Unangekündigte Kontrollen : Schlachten in Corona-Zeiten

In Brandenburg werden die Schlachtbetriebe kontrolliert. Man möchte verhindern, dass es zu einem massiven Corona-Ausbruch kommt, wie er aktuell aus anderen Großschlachtereien gemeldet wurde.

Kontrolle in Schlachthöfen. Nach Coronainfektionen in mehreren fleischverarbeitenden Betrieben haben auch in Brandenburg die Behörden begonnen, unangemeldete Kontrollen bei den Unternehmen durchzuführen.
Kontrolle in Schlachthöfen. Nach Coronainfektionen in mehreren fleischverarbeitenden Betrieben haben auch in Brandenburg die...Foto: Ingo Wagner/dpa

Potsdam / Neuseddin - Wie steht es um die Gesundheit der Mitarbeiter in brandenburgischen Schlachthöfen? Nach zahlreichen Coronafällen in einigen deutschen Großschlachtereien hat das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) im Rahmen einer Sonderaktion in den vergangenen Tagen mit unangekündigten Kontrollen der Arbeits- und Unterkunftsbedingungen von Schlachthöfen im Land begonnen. Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) sagte, diese Missstände seien eine der Schattenseiten der industriellen Fleisch-Massenproduktion: „Den hohen Preis für billiges Fleisch dürfen nicht die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Schlachtfabriken bezahlen.“

Saisonarbeiter nur in der Hochsaison

Laut Gesundheitsministerium gibt es im Land nur sehr wenige große Schlachtbetriebe: Landesweit seien insgesamt 138 Schlachthöfe behördlich zugelassen, 47 davon haben mehr als 20 Beschäftigte. Zu ihnen gehört auch die Niederlassung von Dithmarscher Geflügel in Neuseddin, der größte Schlachthof im Landkreis Potsdam-Mittelmark. 25 festangestellte Mitarbeiter hat der Betrieb. Aktuell gebe es keine so genannten Werkverträge, sagt Geschäftsführer Mirko Pabel: „Alle Mitarbeiter haben ihren festen Wohnsitz in Deutschland und sind in der näheren Umgebung ansässig.“

Das ist allerdings nicht das ganze Jahr so: In der Hochsaison, also von Juli bis Dezember, wenn für das Weihnachtsgeschäft geschlachtet wird, arbeiten im Neuseddiner Schlachthof bis zu 60 Personen. Der Großteil davon komme aus Berlin und Brandenburg und habe dort auch seinen Wohnsitz, so Pabel. Etwa 20 der Saisonarbeiter kämen dann aus Polen. Sie würden in Ferienwohnungen in der näheren Umgebung untergebracht, in der Regel handele es sich um Zwei-Bett-Zimmer, zum Teil auch Drei-Bett-Zimmer, alle mit jeweils eigenem Bad und eigener Küche.

„Wir haben uns schon immer an einem gewissen Standard orientiert, die Leute hier arbeiten ja schließlich schwer und sollen vernünftig untergebracht sein“, beteuert Pabel. Dass sich zwei Mitarbeiter ein Bett teilen würden, wie es in manchen Betrieben mit Mehrschichtsystemen vorkommen soll, sei in Neuseddin ausgeschlossen, sagt Pabel: „Wir arbeiten auch in der Hochsaison nur mit einer Schicht, alle fangen zusammen an und machen zusammen Feierabend.“

Wie man die ausländischen Mitarbeiter ab Juli Corona-sicher unterbringen könnte, zum Beispiel in Ein-Bett-Zimmern, sei noch nicht entschieden, so Pabel: „Wir haben das Problem auf dem Schirm, aber man muss erst mal schauen, wie sich die Lage entwickelt. Vielleicht gibt es noch weitere Lockerungen.“

Schon immer hohe Standards

Was den Schlachthof selbst angehe, so herrsche im Betrieb ein hoher Hygienestandard, auch schon vor Corona, wie Geschäftsführer Pabel betont: Schutzkleidung inklusive Mundschutz und Handschuhen sei ausreichend vorhanden, werde mehrmals täglich gewechselt und von einem externen Dienstleister professionell gereinigt. „Aufgrund der aktuellen Ereignisse haben wir zusätzlich eine Corona-Belehrung für die Mitarbeiter eingeführt und wir achten in der Produktion und in den Pausen auf mehr Abstand zwischen den Mitarbeitern“, so der Geschäftsführer des Unternehmens. Alle Mitarbeiter werden täglich zu ihrem Gesundheitszustand befragt. Wer sich krank fühle, müsse zu Hause bleiben und zum Arzt gehen – das sei aber auch schon bisher so gehandhabt worden, erklärte Pabel den PNN.

Den Kontrollen des Gesundheitsamtes sieht der Chef des Neuseddiner Schlachthofs daher gelassen entgegen; außerdem sei das Veterinäramt jeden Tag mit einem Tierarzt im Betrieb vor Ort. Der prüfe nicht nur, ob bei den Schlachtungen alles korrekt verlaufe: „Die schauen bei ihren Rundgängen natürlich auch auf die Betriebs- und Personalhygiene“, ist sich Pabel sicher.

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