Teltow : Wohnpark statt Gärtnerei geplant

Einer Teltower Gärtnerei droht das Aus ab 2023. Auf dem Gelände könnten dann 230 Wohnungen entstehen. Und der Gärtner? Fühlt sich als Spielball der Spekulanten.

Der Mietvertrag der Teltower Gärtnerei läuft 2023 aus, dann könnten dort Wohnungen entstehen. 
Der Mietvertrag der Teltower Gärtnerei läuft 2023 aus, dann könnten dort Wohnungen entstehen. Foto: Andreas Klaer

Teltow - Auf dem Gelände der Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft Immergrün an der Ruhlsdorfer Straße plant ein Bauunternehmen aus Niedersachsen einen neuen Wohnpark mit Einfamilien- und Doppelhäusern. Rund 230 neue Wohnungen könnten dort nach Angaben der Stadt entstehen. Für den dort ansässigen Gartenbauer Detlef Krieg geht es um die Existenz. „Ich bin zum Spielball der Spekulanten geworden“, erklärt er.

Ziel: Ansässige Gewerbebetriebe erhalten

Schon 2011 hatte die Stadt Teltow beschlossen, für das rund 17 Hektar große Areal eine Bauleitplanung einzuleiten, um dort auf einer Teilfläche Wohnbaupläne zu ermöglichen. Einen überarbeiteten Bebauungsplanentwurf sollen die Stadtverordneten in der nächsten Woche billigen, dann wird er ausgelegt. 

Erklärtes Ziel ist es dabei, die auf dem Areal ansässigen Gewerbebetriebe zu erhalten, die sich nach 1990 zunächst illegal in ehemaligen Immergrün-Bauten an der Ruhlsdorfer Straße angesiedelt haben. Auch der Teltower Gartenbaubetrieb soll bestehen bleiben, heißt es in der Beschlussvorlage. Die noch als Sondergebiet Gartenbau ausgewiesene Fläche soll dazu aufgeteilt und in ein Wohn- und Mischgebiet umgewandelt werden. Gartenbauer Detlef Krieg sieht jedoch keine Grundlage für einen dauerhaften Verbleib. „Mein Mietvertrag läuft 2023 aus. Niemand kann mir sagen, wie es dann weitergeht“, erklärt er.

Krieg investierte in die maroden Häuser

Vor gut zwölf Jahren hatte der 63-Jährige vom damaligen Eigentümer, der Gartenbau Teltow BFS GbR, 6000 Quadratmeter einer insgesamt 1,2 Hektar großen Gewächshausanlage angemietet. Irgendwann sollten die gepachteten Gewächshäuser und eine zugehörige Anbaufläche ihm ganz gehören, sagt er. Insgesamt rund 1,9 Hektar Gartenbauland. Krieg investierte in die maroden Häuser, die nach der Auflösung der Genossenschaft nur noch spärlich genutzt und am Leben gehalten worden waren. Bisher konnte er die Flächen jedoch nicht kaufen.

Mitte der 1990er-Jahre hatte die BFS GbR das rund fünf Hektar große Teilstück des Immergrün-Geländes von der Treuhand gekauft. Unter der Vorgabe, den nach der Wende eingeschlafenen Gartenbau wieder aufzubauen, erwarb das Unternehmen die Fläche als subventioniertes Gartenbauland zu einem Spottpreis, erzählt Krieg. Keine 200 000 D-Mark hätte die BFS dafür gezahlt. „Gegärtnert hat sie allerdings nie“, erklärt er.

Ein zweites Standbein in Teltow

Nach einem Jahr stellte die Gesellschaft ihre Bemühungen ein und vermietete das Objekt. 2005 kam Krieg. Der Berliner war im elterlichen Gartenbaubetrieb groß geworden und hatte sich Mitte der 1970er-Jahre mit einem Großhandel für Topfpflanzen selbständig gemacht. Neben einem Blumengeschäft, das er zudem in Berlin betreibt, wollte er sich in Teltow ein weiteres Standbein aufbauen. Mittelfristig plante er den Umstieg vom reinen Frühjahrs- auf ein Ganzjahresgeschäft.

2008 schrieb die BFS Teltows Bürgermeister an und drängte auf eine Teilwohnbebauung des Areals. Mit dem Erlös wollte der Eigentümer die Gärtnerei modernisieren. Zugleich setzten die Gesellschafter Teltow unter Druck und verwies auf die illegalen gewerblichen Nutzungen an der Ruhlsdorfer Straße, die andernfalls nicht länger hinzunehmen seien.

2011 lenkten die Stadtverordneten ein und beschlossen die Aufstellung des Bebauungsplans. Wie aus einem Gesprächsprotokoll der damaligen Flächeneigentümer hervorgeht, sah dieser zunächst auch vor, 1,9 der insgesamt fünf Hektar für die Gärtnerei zu erhalten. Auch habe ihm die BFS im Jahr 2014 die von ihm gepachtete Gewächshausfläche zum Kauf angeboten, sagt Krieg. Doch wenige Tage vor dem bereits festgelegten Notartermin sei der Deal geplatzt. „Die BFS hatte zwischenzeitlich die gesamten fünf Hektar einschließlich Gartenbaugelände an den niedersächsischen Bauunternehmer verkauft.“ Auch ein Teil der von Krieg gepachteten Gewächshäuser wurde abgerissen. Zugleich wurde ihm das Wohnrecht für die ihm ebenfalls überlassene Wohnbaracke auf dem Gelände entzogen. Die Miete für das abgerissene Gewächshaus zahle er immer noch, erklärt der Gartenbauer.

Mit Hilfe eines Anwalts versucht er nun, zu seinem Geld und Recht zu kommen. Noch hofft er auf ein Angebot des neuen Eigentümers. Komme es zu keiner gütlichen Einigung, erwägt Krieg den Bebauungsplan mittels Normenkontrollverfahren auf seine Rechtmäßigkeit hin überprüfen zu lassen.

Was kann Teltow tun?

Das Bauunternehmen schweigt indes. „Zu potenziellen oder sich in der Entwicklung befindlichen Projekten nehmen wir grundsätzlich keine Stellung“, teilte ein Sprecher mit. Zumal im konkreten Fall das Bebauungsplan-Verfahren noch nicht abgeschlossen sei. Auch die Stadt Teltow könne nach eigenen Angaben nicht mehr tun. Planungsrechtlich sei Detlef Krieg mit der Ausweisung des Mischgebietes die Chance gegeben, dort weiter zu bestehen, erklärt Stadtsprecher Jürgen Stich. Über alles Weitere müssten sich Eigentümer und Gartenbauer aber auf privatrechtlichem Weg verständigen, sagte er.