Trotz Corona kein Kontakt mit Behörde : Mittelmarks Gesundheitsamt räumt Verzögerungen ein

Das Gesundheitsamt hat immer noch Probleme bei der Betreuung positiv getesteter Bürger im Landkreis. Die Behörde verspricht Besserung durch die geplante Umstrukturierung.

Wie ein Leser aus Michendorf schilderte, ist das Gesundheitsamt Potsdam-Mittelmark nach wie vor schwer zu erreichen (Symbolbild).
Wie ein Leser aus Michendorf schilderte, ist das Gesundheitsamt Potsdam-Mittelmark nach wie vor schwer zu erreichen (Symbolbild).Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Michendorf/Bad Belzig – Das Gesundheitsamt Potsdam-Mittelmark hat offenbar weiterhin Probleme die gemeldeten Neuinfektionsfälle zu verfolgen. Diese Erfahrung machte Mike Binnenbruck und seine Partnerin aus Michendorf, die erst nach fast zwei Wochen endlich Kontakt zur Behörde herstellen konnten.

Gesundheitsamt weder per Telefon noch E-Mail zu erreichen

Am 25. Dezember habe die Mutter seiner Partnerin, die in einem Pflegeheim in Michendorf arbeitet, Symptome einer Covid-19-Erkrankung gezeigt, sagte Binnenbruck den PNN. Einen Tag danach wurde sie per Schnelltest positiv getestet, ein PCR-Test zwei Tage später bestätigte das Ergebnis. Seither hätten er und seine Partnerin versucht, telefonisch und per E-Mail das Gesundheitsamt zu erreichen. 

Von der Behörde selbst habe sich seit dem positiven Test niemand gemeldet, eine Quarantäneanordnung habe es nicht gegeben, so Binnenbruck. Seine Partnerin, die sich um ihre erkrankte Mutter kümmerte, zeigt ebenfalls mittlerweile erste leichte Symptome. Sie ist Heilpädagogin und arbeitet in der mobilen Betreuung. Sie hat sich testen lassen, das Ergebnis steht noch aus. 

Nach einem Anruf im Büro des Landrates melden sich Mitarbeiter

Am Donnerstag habe Binnenbruck schließlich, auch um zu klären, wie sich seine Partnerin nun weiter verhalten soll, im Sekretariat von Landrat Wolfgang Blasig (SPD) angerufen, das einen Kontakt zum Corona-Krisenstab herstellte. Daraufhin meldeten sich noch am selben Tag gleich mehrere Mitarbeiter, die jedoch unterschiedliche Anordnungen aussprachen. Von einer Aufhebung beziehungsweise keiner Quarantäne bis zu einer zunächst mündlichen Quarantäneanordnung für die Partnerin, an die sie sich nun halten wird. 

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Ob deren Mutter aus der Quarantäne darf, sei weiterhin unklar. Die Mitarbeiter hätten erklärt, dass für eine Beurteilung der CT-Wert nötig sei. Ein zweiter Test sei bislang aber nicht angeordnet worden, um den Wert zu ermitteln, sagte Binnenbruck. Sie ist derzeit krank geschrieben. „Ich habe Verständnis, dass die Mitarbeiter sehr stark mit Arbeit belastet sind, aber wenn fast 14 Tage keine Reaktion vom Gesundheitsamt kommt, läuft sehr viel verkehrt“, so Binnenbruck. Er habe aus seinem Bekanntenkreis von ähnlichen Fällen gehört.

Probleme im Gesundheitsamt hätten sich über Feiertage verschärft

Der Fachdienstleiter des Bereichs Hygiene innerhalb der Behörde, Ralf Giese, räumte auf Anfrage gegenüber den PNN ein, dass sich über die Feiertage die bestehenden Probleme bei der Erstellung der Anordnungen weiter vertieft hätten. Große Teile des Personals hätten sich um Ausbrüche in Gemeinschaftseinrichtungen  wie Alters- und Seniorenresidenzen, Rehakliniken und Krankenhäusern, Schulen und Kitas gekümmert, weshalb es bei den anderen Fällen teilweise zu erheblichen Verzögerungen kam. 

„Wir bitten, das zu entschuldigen“, so Giese. Die Prozesse würden verbessert, so dass etwa Mehrfachbearbeitungen eines Falles vermieden werden sollen. Wie berichtet, soll das Gesundheitsamt neu strukturiert und die verschiedenen Aufgabenbereiche gebündelt werden. Wie die Kreisverwaltung mitteilte, sollen erste Änderungen ab kommender Woche umgesetzt werden.

Unterdessen meldete das Gesundheitsamt am Freitag zwei weitere Todesfälle. Die Verstorbenen kommen aus Nuthetal und Ziesar. Insgesamt hat sich die Zahl der Verstorbenen damit auf 77 erhöht. Es wurden 104 Neuinfektionen gemeldet. Seit Beginn der Pandemie haben sich 3990 Menschen infiziert. Aktuell sind 656 Menschen im Landkreis erkrankt - 54 Personen mehr als noch am Vortag. Die Sieben-Tages-Inzidenz liegt aktuell bei 261,4.

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