Potsdam-Mittelmark : Teltow bekommt Asylbewerberheim

198 Flüchtlinge aus aller Welt werden an der Iserstraße untergebracht. Die ersten kommen im Februar

Tobias Reichelt Hagen Ludwig
Weltoffen. In der Iserstraße an der Ecke zur Warthestraße sollen die Flüchtlinge im sanierten Fünfgeschosser eine neue Unterkunft finden. Einst gehörten die drei hier stehenden Häuser zum Geräte- und Reglerwerk Teltow (GRW).
Weltoffen. In der Iserstraße an der Ecke zur Warthestraße sollen die Flüchtlinge im sanierten Fünfgeschosser eine neue Unterkunft...Foto: Tobias Reichelt

Teltow - In Teltow wird bis August das größte Asylbewerberheim im Landkreis entstehen. 198 Flüchtlinge aus aller Welt sollen an der Iserstraße Ecke Warthestraße eine neue Bleibe finden. Das erklärte Andreas Burdag von der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark am Dienstag gegenüber den PNN. Demnach werden die ersten 40 Asylbewerber bereits am 4. Februar in den sanierten Fünfgeschosser an der Iserstraße einziehen.

Die konkreten Pläne seien bislang wenig bekannt gewesen, sagte Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) am Montagabend im Teltower Sozialausschuss. Aus den PNN habe das Rathaus von den ersten Gedanken des Landkreises erfahren. Wenige Wochen später würden bereits Nägeln mit Köpfen gemacht. Zwar sei er überzeugt, dass es gelingen wird, den Flüchtlingen in der Stadt ein positives Wohnumfeld bieten zu können, trotzdem habe er Landrat Wolfgang Blasig (SPD) um Aufklärung gebeten. „Wir müssen mit der Situation einen Umgang finden“, sagte Schmidt. Noch vor dem Einzug der ersten Asylbewerber soll es eine Sicherheitskonferenz geben, an der Polizei, Feuerwehr, Ärzte und Verwaltung beteiligt werden. Landrat Blasig wies indes am Dienstag auf seiner turnusmäßigen Pressekonferenz zurück, dass es ein Informationsdefizit gegeben habe. „Der Bürgermeister wurde von mir informiert, ist sich wohl jetzt aber der Dimension bewusst geworden“, sagte er. Auch mehrere Stadtverordnete sehen indes Klärungsbedarf. FDP-Politiker Eberhard Derlig sprach von einem „Flüchtlings-Campus“. Jahrelang habe die Stadt darum gerungen, einen Investor für die Blöcke zu finden. Entstehen sollte günstiger Wohnraum für Teltower. Der Grüne Eberhard Adenstedt drang darauf, dass der Kreis die Betreuung im Heim verstärkt.

Fast alle Asylbewerber sollen in einem der drei Fünfgeschosser an der Kreuzung zur Warthestraße untergebracht werden. Das Haus gehörte einst zum Geräte- und Reglerwerk Teltow (GRW). Die Blöcke standen lange leer, bis der mittlere nun saniert wurde. Entstanden sind 70 Wohnungen, meist mit zwei oder drei Räumen.

Der Landkreis habe das Gebäude angemietet, sagte Andreas Burdag. Im Wochenrhythmus werden nach dem 4. auch am 11. und am 18. Februar weitere knapp 100 Flüchtlinge einziehen. 38 von ihnen sollen aus Belzig umgesiedelt werden, dort wird das Asylbewerberheim saniert. Die übrigen Wohnungen in dem Haus werden nach und nach vergeben.

Bis August soll auch ein zweiter Block saniert sein. Dort wird der Landkreis ein Geschoss für weitere 38 Asylbewerber anmieten. Eine Etage werde vom Oberstufenzentrum genutzt, dort soll ein Internat entstehen. Die drei übrigen Geschosse und der dritte Wohnblock werden nicht vom Landkreis angemietet. Man habe nicht vor, den Asylbewerberstandort Teltow über die Zahl der 198 Flüchtlinge hinaus auszubauen, sagte Burdag.

Landrat Blasig sprach indes noch von 140 geplanten Plätzen in Teltow. „Viel mehr können wir nicht an einem Ort unterbringen, sonst bekommen wir die gleichen Probleme wie im zentralen Aufnahmelager in Eisenhüttenstadt.“ Grundsätzlich sei der Teltower Standort sehr gut geeignet. Er liege mitten in der Stadt mit guter Verkehrsanbindung, so Blasig.

Asylbewerber werden in Brandenburg nach einer vorgegebenen Quote auf die Landkreise verteilt. Potsdam-Mittelmark muss für das Jahr 2012 noch 100 Flüchtlingen eine Unterkunft bieten, für das Jahr 2013 noch 160. In Belzig sollen 80 von ihnen ab Februar untergebracht werden, 38 weitere ab März in Beelitz-Heilstätten.