Teltow : Suppe auf Rädern

Teltow bekommt einen Mini-Foodtruck mit selbst gemachtem Essen. Bistrobesitzer Andreas Stöckert ist mit dem Elektrowagen unterwegs.

Miniküche auf Rädern. Bistrobesitzer Andreas Stöckert ist in Teltow mit einem kleinen Foodtruck unterwegs.
Miniküche auf Rädern. Bistrobesitzer Andreas Stöckert ist in Teltow mit einem kleinen Foodtruck unterwegs.Foto: Andreas Klaer

Teltow - Der Motor springt an, der Gang wird eingelegt, der kleine Elektrowagen fährt schnurrend vom Hof. Geladen hat er Suppen und Deftiges. Ertönt ein lautes Kikeri aus den Lautsprechern, kommen Verwaltungsmitarbeiter, Handwerker oder Angestellte mit den Tellern in der Hand zum kleinen Foodtruck, der Mittagessen für sie geladen hat. Die fahrbare Kantine namens Suppentriesel soll jetzt auch durch Teltow touren.

Der Koch und Restaurantbesitzer Andreas Stöckert klappt die seitliche Klappe seines kleinen Wagens auf. Dann läuft er um seinen Wagen herum und stellt sich hinter den Verkauf. Mit dabei hat er heute eine Gazpacho, eine kalte Suppe nach spanischem Rezept, mit Couscous gefüllte Paprikaschoten und Rinderrouladen. Der 31-jährige gelernte Kellner hat die Leidenschaft fürs Kochen entdeckt und sich mit einem kleinen Foodtruck selbstständig gemacht. Das Essen kocht Stöckert in der Teltower Oderstraße in seinem Bistro. Dort steht er stundenlang in der Küche, knetet Teig, probiert neue Burger-Variationen und schnippelt Gemüse für die Brühe. „Nur ne Tüte oder einen Brühwürfel aufmachen, das geht nicht“, sagt er. Für ihn muss es frisch sein und handgemacht. Die Brotauswahl lässt sich sehen: Süßkartoffelbrot, Bärlauch-Kartoffel-Brot oder Brötchen für Burger, die mit Biertrester gebacken sind.

Gelernt hat Stöckert vor allem in der Küche seiner Mutter. Auch in der Küche des Berliner Hotel Palace hat er den Köchen, wann immer es ging, über die Schulter geschaut. „Seit ich selbstständig bin, probiere ich viel aus“, sagt Stöckert.

Der Mann mit dem kurz rasierten Bart hat Anfang des Jahres in Teltow ein bis dato eher schlecht laufendes Bistro übernommen. „Mein wichtiges Standbein sind bisher die Touren mit der Suppentriesel“, sagt er. Er klopft behutsam auf die Außenwand seines kleinen Elektrowagens. Das Gefährt mit seinem unverkennbaren Surren ist fast so alt wie sein neuer Besitzer. „26 Jahre“, sagt Stöckert und nickt bedächtig mit dem Kopf. Vor zwei Jahren hat er den Wagen von seinen Vorbesitzern, die darin auch Suppen auf verschiedenen Touren durch Berlin verkauften, übernommen.

Elektrofahrzeuge ähnlich Stöckerts Foodtruck nutzte die Deutsche Post bis in die 60er-Jahre hinein, um Pakete zuzustellen. „Das Geräusch der Ketten des Hinterradantriebes ist so speziell und auch laut, dass die Berliner die Wagen früher etwas respektlos Suppentriesel nannten.“ Dem gebürtigen Leipziger gefiel die Geschichte seiner mobilen Kantine, er versprach den Vorbesitzern den Namen beizubehalten und den Wagen, der von Hand ausgebaut wurde, in Schuss zu halten.

„Die Suppentriesel ist altersschwach geworden, lange Touren durch Berlin sind nicht mehr drin“, sagt Stöckert. Durch Teltow zu fahren, sei aber gut machbar. Stöckert stand mit seiner Triesel im vergangenen Jahr auch im Museumsdorf Düppel – dort kreierte er unter anderem einen eigenen Burger, den Düppel-Burger mit Lebensmitteln, die es auch schon im Mittelalter gegeben hat. Überhaupt haben es Burger Stöckert angetan, bei einem seiner Variationen wird das Fleisch mit Senf und Whisky mariniert, ein anderer ist mit glasierten Balsamico-Tomaten belegt.

Die Burger jedoch sucht man im Foodtruck vergeblich, „das wäre zu viel Aufwand, hier in der Triesel einen richtigen Herd einzubauen, um das Fleisch anbraten zu können“, sagt Stöckert. Wer die Doppeldecker für bis zu acht Euro ausprobieren will, muss ins Bistro. Wer Suppen und Hausmannskost zu Mittag essen möchte, kann auf die Suppentriesel warten. Ihr Fahrplan ähnelt dem eines Busses, alle 300 Meter hält sie für ein paar Minuten und macht hungrige Mägen satt und mitunter glücklich. Eva Schmid

www.suppentriesel.de

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