Teltow : Labore für Teltower Neugründer

Am Forschungsstandort Teltow-Seehof entsteht ab diesem Jahr ein neues Innovationszentrum.

Teltow - Das Technologiezentrum Teltow soll noch ab diesem Jahr weiter wachsen. Am Forschungsstandort Teltow-Seehof sollen mit dem sogenannten See:Lab Büro- und Laborräume für neu gegründete kleine und mittlere Unternehmen entstehen, die sich mit chemischer und biochemischer Forschung beschäftigen. Für das Bauvorhaben ist laut Projektleiter Udo Rettweiler ein Investitionsvolumen von etwa sechs bis sieben Millionen Euro vorgesehen. Zum Teil wird das Projekt dabei mit Mitteln des Bundes und des Landes Brandenburg gefördert. Auch vom Landkreis Potsdam-Mittelmark gibt es für den Bau finanzielle Unterstützung.

In dem neuen Gebäude am Forschungsstandort Teltow-Seehof sollen laut dem pbr Planungsbüro Rohling AG neun Nutzungseinheiten entstehen, die jeweils vier Labore und vier Büroräume umfassen. Gebaut werden soll auf einem 4200 Quadratmeter großen Grundstück, das dem Landkreis Potsdam-Mittelmark gehört. Jede der Nutzungseinheiten aus Büros und Laboren soll etwa 200 Quadratmeter groß sein. Für Einrichtung und Laborausstattung sind die Unternehmen, die in das See:Lab ziehen, selbst verantwortlich. Es gibt die Möglichkeit, auch mehrere Einheiten zusammenzuschließen, wenn sich etwa ein Start-up in seiner Gründungsphase bereits vergrößere und somit mehr Platz zum Forschen benötige, wie das pbr in einem Planungsdokument informiert. Das Gebäude soll insgesamt eine Nutzfläche von etwa 2000 Quadratmetern haben, heißt es auf der Homepage des Technologiezentrums Teltow.

„Aktuell sind wir am Ende der Bauantragsphase, als nächstes wird es in die Ausschreibung gehen“, sagt Projektleiter Udo Rettweiler vom Technologiezentrum Teltow, der gemeinsam mit Geschäftsführer Ulrich Dietzsch während der Bauphase für das See:Lab zuständig ist. Je nach Witterung solle möglichst noch 2018 mit dem Bau begonnen werden. Ab dem Spatenstich rechnet Rettweiler mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren.

Vorbild für das Konzept des See:Lab ist das Gründerzentrum Go:In in Potsdam-Golm. Wie im Go:In ist eine hohe Fluktuation der jungen, forschungsnahen Unternehmen fest eingeplant. „Nach fünf bis acht Jahren sollen die Firmen im See:Lab wissen, wo es hingeht und sich neue Räume suchen“, so Rettweiler. Erfahrungsgemäß habe sich nach dieser Zeitspanne gezeigt, ob und in welcher Form ein Unternehmen am privaten Markt bestehen könne. Von Seiten des Technologiezentrums Teltow gibt es für die Gründer in der Anfangsphase Beratungsangebote zu Unternehmenskonzept, Finanzierung und möglichen Förderprogrammen. Dabei vermitteln die Ansprechpartner des Technologiezentrums den Neugründern auf Wunsch auch Kontakte zu Fördereinrichtungen oder möglichen Geschäftspartnern. Auch bei der Beantragung bestimmter Fördermittel erhalten die Unternehmer Hilfestellung. Darüber hinaus können die Gründer im Bereich Marketing und Pressearbeit für ihr Unternehmen auf die Unterstützung des Technologiezentrums bauen.

Es gebe bereits jetzt vor Baubeginn einige konkrete Anfragen von Start-ups, die im See:Lab Büros und Labore mieten möchten, sagt Rettweiler. Welche Firmen das seien, könne er aber im Interesse der betreffenden Gründer noch nicht verraten. Auch sei es möglich, dass sich die Belegungspläne bis zur Eröffnung des See:Lab noch mehrfach änderten, da sich die Geschäftssituationen bei jungen Unternehmen erfahrungsgemäß innerhalb von zwei Jahren stark verändern können. „Allgemein kann man sagen, dass in der Region ein großer Druck auf Büro- und Laborflächen herrscht“, sagt Rettweiler. Das gelte insbesondere für kleinere Laborräume von einer Größe zwischen 50 und 200 Quadratmetern. „In Berlin gibt es in der Regel nur Flächen ab 400 Quadratmetern, die sich in alten Lagerhallen befinden und die über sehr lange Zeiträume gemietet werden müssen“, so Rettweiler.

In direkter Nachbarschaft des künftigen See:Lab befindet sich das Institut für Biomaterialforschung des Helmholtz-Zentrums Gessthacht. Die dort arbeitenden Wissenschaftler beschäftigen sich vor allem mit Materialien, die in der Medizin angewendet werden können – etwa Pflastern, die Blutungen stoppen können und Gewebe narbenfrei verheilen lassen. Das Institutsgebäude war im Dezember 2016 nach eineinhalbjähriger Bauphase eröffnet worden.

Hintergrund: Seehof in Teltow

Die Forscher in Teltow-Seehof sind vor allem im Bereich der regenerativen Medizin tätig. Die Vision: Biomaterialien sollen Organfunktionen übernehmen, bis sich die Organe selbst regenerieren. Die Wissenschaft der Kunststoffe hat in Seehof schon Tradition. Bereits 1921 wurde an der heutigen Kantstraße eine Patentzentrale des Kunsttextilherstellers „Vereinigte Glanzstoff-Fabriken“ gegründet. Zu DDR-Zeiten nutzte die Akademie der Wissenschaften den Standort. Nach dem Fall der Mauer wurden die Labore vom Max-Planck-Institut und dem Fraunhofer-Institut sowie dem Helmholtz-Zentrum übernommen. Seit 2006 investiert dort nur noch das Helmholtz-Zentrum.

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