Teltow : Kein Glyphosat auf Teltows Grünland

Grünen-Fraktion fordert Verzicht, den es schon gibt. Landwirten fehlt es angeblich an Alternativen zu dem Pflanzengift.

Foto: Patrick Pleul/dpa

Teltow - Die Teltower Grünen wollen, dass in der Stadt auf das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat verzichtet wird. Den Gremien liegt ein entsprechender Antrag vor, der in der kommenden Woche beraten werden soll. Allerdings: In Teltow und Umgebung wird das laut Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestufte Mittel offenbar gar nicht verwendet. An ihrem Antrag halten die Grünen trotzdem fest. „Uns geht es vor allem darum, ein Zeichen zu setzen“, sagt Grünen-Fraktionschef Eberhard Adenstedt.

Anlass ist die vor drei Monaten von den EU-Mitgliedstaaten getroffene Entscheidung, die Zulassung des Herbizids noch einmal um fünf Jahre zu verlängern. Nach langem Ringen hatten 18 der 28 EU-Länder dafür gestimmt, darunter auch Deutschland. Für Eberhard Adenstedt sei es jedoch an der Zeit, den Ausstieg einzuleiten.

In Teltow wird das Pflanzenschutzmittel auf öffentlichen Grünflächen laut Bürgermeister Schmidt nicht eingesetzt

Glyphosat ist eine chemische Verbindung, die bei Pflanzen das Wachstum hemmt. Dort, wo die Chemikalie aufgebracht wird, wächst buchstäblich kein Gras mehr. Seit über 40 Jahren wird der Wirkstoff vor allem auf Feldern aufgesprüht, um ein ungestörtes Gedeihen des Saatguts zu ermöglichen. Aber auch auf anderen unbebauten Flächen, die forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden, ist das Pflanzenschutzmittel erlaubt. Für so genanntes Nichtkulturland können Ausnahmegenehmigungen beantragt werden – so für öffentliche Wege und Plätze, Grün- und Sportanlagen oder Friedhöfe. Während die Grünen auf Bundesebene schon seit Jahren eine konsequente Reduktion des Herbizids fordern, unterstützen die Ortsverbände nunmehr diese Forderung, indem sie sich konzertiert an die Kommunen richten.

So hatten etwa auch Potsdams Grüne jüngst einen ähnlichen Antrag gestellt. Doch wie in der Landeshauptstadt, wo nach Rathausangaben schon seit Jahren kein Glyphosat verwendet werde, sei auch Teltow der falsche Adressat. Auch in Teltow werde das Pflanzenschutzmittel auf öffentlichen Grünflächen nicht eingesetzt, erklärte Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD). Das bestätigt auch Martina Bellack, Gemeindesprecherin von Kleinmachnow, deren Bauhof für die Flächen der Nachbarkommune zuständig ist.

„Wir brauchen neue Methoden und Technologien“

Erst im vergangenen Herbst hatten die Teltower Grünen in einem Antrag gefordert, dass Teltow allgemein auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verzichten soll, um die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten als auch die Gesundheit der Menschen nicht weiter zu gefährden. Doch schon dieser Antrag fand keine Mehrheit, weil er faktisch umgesetzt ist. Nach Angaben der Verwaltung würden in der Stadt keinerlei Pestizide eingesetzt.

Im nächsten Schritt wollen die Grünen ihren Appell an die Landwirte richten, erklärt Eberhard Adenstedt. Wie Ulrich Benedix, Geschäftsführer der Flämingrind-Produktivgenossenschaft und Vorstandsmitglied des Brandenburger Landesbauernverbandes, den PNN erklärte, seien diese bereit, sich der Debatte zu stellen. Jedoch fehle es derzeit an Alternativen. Das Herbizid werde vor allem eingesetzt, um nach Ernteausfällen durch Viren oder Pilze Folgeschäden zu verhindern, erklärte er. Einzige Alternative sei es, die Felder aufwendig zu pflügen. Dies hätte höhere Kosten zur Folge, würde die Mikroflora im Boden zerstören und zu einem höheren Emissionsausstoß führen. „Wir brauchen neue Methoden und Technologien“, so Benedix. Insgesamt werde der Einsatz des Herbizids aber zurückgefahren, er selbst pflüge seinen Acker, erklärte der Landwirt. Ob er Glyphosat verwende, entscheide jeder Bauer für sich selbst. Doch würde das Mittel in geringen Mengen und verantwortungsvoll eingesetzt, erklärt Benedix. Wichtiger noch sei es, den Fokus auf die Hobbygärtner zu lenken, meint der Landwirt. Noch immer sei das Pflanzengift in Baumärkten erhältlich und damit für jedermann zugänglich, beklagt er.

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