Teltow : Gutachten zu Hafen-Kosten bleibt geheim

Teltows Sonderausschuss beriet dazu nicht-öffentlich.

Teltow – Es bleibt dabei. Teltow hält die Gründe für die exorbitanten Kostensteigerungen beim Bau der Marina vorerst weiter unter Verschluss. Am Dienstagabend präsentierte der im vergangenen September mit der Untersuchung der Vorgänge beauftragte Sachverständige Rainer Enßlin dem Teltower Hafenausschuss zwar erste Ergebnisse seiner Arbeit – jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zuvor hatte Jeannette Paech (Linke/Umweltaktive/BfB/Piraten) beantragt, den Berliner Geologen bereits im öffentlichen Teil der Sitzung sprechen zu lassen, scheiterte jedoch am mehrheitlichen Votum der Ausschussmitglieder.

Teltows Baubeigeordnete Beate Rietz (SPD) begründete die Entscheidung mit Vorgaben der Brandenburger Kommunalverfassung. Näheres wurde nicht bekannt. Im Vorfeld war von möglichen Klagen gegen beauftragte Firmen die Rede, bestätigt wurde das von offizieller Seite aber nicht. Auch von Ergebnissen wollte Gutachter Rainer Enßlin selbst noch nicht reden. „Ob es welche sind, muss das Gremium bewerten“, sagte er. In einem weiteren Schritt werde der Entwurf „einem geschlossenen Personenkreis zur Stellungnahme vorgelegt“, sagte Beate Rietz.

Wie berichtet hatten sich die Kosten für Teltows Prestigeprojekt von rund fünf Millionen Euro auf etwa 15 Millionen Euro summiert. Bislang war dies mit dem Mehraufwand aufgrund der Bodenbeschaffenheit und den vorgefundenen Altlasten begründet worden. Gutachter Enßlin hatte unter anderem zu untersuchen, ob es hier vorab Versäumnisse oder Fehleinschätzungen gegeben hat. Dort, wo der Hafen entsteht, war früher der Schönower See, der beim Bau des Teltowkanals zugeschüttet worden war. Später wurden auf dem Uferareal ein Säge- und ein Betonwerk betrieben, die ihre Spuren hinterließen.

Vor Ort waren unter anderem hohe Konzentrationen von Mineralölkohlenwasserstoffen (Mkw) festgestellt worden, vornehmlich Schalöle, die beim Einschmieren von Betonteilen genutzt werden, erklärte Torsten Huntemann, Niederlassungsleiter Wasser und Umwelt der Spiekermann GmbH. Das Unternehmen war beim Hafen mit dem Abfallentsorgungskonzept betraut. Die Bergung und Entsorgung der kontaminierten Erde hatte zu deutlichen zeitlichen Verzögerungen beim Bau der Marina geführt.

Die im Ausschuss vorgetragene Sorge einiger Kommunalpolitiker, der bevorstehende Aushub des Hafenbeckens könnte neue Risiken bergen, teilte Huntemann nicht. Der Bereich des Hafenbeckens sei schon zu Beginn durch Bohrungen und Schürfe hinreichend erkundet worden. Gefährliche Abfälle „in Größenordnungen“ würden dort nicht mehr erwartet.

Im östlichen Teilbereich des Hafens, wo später Hafenmeisterbüro, Spiel- und Parkflächen entstehen sollen, stellte sich die Situation indes anders dar. Dieses Areal war offenbar zunächst nicht hinlänglich untersucht worden. Statt geplanter Versiegelung musste dort der komplette Boden ausgetauscht werden (PNN berichteten). Von 40 aus dem Aushub gebildeten und später beprobten Erdhaufen seien mehr als die Hälfte mit gefährlichem Abfall belastet gewesen, sagte Huntemann. Die maximale Konzentration der Mineralölkohlenwasserstoffe (Mkw) war mit etwa 9400 Milligramm pro Kilogramm ermittelt worden. Das ist mehr als das Neunfache des vorgegebenen Zielwerts. 

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