Potsdam-Mittelmark : Unterricht mit Hammer und Amboss

Stückener Schmiede steht jetzt unter Denkmalschutz / Auch Schüler erhalten hier Einblicke ins Handwerk

Thomas Lähns
Wie vor über hundert Jahren wird noch heute in der Stückener Schmiede gearbeitet. Allerdings beschlägt Michael Soika keine Pferde, sondern fertigt Kunstwerke wie Schilder und Tore an.
Wie vor über hundert Jahren wird noch heute in der Stückener Schmiede gearbeitet. Allerdings beschlägt Michael Soika keine Pferde,...Foto: Manfred Thomas

Michendorf - Die Zeiten, in denen in der Stückener Dorfschmiede Pferde beschlagen und Ackergeräte repariert wurden, sind schon lange vorbei. Auf 1886 wird die Entstehung des Gebäudes datiert, „aber seitdem hat sich eigentlich nicht viel geändert – von der Elektrifizierung und einigen kleineren Maschinen einmal abgesehen“, sagt Michael Soika. Der Schmiede- und Schlossermeister hat das Anwesen in der Zauchwitzer Straße 1987 übernommen und nutzt seit dem neue und auch die alten Maschinen, um Kunst zu schaffen. Kreativ gestaltete Schilder, kunstvoll bearbeitete Tore – überall in der Region trifft man auf Werke, die Soika hier gefertigt hat.

Die Stückener Dorfschmiede ist jetzt vom Landesamt für Denkmalpflege unter Schutz gestellt worden. Als gut erhaltenes Beispiel einer großen Dorfschmiede besitze das gesamte Anwesen bau- und technikgeschichtliche Bedeutung, heißt es in einem Schreiben der Behörde. Der Stirnholz-Fußboden, die aus Ziegeln gemauerte Esse mit dem funktionstüchtigem Blasebalg, die Eisensprossenfenster: All das ist noch erhalten. Auch einige der Arbeitsgeräte sind historisch überaus wertvoll. So ist einer der Ambosse so alt wie das Gebäude selbst. Eine funktionstüchtige große Bohrmaschine und ein Federhammer, die beide aus der Zeit um 1900 stammen, werden noch heute genutzt. Eine kleine Ständerbohrmaschine stammt aus dem Jahre 1920. Darüber hinaus gibt es hier auch eine ganze Sammlung historischer Werkzeuge.

„Wenn man sich die originalen Werkbänke und Schraubstöcke betrachtet, kann man erahnen, dass hier harte körperliche Arbeit verrichtet wurde – und wird“, sagt Schmiedemeister Soika. Regelmäßig sind hier Touristen zu Gast und lassen sich von ihm das historische Handwerk zeigen. Auch Schulklassen erhalten immer wieder Einblicke in die alten Mauern, die mittlerweile jedoch in einem schlechten Zustand sind. Immerhin: Mit der Anerkennung als Denkmal verbessern sich die Aussichten auf Fördermittel. Soika ist stolz darauf, dass er hier „die Flamme der Tradition schürt“, wie er sagt. Dazu gehört auch die Nachwuchsarbeit. Junge Praktikanten aus dem In- und Ausland nehmen Unterricht beim Stückener Schmied. So bedeute die Aufnahme seiner Arbeitsstätte in die Landesdenkmalliste auch ein Stück Zukunft für Jugendliche, die sich für ein altes und wichtiges Handwerk interessieren. Auch Stücken erfahre eine Aufwertung. 

Schon lange vor 1886 wurde das Schmiedehandwerk in dem kleinen Dorf betrieben, wie Soika zu berichten weiß. In alten Urkunden wird eine Schmiede bereits für die Jahre 1772 und 1801 erwähnt – wahrscheinlich am heutigen Standort. Das Anwesen aus dem späten 19. Jahrhundert wurde noch bis in die 1970er Jahre genutzt, stand danach leer – bis Soika es übernahm. Das Besondere an der Stückener Schmiede sei laut Denkmalamt die Größe der Werkstatt sowie die Tatsache, dass sie sich unter dem gleichen Dach wie die Wohnung befindet.

Schon immer war die Schmiede ein Mittelpunkt des dörflichen Lebens, auch deshalb kam die Anerkennung durch das Denkmalamt. „Der Schmied war früher ein Universalhandwerker, der Reparaturen jeglicher Art vorgenommen hat“, heißt es in dem Schreiben. Auch heute noch umringen die Leute den Schmied, wenn er zum Hammer greift, um glühendes Eisen zu bearbeiten. Als „Geschichtslehrer“ mit Hammer und Amboss ist Soika auch auf Mittelalterfesten und Märkten unterwegs und fasziniert die Zuschauer – nicht nur mit seinen Erzeugnissen, sondern auch mit der historischen Produktionsweise. Thomas Lähns