich von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Die Vernissage findet morgen um 15 Uhr statt, Breite Straße 28.

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