Teltows letzte große Brache : 400 Wohnungen in Teltows Speicherstadt

Der Investor will das Areal am Teltowkanal weiterentwickeln. Auch ein Hotel und ein Parkhaus könnten auf der letzten großen Brache der Stadt entstehen.

Blick aufs Wasser. So könnte es in Teltows Speicherstadt einmal aussehen. An der Warthestraße (rechts im Bild), die über den Kanal führt, soll das Hotel entstehen. Die grün gekennzeichneten Häuser sind in Planung. Repro: Faber+Faber Architekten, Berlin
Blick aufs Wasser. So könnte es in Teltows Speicherstadt einmal aussehen. An der Warthestraße (rechts im Bild), die über den Kanal...

Teltow - Ein weiteres Wohnbauprojekt im boomenden Teltow. Auf einem der letzten Filetgrundstücke, die Teltow noch zu bebauen hat – in der Speicherstadt, unmittelbar am Kanal –, sollen bis zu 400 Wohnungen entstehen. Stadt und Architekten hatten am Dienstagabend zu einer Informationsveranstaltung ins Rathaus geladen und stießen mit den neuen Plänen auf geringes Interesse. Nur ein Gast saß im Publikum.

Die Pläne indes hören sich dennoch interessant an: Gemeinsam mit der Stadt will ein nicht namentlich genannter Investor das teils noch unbebaute Areal zwischen Warthestraße und angrenzendem Gewerbegebiet an der Oderstraße entwickeln. Insgesamt könnten dort, wo heute drei als Bürohäuser genutzte alte Speichergebäude und zwei u-förmig angeordnete Wohnblöcke stehen, neben den 400 Wohnungen Gewerbe und bis zu 950 Parkplätze entstehen. Daneben ein Hotel, Spielflächen und viel Grün. Noch aber sind es grobe Ideen, eine Diskussionsgrundlage, erläuterte der Berliner Architekt Ingmar Faber, der die Pläne im Auftrag des Investors erarbeitet.

Gegenwärtig stelle sich der Eigentümer auf den Freiflächen an der Warthestraße und der Straße Am Teltowkanal mehrere Bauriegel vor. Zudem seien daneben am Kanal, analog zu den bestehenden, zwei weitere u-förmige Blöcke mit Terrassenwohnungen geplant, erklärte der Architekt. Diese sollen aber gedreht und anders als die vorhandenen Gebäude zum Wasser hin geöffnet werden. Zum einen würden die Häuser so als Schallschutz zum Gewerbegebiet und der nahe liegenden Oderstraße fungieren, zum anderen entstehe die Chance, dass alle Wohnungen mit Blick zum Wasser realisiert werden könnten. Auf der Kanalseite an der Rammrathbrücke gegenüber dem Pentha-Hotel stelle sich der Investor ein weiteres Hotel vor, für das es schon mehrere Interessenten gäbe, daneben in der Nähe zum Landratsamt ein frei stehendes rundes Solitär, ebenfalls mit Wohnungen.

Nach gegenwärtigem Konzept könnten auf rund 42 000 Quadratmetern Wohnungen realisiert werden, rund 8000 Quadratmeter sind für Gewerbe vorgesehen, sagte Ingmar Faber. Angrenzend an die Speichergebäude im Osten ist eine Hochgarage für die Bewohner geplant, an der Warthestraße ein öffentliches Parkhaus, das auf Anregung der Stadt mit in die Planungen eingeflossen sei. Konkreteres müsse aber in Abstimmung mit dem Denkmalamt noch diskutiert werden, so der Architekt.

Vor allem das dem Parkhaus vorgelagerte denkmalgeschützte Haus an der Warthestraße, das früher einmal Pförtnerhaus und Entree zur Speicherstadt war, könnte dabei zum Problem werden. Noch bis Ende 1992 wurde auf dem Areal am Teltowkanal Mischfutter für die landwirtschaftliche Tierhaltung hergestellt und gelagert. Von den ehemals vorhandenen Speichern wurden nach der Wende insgesamt drei erhalten und Mitte der 1990er-Jahre zu Bürogebäuden umgebaut. In einem befindet sich eine Außenstelle des Landratsamtes, in einem weiteren die AOK. Zwei der drei Speichergebäude wurden unter Denkmalschutz gestellt, genauso wie das ehemalige Pförtnerhäuschen an der Warthestraße.

Wegen des Denkmalschutzes seien die Nutzungsmöglichkeiten eingeschränkt, erklärte Architekt Faber, nachdem Laura Adebahr (SPD) den Wunsch nach einem Bürgerhaus geäußert hatte. Es sei keine Nutzung denkbar, die einen größeren Raum vorsieht, erklärte der Planer. Grundsätzlich fanden die Pläne für das Areal Zustimmung bei Teltows Stadtverordneten. Unterschiedliche Ansichten gab es hinsichtlich der Höhe der Bauten, die derzeit mit vier Voll- und einem Dachgeschoss geplant seien. Auch solle geprüft werden, inwieweit ein sozialer Wohnungsbau denkbar und realisierbar ist. „Eigentumswohnungen haben wir genug“, sagte etwa Kay Kudell (Linke/Umweltaktive/BFB/Piraten) und Fraktionskollege Reinhard Frank verwies auf den möglichen Bedarf an weiteren Kita- und Schulplätzen. Die Anregungen wollen die Architekten mit dem Investor besprechen, auch die Stadtverwaltung will noch mitreden. In Vorgesprächen hatte sie sich unter anderem einen großen Spielplatz am Kanal gewünscht. Ein Bolzplatz und Freizeitangebot für ältere Kinder sei ebenfalls Wunsch der Stadt, daneben auch Platz für den Rad- und Fußweg am Teltowkanal.

Es ist nicht das erste Mal, dass Investoren mit Bauplänen für das Areal an Teltows Tür klopfen. Zuletzt gab es 2014 Pläne für ein Wohnbau- und Gewerbeprojekt. Damals wollte die Bauträgergesellschaft terra Bau Concept, die das Buschwiesenkarree an der Ruhlsdorfer Straße errichtet hat, vor Ort drei neue Gebäude bauen. Doch mit der Zeit, die während der Diskussion um die Planung verstrich, lief die Ankaufsoption für das Grundstück beim Eigentümer ab, erklärte Projektleiter Jörg-Peter Graap. Um Wohnungen auf dem Gewerbegrundstück zu errichten, hätte der Bebauungsplan, der ein Misch- und Gewerbegebiet vorsieht, geändert werden müssen, erklärte er. Auch für den Eigentümer erwies sich die Vermarktung in Teilflächen als schwierig, sagte Architekt Ingmar Faber. Nicht zuletzt aus diesem Grund wolle er das Areal nun im Ganzen entwickeln, erklärte er.

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