Teltow : Kunst statt Kippe

Klein, handlich, günstig: Erster Kunstautomat der Region steht vor Teltower Mattauschhaus.

Originell. Lars Kaiser (r.) und Frauke Schmidt-Theilig beim Aufstellen.
Originell. Lars Kaiser (r.) und Frauke Schmidt-Theilig beim Aufstellen.Foto: sos

Teltow - Kunstobjekte aus der Zigarettenschachtel: Seit Dienstag gibt es auch in Teltow Exponate aus dem Automaten. Gleich neben dem Kunstatelier im Mattauschhaus können Teltower und Gäste ab sofort kleine Kunstwerke für die Hosen- oder Manteltasche, als Mitbringsel, Sammelobjekt oder originelles Geschenk aus einem zum Kunstspender umfunktionierten Zigarettenautomaten ziehen.

Zu verdanken ist er der Stahnsdorfer Malerin Frauke Schmidt-Theilig, die schon über 100 Malereien und Zeichnungen im Pocket-Format gefertigt und deutschlandweit Kunstautomaten damit bestückt hat. „Ich hatte in Potsdam mal ein solches Kunstwerk gezogen“, erzählt sie. „Zunächst war ich mir gar nicht so richtig schlüssig, was ich davon halten soll.“ Bis Frauke Schmidt-Theilig auf der Stahnsdorfer Kunstmeile auf einen Bekannten des Berliner Galeristen Lars Kaiser traf, der ihr die Verbreitung ihrer Kunst über den sich seit 2007 in Deutschland mehr und mehr ausbreitenden Trend empfahl.

Heute ist die seit dem Jahr 2000 frei schaffende Künstlerin von der Idee überzeugt. „Ich sehe es als gute Werbung an“, erklärt sie. Der Automat sei eine Möglichkeit, den Menschen die Hemmschwelle zur Kunst zu nehmen.

Für zwei Euro können sich Teltower und Gäste ab sofort aus dem Automaten am Mattauschhaus kleine Kunstwerke ziehen. Auch einige Bilder von Frauke Schmidt-Theilig werden aus dem Teltower Automaten zu bekommen sein, zwei weitere Schächte sind mit Kunstwerken überregionaler Künstler gefüllt – vom Bild über Keramiken bis zur kleinen Skulptur, ob gerollt, gefaltet oder modelliert. Ein jedes mit einem gewissen Überraschungseffekt: „Man weiß vorher nicht, was man zieht.“

Die Idee zu den Kunstautomaten hatte Lars Kaiser. Der Berliner Leiter einer Kunstagentur wollte Kunst rund um die Uhr anbieten können. „Die Galerien schließen ja bis 22 Uhr.“ Inzwischen hat der 40-Jährige gemeinsam mit Automatenaufsteller Andreas Petzke schon über 100 Automaten in verschiedenen Städten Deutschlands aufgestellt, von Stuttgart über Leipzig bis nach Hamburg. Auch in Potsdam hängen inzwischen acht bis zehn. Und auch einige Nachahmer gäbe es bereits, die seine Idee kopierten. Jeder Zeitungsartikel ziehe ein bis zwei weitere nach, so Kaiser. Auch aus den rostigen, zum Teil desolaten Automaten, die Kaiser aus Konkursmassen oder aus Beständen von in Ruhestand gegangenen Familienbetrieben bezieht, werden eigene kleine Kunstwerke. Künstler, die Lust haben, werden dazu von Kaiser und Petzke angefragt.

Für die Region Teltow ist Kunst aus dem Automaten indes neu. Noch muss die Idee ein wenig bekannter werden. Die gelernte Diplom-Bibliothekarin Schmidt-Theilig will daher nicht nur für ihre eigenen kleinen Werke, die sie übrigens in Kaffeepausen ganz nebenbei fertigt, werben. Das Projekt sei offen für alle Künstler der Region. Der Lebensunterhalt lässt sich mit den Nebenbeiwerken allerdings nicht bestreiten, weiß die Künstlerin. Pro gezogener Zigarettenschachtel bekommt sie einen Euro, der Rest geht an den Initiator der Idee für die Wartung und Unterhaltung der Geräte. Solveig Schuster

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