Unterführung in Werder (Havel) : Tunnelbau verzögert sich um fünf Jahre

Die lang ersehnte Unterführung für Autofahrer soll erst 2029 fertig sein. Außerdem wird der Bahnhofsvorplatz umgestaltet.

Der Bahnübergang in Werder (Havel).
Der Bahnübergang in Werder (Havel).Foto: Andreas Klaer

Werder (Havel) - Die Werderaner werden noch etwa zehn Jahre auf den Ersatz des Bahnübergangs an der Phöbener Straße durch einen Tunnel warten müssen. Wie Frank Schmidt, Chefplaner des Landesstraßenbetriebes, am Mittwochabend bei der Vorstellung der Planungen im Ausschuss für Stadtentwicklung und Mobilität in Werder (Havel) sagte, soll im Jahr 2024 mit dem Bau des Rad- und Fußwegtunnels am Bahnhof begonnen werden. Erst wenn dieser Tunnel fertig ist, könne mit dem Bau der Unterführung für die Autofahrer begonnen werden. „Ich rechne damit, dass das im Jahr 2026 der Fall ist“, sagte Schmidt am Rande des Ausschusses den PNN auf Nachfrage. Anschließend werde der Straßentunnel etwa drei Jahre lang gebaut, könnte also wohl frühestens 2029 fertig sein. Zu Kosten wollte Schmidt auf Nachfrage noch keine Angaben machen. Im Jahr 2017, als die Pläne für den Ersatz der Schranken durch zwei Tunnel präsentiert wurden, war noch von einer möglichen Fertigstellung bis 2025 die Rede.

Wie berichtet plant der Landesstraßenbetrieb, den Bahnübergang an der L90 durch einen Tunnel für Autos etwa auf der Höhe der derzeitigen Schranken und einen Tunnel für Fußgänger und Radfahrer am Bahnhof zu ersetzen. Die Schranken trennen die Autobahnauffahrt und das Wohngebiet Havelauen von der Werderaner Innenstadt. Der Bahnübergang ist aufgrund des Zugverkehrs bis zu neun Stunden täglich geschlossen.

Über ihren Ersatz wird bereits seit etwa 15 Jahren debattiert. Die Planungen zum Tunnelbau hatten sich zuletzt erneut verzögert, da der Straßenbetrieb gehofft hatte, dass die Bahn ihren Fußgängertunnel zwischen den Bahnsteigen schließt und sich am Bau des neuen, barrierefreien Tunnels mit langen Rampen beteiligt. Jedoch lehnte die Bahn lehnte das ab, jetzt übernimmt Werder zehn Prozent der Kosten für den Bau des Fuß- und Radwegtunnels, der sowohl als Durchfahrt für Radler unter den Gleisen sowie als Zuwegung zu den Bahnsteigen geplant ist.

Der Tunnel für Autofahrer ist in der Entwurfsplanung bereits fertiggestellt. So soll es auf Höhe der Kesselgrundstraße einen Kreisverkehr geben, kurz hinter diesem beginnt die Rampe in den Tunnel, die etwa sechs Prozent Steigung haben soll. Die Straße unterquert anschließend die drei Bahngleise und erreicht etwa auf Höhe der Autowaschanlage wieder das derzeitige Straßenniveau. Die Häuser entlang der Straße sollen durch eine Einbahnstraße erschlossen werden, die kurz vor den Gleisen den Straßentunnel quert und auf der anderen Seite zurückführt. Der Autotunnel kann erst gebaut werden, wenn die Autobahnbrücken zwischen Werder und Kemnitz fertig ist, da die Straße als Umleitung dient. Konkrete Bauzeiten für die Autobahnbrücken stehen noch nicht fest.

Für den geplanten Fuß- und Radwegtunnel sowie den künftigen Bahnhofsvorplatz präsentierte Schmidt am Abend erstmals konkretere Pläne, deren technische Umsetzbarkeit im Frühsommer des kommenden Jahres geprüft werden soll. So soll der Tunnel für Fußgänger und Radfahrer insgesamt acht Meter breit werden. Drei Meter davon sollen Radweg sein, knapp zwei Meter Fußweg für Passanten und rund drei Meter Fußweg für Bahnreisende, die von einem Bahnsteig zum anderen wollen. An beiden Bahnsteigen soll es wie bisher Aufzüge geben. Der bisherige Fußgängertunnel soll zugeschüttet werden.

Auch der Bahnhofsvorplatz soll umgestaltet werden: Der Radwegtunnel erreicht auf der derzeitigen grünen Mittelinsel vor dem Bahnhof die Oberfläche. Vor dem Bahnhof sollen vier Bushaltestellen entstehen. Auf dem Weg in die Innenstadt sollen die Busse neu auf einer Brücke über den Fuß- und Radweg fahren. Auf dem derzeitigen ebenerdigen Parkplatz neben dem Bahnhof soll ein neues Parkhaus entstehen, dass sowohl Platz für Busse und Fahrräder als auch für Autos hat. Diese Pläne hat der Landesstraßenbetrieb gemeinsam mit der Stadt, Schmidt bezeichnete sie am Abend als „alternativlos“. Bei den Bauausschussmitgliedern sorgte das für großen Unmut: So brachte Elmar Schlenke (Stadtmitgestalter) einen Gestaltungswettbewerb ins Spiel, der Vorplatz sei die Visitenkarte der Stadt. In die genaue Gestaltung des Vorplatzes sollen die Stadtverordneten jedoch etwa ab Mitte 2020 einbezogen werden.