Potsdam-Mittelmark : Tempel auf wackligen Füßen

Schwedische Kirche kann sich nicht mehr um Erhalt wertvoller Grabanlage in Stahnsdorf kümmern

Stahnsdorf - Olaf Ihlefeldt wird „angst und bange“: Ein antiker Dianatempel auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof droht einzustürzen. Die Mauern links und rechts des Zugangs drücken nach Innen, „irgendwann brechen sie zusammen“, alarmiert der Friedhofsverwalter. Die Granitblöcke der Treppen haben sich massiv verschoben, „sie sind ständig in Bewegung“, so Ihlefeldts Zustandsbeschreibung. Den tragenden Elementen des Tempels schwinden die Kräfte.

Das Kunstwerk ist das außergewöhnlich schöne Zentrum einer etwa 800 Quadratmeter großen Grabanlage, die von der Schwedischen Victoria Gemeinde in Berlin 1924 errichtet wurde. Der Architekt Christoph Fischer, der u.a. für die Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg arbeitet und auf dem Südwestkirchhof die berühmte Wissinger-Grabstätte saniert hat, nennt den Grabtempel ein „bedeutendes Bauwerk an einer prägenden Stelle“ – er steht nahe der norwegischen Stabholzkirche. Etwa 80 Schweden haben bis heute auf der Anlage ihre letzte Ruhestätte gefunden. Der Tempel thront über einem leeren Grabgewölbe, das einst für den schwedischen Botschafter Hans Henrik Freiherr von Essen errichtet wurde, der zu Beginn der 20er Jahre in Berlin tätig war.

Seit ihrem Bau wurde die Begräbnisstätte mit Mitteln der schwedischen Kirche erhalten. 3000 Euro standen jährlich für die gärtnerische Pflege der Anlage zur Verfügung. In diesem Jahr bleiben die Zahlungen jedoch aus. Zwar werden Ehrenamtliche der Victoria Gemeinde weiter die Gartenpflege übernehmen, für die dringend notwendige Sanierung des antiken Tempels gibt es weder jedoch Geld noch Personal. Formal sei die Schwedische Kirche nicht in der Pflicht, so Ihlefeldt, die Nutzungsverträge sind ausgelaufen. Über eine moralische Verantwortung will er nicht urteilen.

Dem Förderverein „Südwestkirchhof Stahnsdorf“ ist das Schicksal der Grabanlage nicht gleichgültig. Ihlefeldt hofft, dass sich eine Interessen- oder Patengemeinschaft findet, um sich für den Erhalt des Kunstwerks, das der schwedische Architekt Alfred Grenander geschaffen hat, zu engagieren. Der finanzielle Aufwand, das verschweigt Ihlefeldt nicht, wäre beträchtlich. Auf etwa 25 000 Euro schätzt er die Sanierungskosten. Selbst wenn ein Antrag auf Fördermittel, den der Kirchhofsverwalter bei der Unteren Denkmalschutzbehörde stellen will, Erfolg hätte, müsste ein Großteil der Summe von privaten Stiftern aufgebracht werden. Auch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie, die in der Vergangenheit häufig den Erhalt kulturhistorisch bedeutsamer Bauten auf dem Südwestkirchhof unterstützte, will Ihlefeldt um Hilfe bitten.

Zudem will er Kontakt zur Familie des ehemaligen schwedischen Botschafters aufnehmen. Ein Großteil der Nachfahren lebt heute in Rom, wohin 1969 – auf Wunsch Familie – der eingeäscherte Sarg des schwedischen Diplomaten überführt wurde.

Die „Schwedische Victoria Gemeinde in Berlin“ wurde 1903 gegründet. 20 Jahre später, am 1. Dezember 1923 weihte sie ihren schwedischen Friedhof in Stahnsdorf ein. Nach dem Bau der Mauer hatte die Gemeinde keine Möglichkeit, die Grabstätte zu pflegen. Als in den 90er Jahren Pfarrer Peter Wänehag die Gemeinde übernahm, ließ er sich von Ihlefeldt über den Zustand der Grabstätte unterrichten. Wänehag gelang es in Schweden, eine Zahlung für die Pflege der Anlage aus dem staatlichen Kirchenfonds über fünf Jahre vertraglich zu sichern. Inzwischen haben sich Staat und Kirche in Schweden getrennt, so dass eine Verlängerung des Vertrages nicht möglich ist. „Ich selbst bin wieder in Schweden“, sagte Pfarrer Wänehag gestern gegenüber den PNN. Bei seinem letzten Besuch in Stahnsdorf vor einigen Wochen überbrachte er die Nachricht von den künftig ausbleibenden Geldern – für Ihlefeldt eine wahre Hiobsbotschaft.