Tourismus in der Coronakrise : Ausgebuchte Campingplätze, volle Boote

Nach Wochen des Verzichts zieht es die Leute ins Grüne. Campingplätze und Charterbetriebe in Potsdam-Mittelmark können sich kaum vor Anfragen retten.

Wie hier auf dem Campingplatz „Riegelspitze“ in Werder (Havel) klingeln die Interessenten für freie Plätze im Minutentakt. 
Wie hier auf dem Campingplatz „Riegelspitze“ in Werder (Havel) klingeln die Interessenten für freie Plätze im Minutentakt. Foto: Andreas Klaer

Eine so große Nachfrage, wie in dieser und der vergangenen Woche hat Bennet Seidel, Geschäftsführer von Yachtcharter Werder (Havel), in den rund 20 Jahren Unternehmensgeschichte noch nie erlebt: „Wir sind zu dritt im Büro. Die Anfragen der Gäste waren einfach nicht abzuarbeiten“, so Seidel. Auf ihrer Webseite musste der Charterbetrieb sogar die Gäste darum bitten, nicht mehr anzurufen, sondern ihre Anfragen per E-Mail zu schicken.

Betreiber kommen bei Buchungsanfragen nicht mehr hinterher

Seitdem bekannt wurde, dass ab dem 15. Mai die Campingplätze eingeschränkt Gäste beherbergen und Boote gebucht werden dürfen, können sich die Betreiber kaum mehr vor Anfragen retten. Bereits in der vergangenen Woche hatte Jörg Klofski, Vizepräsident des Verbands der Campingwirtschaft in Brandenburg, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur prophezeit, dass die Betreiber in dieser Saison eher das Problem haben werden, die vielen Gäste unterzubringen. Und tatsächlich: Viele Betreiber kommen bereits jetzt bei den Buchungsanfragen nicht mehr hinterher.

Bennet Seidel vom Yachtcharter Werder (Havel) rechnet mit einer guten Saison. 
Bennet Seidel vom Yachtcharter Werder (Havel) rechnet mit einer guten Saison. Foto: Enrico Bellin (Archivbild)

Seidel ist optimistisch und rechnet mit einer tollen Saison. Dennoch: Die Verluste im mittleren sechsstelligen Bereich der ersten beiden Monate, könne das Unternehmen nicht ganz ausgleichen. „Ein Großteil unserer Gäste hat ihre Anzahlung nicht zurückverlangt und auf das nächste Jahr oder zu einem anderen Termin in diesem Jahr umgebucht“, so Seidel. Doch rund zehn bis 15 Prozent wollten ihr Geld zurück. Der Yachtcharterbetrieb hat sich gut auf Corona eingestellt. So finden etwa die Übergaben und Rücknahmen der Boote nur mit einem Skipper und einem Mitarbeiter statt. Der Rest der Crew wartet in der Zeit in einem separierten Bereich. Die Einweisung auf den Booten findet nur mit einem Mitarbeiter und einem Crewmitglied statt, dabei wird Mundschutz getragen. Die meisten Gäste reagieren verständnisvoll. Auch auf die Auflage, dass sich auf den Booten nur Familien aus zwei Haushalten aufhalten dürfen, so Seidel. Statt den Freunden seien so zum Beispiel am „Männertag“ die Ehefrauen mitgekommen.

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Betreiber hoffen, dass Viele ihren Urlaub im Inland machen werden

Auch auf dem Blütencampingplatz Riegelspitze in Werder (Havel) sind die Anfragen enorm, sagt Chefin Fanny Kinkel. Die Mitarbeiter kämen bei den Mails gar nicht mehr hinterher. Der beliebte Campingplatz liegt direkt am Glindower See. „Wir hatten ständig Nachfragen, wann es denn endlich wieder los geht“, sagt Fanny Kinkel. Wegen der zwangsweisen Schließung im April und im halben Mai, habe es viele Stornierungen gegeben. Ein ganzer Aktenordner sei damit voll, sagt Kinkel. Allein im April sind rund 120.000 Euro an Einnahmen weggefallen. Jetzt liege die Auslastung bei rund 90 Prozent. „Wir haben noch Lücken“, so Kinkel. 

„Meine Hoffnung ist, dass die Grenzen noch nicht geöffnet werden und viele im Inland ihren Urlaub machen werden“, so Kinkel. Dabei gehe es ihr nicht nur um ihren Campingplatz. Sie habe auch Angst vor einer erneuten Viruswelle. Der Campingplatz ist gut auf die Hygienemaßnahmen vorbereitet. „Wir haben uns bereits vor zwei Jahren modernisiert und eine Schranke mit Kfz-Erkennung angeschafft“, so Kinkel. Die Plätze für die Wohnwagen sind bei Buchung bereits vorbereitet. In den Ferienhäusern liegen alle wichtigen Unterlagen und ein Lageplan bereits in einem Umschlag im Haus, der Schlüssel steckt in der Tür. Wenn die gemeinschaftlichen Sanitäranlagen ab dem 25. Mai wieder geöffnet werden dürfen, werde auf die Abstände geachtet. Da der Platz aber über Einzelwaschkabinen verfügt, sieht Kinkel darin nicht so sehr ein Problem.

Campingplatz Himmelreich rechnet mit spannender Saison

Der Ansturm ist auch auf dem Campingplatz Himmelreich, der auf einer Halbinsel in Caputh liegt, zu spüren. „Aktuell kommen die Anrufe im zehn-Minuten-Takt rein“, sagt Geschäftsführer Maximilian Groß. Nicht nur der Campingplatz war von der Schließung betroffen. Der Familienbetrieb, den Roger Groß 2002 eröffnete und seit vielen Jahren gemeinsam mit seinen Söhnen Maximilian und William Groß betreibt, hat auch einen großen Eventbereich mit Restaurant und Biergarten. Der wird gerne für Feiern und von Gruppen gebucht. Das fiel in den vergangenen Wochen weg. Die Verluste liegen im sechsstelligen Bereich, sagt Groß. Derzeit liege die Auslastung des Campingplatzes bei etwa 60, 70 Prozent. Sonst sei der Platz um Himmelfahrt und Pfingsten herum zu 100 Prozent ausgebucht. Doch Groß geht davon aus, dass spätestens mit Beginn der Sommerferien die Nachfrage nochmals steigen wird. „Ich bin davon überzeugt, dass es trotz allem eine spannende Saison wird.“

Der Campingplatz Himmelreich liegt auf der Halbinsel im Schwielowsee. 
Der Campingplatz Himmelreich liegt auf der Halbinsel im Schwielowsee. Foto: Paul Zinken/dpa

Auch Frank Ringel, Chef vom Yachthafen Ringel in Töplitz, ist optimistisch. „Eigentlich beginnt unsere Saison mit den ausflippen der Boote Mitte April.“ Mit den geltenden Abstandsregeln und individuellen Terminen konnte der Betrieb trotz Corona weiterhin arbeiten. Nur ein Viertel der Boote sind Charterboote, der Rest gehört privaten Besitzern, die ihre Boote über den Winter am Hafen einquartiert haben. Die durften sie auch in den vergangenen Wochen nutzen. Das Team des Yachthafens hat immer nur ein Boot pro Stunde zu Wasser gelassen, alles möglichst kontaktlos oder zumindest kontaktarm. Die Charterboote dürfen seit vergangener Woche gebucht werden. „Wir haben natürlich einen Einbruch, weil einige der Boote dieses Jahr gar nicht ins Wasser gebracht werden“, so Ringel. „Ich gehe aber davon aus, dass die Leute, die ein Boot haben, es auch in diesem Jahr nutzen wollen. Viele werden im Inland Urlaub machen.“

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Auch die Hotels öffnen wieder für Touristen

Ab diesen Montag (25. Mai 2020) dürfen auch die Hotels in Brandenburg für Touristen wieder öffnen. Die Reservierungsbücher würden langsam wieder volllaufen, sagte Olaf Schöpe, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Brandenburg (Dehoga) am Freitag. Der Wellnessbereich bleibe vorerst geschlossen. „Wer ein Buffet anbietet, muss Servicekräfte bereitstellen, die das Essen auf den Teller geben“, so Schöpe. Eine Maskenpflicht wird es in den Hotels nicht geben. 

(mit dpa)

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